Gewerkschaft fordert Nachbesserungen bei Sanierung
Clement schaltet sich bei Karstadt-Quelle ein

Angesichts des drohenden Wegfalls Tausender Arbeitsplätze bei der Sanierung des Handelskonzerns Karstadt-Quelle hat die Bundesregierung Gespräche mit dem Konzern aufgenommen.

HB DÜSSELDORF. „Wir sind in Kontakt mit Karstadt- Quelle“, sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, nachdem er gestern im Kabinett über die Lage bei Karstadt berichtet hatte. Von finanziellen Hilfen war allerdings nicht die Rede. Clement sagte, er gehe davon aus, dass keine abrupten Entscheidungen zu Lasten von Standorten und Arbeitnehmern fielen, „sondern dass dort sehr sorgfältig umgegangen wird mit einem offensichtlich unvermeidbaren Umgestaltungsprozess, der sehr tief greifend ist“.

Die Gewerkschaft Verdi wird die geplanten harten Einschnitte zur Sanierung des Kaufhauskonzerns nicht ohne Gegenwehr hinnehmen. „Ein Sanierungskonzept gegen 45 000 Beschäftigte durchsetzen – das geht nicht“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Franziska Wiethold dem Handelsblatt. Am kommenden Montag wollen die Arbeitnehmervertreter der Karstadt Warenhaus AG zusammen mit dem Gesamtbetriebsrat und den Tarifkommissionsmitgliedern darüber beraten, wie sie weiter vorgehen wollen. Die Entscheidung über mögliche Kampfmaßnahmen soll aber erst nach Gesprächen mit der Essener Konzernspitze fallen.

Die 181 Warenhäuser des Handelskonzerns Karstadt-Quelle blieben gestern vormittags erst einmal geschlossen, weil die Beschäftigten über die geplanten Einschnitte des am Dienstag vorgestellten Sanierungskonzepts informiert wurden. Karstadt- Quelle will sich unter anderem von rund der Hälfte seiner Warenhäuser trennen und Fachgeschäftketten wie Sinn/Leffers und Wehmeyer verkaufen. Bis zu 20 000 Beschäftigte können nach Einschätzungen von Verdi von Personalabbau, Ausgliederung oder Verkauf betroffen sein. Die Neuausrichtung von Quelle und Neckermann könnte zudem im Bereich Versandhandel 1 000 Beschäftigte den Job kosten, fürchten die Gesamtbetriebsratvorsitzenden von Quelle und Neckermann, Peter Kalow und Franz Lajosbanyai. Karstadt-Quelle kommentierte diese Zahl nicht.

Die Gewerkschaft erwartet vom Vorstand der Essener Karstadt- Quelle AG Nachbesserungen am Sanierungskonzept und umfassende Beschäftigungs- und Lohngarantien. Scharfe Kritik gibt es auch an dem vorgesehenen Verkauf der 77 kleineren Karstadt–Filialen. „Nicht alle dieser Häuser sind unrentabel. Karstadt-Quelle sollte diesen Häusern, auch wenn sie in eine eigene Gesellschaft überführt werden, noch eine Chance geben – mit neuer Geschäftsführung und neuer Konzeption“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Wiethold. Die Gewerkschaft will für diese Filialen ein eigenes Standortsicherungskonzept vorlegen.

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