„Gewaltige Unsicherheit“
KPMG gibt keine Entwarnung für 2010

Rolf Nonnenmacher, Vorstandssprecher von KPMG, sieht für das kommende Jahr "eine gewaltige Unsicherheit in den Unternehmen". Es bleibe unsicher, ob der positive Trend lediglich aus der Lageraufstockung vieler Betriebe resultiere oder darüber hinausgehe. Auch für das eigene Geschäft rechnet KPMG nicht mit einem Umsatzanstieg.
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FRANKFURT. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG stellt sich auf ein schwieriges Jahr ein. "Es besteht eine gewaltige Unsicherheit in den Unternehmen", sagte Rolf Nonnenmacher, Vorstandssprecher von KPMG Deutschland, am Montagabend in Frankfurt. Die leichte wirtschaftliche Erholung resultiere aus der Lageraufstockung vieler Betriebe, die davor monatelang von ihren Vorräten gezehrt hatten. Ob der positive Trend über diese Lagereffekte hinausgeht, bleibe unsicher.

Auch für das eigene Geschäft rechnet KPMG 2010 nicht mit einem Umsatzanstieg. "Wir stellen uns darauf ein, dass wir die Folgen der Wirtschaftskrise zeitversetzt zu spüren bekommen", sagte Nonnenmacher. Wenn Beratungsprojekte auslaufen, werden häufig keine neuen Verträge geschlossen. In der Krise schieben die Firmen Projekte auf die lange Bank, so Nonnenmacher. Ähnlich hatten sich bereits die anderen großen Prüfungsgesellschaften Pricewaterhouse-Coopers (PWC), Ernst & Young und Deloitte geäußert. Im Gegensatz zur Konkurrenz konnte KPMG den Umsatz für das abgelaufene Geschäftsjahr bis Ende September mit 1,25 Mrd. Euro jedoch auf Vorjahresniveau halten. Ernst & Young verzeichnete im Geschäftsjahr bis Ende Juni ein Minus von einem Prozent auf 1,12 Mrd. Euro. PWC und Deloitte mussten dagegen deutlich stärkere Einbußen verkraften.

KPMG begründet das gute Abschneiden mit dem zeitnahen Umstieg von der Transaktions- auf die Restrukturierungsberatung. So gingen die Umsätze in der Beratung insgesamt nur um zwei Prozent auf 364 Mio. Euro zurück. Beim Konkurrenten Ernst & Young brach die Transaktionsberatung um 22 Prozent ein. Die weggefallenen Transaktionsprojekte konnte KPMG nahezu durch die Erstellung von Sanierungskonzepten kompensieren. So beteiligten sich die Prüfer an der Käufersuche für den insolventen Modehersteller Escada und erstellten ein Gutachten für die kriselnde Merckle-Gruppe. Hinzu kamen Beratungsprojekte aus dem öffentlichen Sektor - ein Segment, in dem bisher vor allem PWC vertreten war. Noch nicht in den diesjährigen Zahlen enthalten ist ein Auftrag der Europäischen Kommission, den KPMG mit anderen europäischen Ländergesellschaften bearbeitet.

In der Prüfung, dem mit einem Anteil von 46 Prozent größten Umsatzbringer, konnte KPMG leicht zulegen und sich bei öffentlichen Kreditinstituten weiter etablieren. Nach der HSH Nordbank erhielt KPMG ein Mandat für die KfW-Bankengruppe. Auch in der Prüfung mittelständischer Firmen sieht KPMG Wachstumschancen. Einige Großmandate musste KPMG jedoch abgeben. Das Dax-Schwergewicht Siemens prüft nun Ernst & Young, der ehemalige Kunde Dresdner Bank fiel nach der Übernahme durch die Commerzbank weg. Den hohen Preisdruck bei Prüfungsleistungen versucht KPMG durch Effizienz auszugleichen. Der Überschuss sei dennoch zurückgegangen, sagte Nonnenmacher, die Ertragslage aber weiterhin gut.

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