Gewinn sprunghaft gestiegen
Post hat keine Pläne für neuen Börsengang

Die Deutsche Post hat die Portosenkung bei ihrem wichtigsten Ertragsbringer „Brief“ offenbar gut verkraftet und ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben. Das Unternehmen rechnet nun mit einem um 100 Mill. € höheren Betriebsergebnis. Gleichzeitig betonte Finanzvorstand Edgar Ernst, für einen weiteren Börsengang der Deutschen Post gebe es „keinerlei Vorbereitungen oder Planungen“.

rtr/dpa/vwd BONN. Inwieweit der Bund als Haupteigner weitere Aktienanteile an die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) abgebe, sei allein dessen Sache, sagte Ernst am Mittwoch in Bonn. Eine solche Parklösung wäre insofern ohne Auswirkung auf den Kurs der Post-Aktie, da am Markt nicht mehr Aktien platziert würden.

Der Konzern teilte weiter mit, trotz des weltwirtschaftlich und konjunkturell schwierigen Umfeldes verzeichne das Unternehmen eine andauernde starke Geschäftsentwicklung und erwarte daher 2003 einen Gewinn in der betrieblichen Tätigkeit (Ebita) von mindestens 2,9 (Vorjahr 2,4) Mrd. statt der bislang prognostizierten 2,8 Mrd. €.

Analysten sprachen in ersten Reaktionen von einer „positiven Nachricht“. „Die Zahlen werden die Stimmung für die Aktie verbessern, die Anleger sehen, dass die Post ihre Hausaufgaben angeht. Das wird für Phantasie bei der Aktie sorgen, insbesondere wenn man bedenkt, wie gut die Post die Portosenkung weggesteckt hat“, sagte Robert Czerwemsky von der Vereins- und Westbank. Die „Aktie Gelb“ lag am Morgen zunächst aber nahezu unverändert bei rund 12,80 €.

Im zweiten Quartal ging das Ebita nach Angaben der Post auf 518 (667) Mill. € zurück. Der Umsatz gab als Folge der Portosenkung leicht auf 9,4 von 9,6 Mrd. € nach.

Im ersten Halbjahr sprang der Konzerngewinn indes sprunghaft auf 650 Mill. von 155 Mill. € im Vorjahreszeitraum. Dies entspreche einem Ergebnis je Aktie von 0,58 (Vorjahr 0,14) Euro, teilte die Post mit. Grund für den Gewinnsprung ist aber, dass der Gewinn im vergangenen Jahr noch durch eine die bilanzielle Vorsorge gedrückt worden war, die die Post aufgrund des Streits um Beihilfen mit der Europäischen Kommission bilden musste. Das Konzernergebnis lag dennoch unter den Erwartungen der von Reuters befragten Analysten, die im Durchschnitt einen Gewinn von 700 Mill. € erwartet hatten.

Das betriebliche Ergebnis (Ebita) betrug in den ersten sechs Monaten 1,47 (1,57) Mrd. €. Der Rückgang um 6,6 % beruhe zum Teil auf der Senkung des Briefportos zu Jahresbeginn, hieß es. Aber auch Einmaleffekte im Vorjahr, als die Post unter anderem Rückstellungen auflösen konnte, seien bei diesem Vergleich zu berücksichtigen. Der Konzernumsatz erreichte 19,2 Mrd. € und lag damit nur leicht unter Vorjahresniveau.

Für das erste Halbjahr waren Analysten im Schnitt von einem Ebita in Höhe von 1,5 Mrd. € ausgegangen, nach bereinigt 1,6 Mrd. € im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Den Umsatz hatten sie im Mittel bei 19,37 Mrd. € gesehen.

Für das zweite Halbjahr erwarte die Post nun ein Ebita mindestens auf dem Niveau des Vorjahres, teilte der Konzern mit. Aus diesem Grund könne die Post im Gesamtjahr voraussichtlich einen höheren Betriebsgewinn einfahren als noch im Frühjahr erwartet.

Die Post-Aktie hat in den vergangenen Monaten im Sog des stärkeren Gesamtmarktes deutlich zugelegt. Das Papier gewann seit Jahresbeginn über 30 %. Belastet wird die Kursentwicklung des Anteilsscheins Analysten zufolge allerdings von Befürchtungen, der Großaktionär Bund könnte sich angesichts seiner Schuldenlast von Anteilen an der Post trennen. Post-Finanzvorstand Edgar Ernst hatte allerdings erst Mitte Juli unterstrichen, dem Konzern lägen keinerlei Erkenntnisse vor, dass der Bund Aktien des Konzerns am Markt platzieren will: „Es gibt hier keinerlei Erkenntnisse oder Vorbereitungen für einen wirklichen zweiten Börsengang."

Für die Deutsche Post AG kommt eine Expansion im Briefgeschäft in Europa nur in Österreich und Dänemark in Frage. Dort seien „die einzigen attraktiven Postgesellschaften“, sagte der Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen vor Analysten in Bonn. In Österreich könne sich die Deutsche Post nur einer Mehrheitsübernahme vorstellen, in Dänemarkt komme eine Beteiligung von 25 Prozent in Betracht. Sollten sich Gelegenheiten ergeben, werde man sie gründlich prüfen.

Zumwinkel betonte aber, dass die Voraussetzungen für einen Einstieg in den jeweiligen Ländern noch längst nicht gegeben seien. Auch sei der Eindruck unzutreffend, dass die Deutsche Post „ganz wild“ darauf wäre, ausländische Konkurrenten zu kaufen. Die Möglichkeiten dazu hielten sich „in sehr engen Grenzen“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

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