Gewerkschaften will eigenes Sanierungskonzept entwickeln
Konfrontation zwischen Gewerkschaft und KarstadtQuelle-Führung bahnt sich an

Das Konzept zur Sanierung des angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzerns stößt bei den Gewerkschaften auf Ablehnung. Sie wollen ein eigenes Konzept entwickeln. Sollte es Streiks geben, droht der Aufsichtsrat mit der Pleite des Konzerns.

HB BERLIN. Die Dienstleistungs-Gewerkschaft Verdi will das Konzept zur Sanierung des Einzelhandelskonzerns KarstadtQuelle nicht unterstützen. «Das Karstadt-Sanierungskonzept tragen wir nicht mit, weil es tausende Arbeitsplätze gefährdet», sagte das für den Handel zuständige Verdi-Vorstandsmitglied, Franziska Wiethold, dem Magazin «Spiegel». «Wir stellen ein Konzept zur Beschäftigungssicherung entgegen.»

Die Gewerkschaft verlangt dabei den Erhalt aller Arbeitsplätze zu den bisherigen Konditionen. Leitlinien seien die Beschäftigungssicherung in sämtlichen Konzernbereichen, der Erhalt von Tarifvertrag und –bindung in allen Karstadt-Abteilungen und die Sicherung aller Standorte des Konzerns. Auf einer für Montag einberufenen Sitzung in Kassel will die Gewerkschaft mit ihren 16 Tarifkommissionen die eigenen Forderungen an den Konzern formulieren, berichtet der «Spiegel».

Der Betriebsrat gibt sich hingegen kompromissbereit: «Wenn die Firma signalisiert, dass sie bereit ist, möglichst viele Standorte zu erhalten und möglichst auch einer Beschäftigungssicherung zustimmt, dann sind auch die Arbeitnehmer bereit, etwas zu geben», sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Pokriefke der Netzeitung.

Sollte Verdi seinen Forderungen mit Streiks Nachdruck verleihen wollen, droht der Aufsichtsrat mit der Insolvenz: «Dann wäre Schluss», heißt es kurz im Aufsichtsrat, wie der «Spiegel» berichtet.

Unterdessen lehnt der zu Metro gehörende Konkurrent Kaufhof die Übernahme einzelner Karstadt-Warenhäuser kategorisch ab. «Wir haben keinen Bedarf, über einen Einstieg nachzudenken», sagt Kaufhof-Chef Lovro Mandac dem «Spiegel». «Auch nicht bei einzelnen Häusern. Keine Diskussion.» Mit gut 133 Filialen in Deutschland sei man «gut versorgt». Das Karstadt-Sanierungskonzept sieht die Ausgliederung von 77 Filialen und deren späteren Verkauf vor. Medienberichten zufolge gibt es bereits Interessenten für diese Warenhäuser.

Allerdings sollen die betroffenen Filialen auch dann nicht geschlossen werden, wenn für sie kein Käufer gefunden würde. Das sagte KarstadtQuelle-Vorstandschef Christoph Achenbach dem Magazin «Focus». «Ich habe nie gesagt, dass diese Filialen kein Geld verdienen, und wir werden diese auch nicht schließen, sagte er. Zu dem Sanierungskonzept gebe es allerdings keine Alternative, kommentierte er die Widerstand der Gewerkschaften.

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