Gewerkschaft gegen „dauerhafte“ Tarifeinschnitte
Verdi-Chef warnt bei Karstadt-Rettung vor „überzogenen Forderungen“

Verdi-Chef Bsirske hat Banken und KarstadtQuelle-Anteilseigner vor «überzogenen Forderungen und übermäßigem Druck» gewarnt. Damit würden die Rettungsbemühungen verspielt.

HB BERLIN. Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, hat im Konflikt um die Sanierung des defizitären Handelskonzerns KarstadtQuelle Banken und Karstadt-Anteilseigner davor gewarnt, die Rettungsbemühungen durch «überzogene Forderungen und übermäßigen Druck zu verspielen». Das berichtete «Bild» am Samstag unter Berufung auf einen Brief Bsirskes an die Verdi-Landes- und -Bezirkschefs.

Der Verdi-Chef sagte demnach den Karstadt-Beschäftigten den «Rückhalt» der gesamten Gewerkschaft zu, damit sie ihre Arbeitsplätze nicht verlieren. Am Montag beginnen die Verhandlungen zwischen Verdi und der Karstadt-Geschäftsführung. Dabei soll es um tarifliche Einschnitte zur Rettung des Konzerns gehen. Das Management fordert unter anderem Kürzungen bei Urlaubsgeld und -tagen sowie längere Arbeitszeiten.

Für Montag sind zunächst Gespräche zum Versandhandelsbereich in Nürnberg geplant, am Dienstag wird in Essen über die Sanierung des Warenhaussektors verhandelt. Auf den Verhandlungen lastet großer Zeitdruck: Schon für Donnerstag ist eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates anberaumt.

Dort wird dann wohl die außerordentliche Hauptversammlung beschlossen, die in der zweiten Novemberhälfte stattfinden soll. Laut Gesetz müssen die Einladungen zu dem Aktionärstreffen sechs Wochen vor dem angesetzten Termin verschickt werden. Die Anteilseigner sollen über eine Kapitalerhöhung von 500 Millionen Euro befinden, mit der das Management die Kapitalbasis des Konzerns stärken will.

Die Gewerkschaft zeigte sich kompromissbereit bei übertariflichen Leistungen. Längere Arbeitszeiten werden aber abgelehnt, auch dürfe es keine «dauerhaften» Tarifeinschnitte geben, sagte vor wenigen Tagen Verdi-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold. Außerdem will Verdi dafür kämpfen, dass alle Arbeitsplätze und alle zum Verkauf stehenden Filialen erhalten bleiben.

Einem Agenturbericht vom Donnerstagabend zufolge wollen die Banken kurzfristige Verbindlichkeiten von KarstadtQuelle in Kredite mit einer Laufzeit von drei Jahren umwandeln, um dem Konzern «etwas Luft» für die Sanierung zu verschaffen. Größter Kreditgeber ist dem Bericht zufolge die Bayerische Landesbank. Zu den großen Gläubigerbanken zählen außerdem die Dresdner Bank, die Commerzbank, die Hypovereinsbank und die Landesbank Hessen-Thüringen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%