Gewerkschaften protestieren gegen Abbau von 2 700 Arbeitsplätzen.
Streik wirft Bemühungen um Alitalia-Sanierung zurück

Für die Passagiere ist der Streik der Alitalia-Mitarbeiter am Montag glimpflich verlaufen: Die meisten der 18 000 betroffenen Kunden konnten noch rechtzeitig auf andere Fluggesellschaften umbuchen. Die Gewerkschaften protestieren mit den Aktionen gegen den geplanten Abbau von Arbeitsplätzen und die Einfrierung der Gehälter.

MAILAND. Die italienische Airline musste zwischen zehn und achtzehn Uhr insgesamt 362 Flüge streichen; weitere 64 wurden verlegt. Der Streik, zu dem alle großen Gewerkschaften mit Ausnahme der Pilotenvereinigung ANPAC aufgerufen haben, war die dritte Arbeitsniederlegung binnen fünf Wochen. Bereits am 8. Januar und am 17. Dezember 2003 war der Flugverkehr in Italien durch die Proteste teilweise lahmgelegt worden. Ein weiterer Streik – dieses Mal der Piloten – soll am 9. Februar folgen.

Die Gewerkschaften protestieren mit den Aktionen gegen den geplanten Abbau von Arbeitsplätzen und die Einfrierung der Gehälter. Alitalia-Chef Francesco Mengozzi will in den kommenden drei Jahren mindestens 2 700 der insgesamt 21 300 Stellen streichen. Nach seiner Argumentation sind die Kürzungen notwendig, um die chronischen Verluste abzubauen und die Kosten auf ein mit der Konkurrenz vergleichbares Niveau zu drücken. Im vergangenen Jahr erreichte der Personalaufwand mit 1,18 Mrd. Euro mehr als ein Viertel des Umsatzes von 4,6 Mrd. Euro, deutlich mehr als bei Air France und Lufthansa. 2002 waren es nach Angaben der Gesellschaft erst 23,5 %. Auch ist die Effizienz der Mitarbeiter im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich: Laut einer internen Studie war das Flugpersonal der Alitalia (Piloten plus Begleitpersonal) 2002 nur 477 Stunden im Einsatz. Dagegen haben die Mitarbeiter der Lufthansa 592 Stunden und jene der British Airways sogar 631 Stunden absolviert.

Nach Mengozzis Plan soll Alitalia dank der Sparmaßnahmen 2005 endlich die Gewinnschwelle überschreiten. Dazu soll auch eine jährliche Steigerung der Passagierzahlen von 9 % beitragen. Zuletzt hat das Verkehrsaufkommen, das nach dem 11. September 2001 eingebrochen war, aber stagniert. Im vergangenen Jahr hat Alitalia nach eigenen Schätzungen aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mehr als 400 Mill. Euro verloren; Im Jahr zuvor betrug das operative Minus 118 Mill. Euro. Mengozzi warnt, dass Alitalia ohne Sparanstrengungen in den kommenden 18 Monaten die finanziellen Reserven verbrauchen werde und damit in existenzielle Schwierigkeiten geraten könne.

Diese Signale richtet der Vorstandschef nicht nur an die widerspenstigen Gewerkschaften, sondern auch an die Regierung in Rom, die mit einem Anteil von 62,3% die Airline kontrolliert. Zur Jahreswende hatten sich Kabinettsmitglieder aus „sozialen Gründen“ gegen den geplanten Arbeitsplatzabbau ausgesprochen und damit Gerüchten eines bevorstehenden Rücktritts von Mengozzi Nahrung gegeben. Auch ein Dekret vom vergangenen November, wonach die Gesellschaft mehrheitlich privatisiert werden soll, ist nach erfolgreicher Lobbyarbeit der Gewerkschaften vom Parlament noch nicht verabschiedet worden.

Mengozzi gilt als harter Verfechter der Privatisierung. Denn erstens glaubt er, dass er ohne den staatlichen Großaktionär härtere Einschnitte durchsetzen und zweitens die mittelfristige Perspektive einer Fusion mit dem strategischen Partner Air France in die Wege leiten kann. Air France schließt sich im Moment mit der niederländischen KLM zusammen und besitzt bereits per Überkreuzbeteiligung 2 % der Alitalia.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%