Gewinne aus dem Ausland: Fraport schreibt Passagierwachstum ab

Gewinne aus dem Ausland
Fraport schreibt Passagierwachstum ab

Der Frankfurter Flughafenbetreiber steigert den Gewinn im abgelaufenen Jahr nur leicht. Für 2013 wird sogar ein Rückgang erwartet. Gewinntreiber bei Fraport sind allerdings nicht die Flüge.
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FrankfurtDer Frankfurter Flughafen arbeitet dieses Jahr auf Sicht. "Die gesamtwirtschaftliche Situation und die Rezession in einigen Ländern Europas lasten auf unserem Geschäft", sagte der Chef des Flughafenbetreibers Fraport, Stefan Schulte, am Dienstag. Die Airlines nähmen deshalb Kapazitäten aus dem Markt, in dem sie ihre Flugpläne ausdünnten. Für Frankfurt - Europas drittgrößten Flughafen - bedeute dies weniger Verkehr.

In Sommer dürften die Starts und Landungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in der Folge um 1,4 Prozent sinken - die Zahl der Passagiere werde im Gesamtjahr voraussichtlich wie 2012 bei etwa 58 Millionen liegen. Da zusätzlich noch die Abschreibungen und die Finanzierungskosten steigen, werde der Überschuss 2013 wohl unter dem Vorjahresniveau von 252 Millionen Euro liegen. Anleger zeigten sich enttäuscht - die Aktien fielen um 4,5 Prozent und waren damit größter MDax-Verlierer.

Überraschend ist die Vorsicht in der Führungsetage des Flughafens nicht, da sich der größte Kunde Lufthansa ein Riesen-Sparprogramm auferlegt und derzeit auf Schrumpfkurs ist. Nach früheren Angaben schraubt der Konzern im Winterflugplan die Kapazitäten um drei Prozent nach unten.

Da die Wachstumsaussichten zu Hause beschränkt sind, zieht es Fraport weiter ins Ausland. Die Expansion in schnell wachsende Volkswirtschaften stehe oben auf der Agenda, betonte Schulte. Finanzchef Matthias Zieschang wurde im Gespräch mit Reuters konkreter: Nach derzeitiger Planung versteigere die türkische Regierung am 3. Mai die Betreiberkonzession über 25 Jahre für den geplanten neuen Mega-Flughafen in Istanbul, sagte er. Falls Fraport an der Auktion teilnehme, werde das zusammen mit dem Partner IC Holding geschehen. Mit der türkischen Gruppe betreibe Fraport bereits den Airport in Antalya.

Im Herbst könnte zudem in Brasilien eine weitere Privatisierungsrunde mit den Airports Rio de Janeiro, Belo Horizonte und Manaus anstehen. Fraport werde wahrscheinlich für die Ausschreibung wieder mit der brasilianischen EcoRodovias paktieren. Das Duo hatte bereits 2012 bei einer Flughafen-Auktion in dem Land sein Glück versucht - allerdings ohne Erfolg.

Für die Expansion hat Fraport viel Geld auf der hohen Kante. "Eine Milliarde Euro können wir ohne Probleme in das internationale Geschäft investieren", sagte Zieschang. Insgesamt verfüge der Konzern über eine Liquidität von 1,7 Milliarden Euro.

Im vergangenen Jahr steigerte Fraport den Betriebsgewinn (Ebitda) um sechs Prozent auf 850,7 Millionen Euro. Rückenwind gab es vor allem durch die Eröffnung eines Terminalanbaus im Herbst, mit dem die Ladenfläche deutlich stieg. Fraport verdient nicht nur an den Mieten, die die Geschäfte zahlen, sondern ist auch am Umsatz beteiligt. Jeder Passagier ließ 2012 im Schnitt 3,32 Euro in den Flughafenläden - im Jahr zuvor waren es noch 3,17 Euro gewesen.

Das Ladengeschäft ist die Cashcow des Konzerns: Der operative Gewinn stieg 2012 in dieser Sparte um neun Prozent auf 334 Millionen Euro. Das ist mehr, als Fraport in seinem Kerngeschäft mit Gebühren für das Starten und Landen von Flugzeugen verdient: Der Gewinn aus diesem Geschäft summierte sich im abgelaufenen Jahr nämlich auf 200 Millionen Euro, ein Plus von sechs Prozent.

Gut lief es auch bei den Auslands-Flughäfen, die ebenfalls mehr verdienten. Die Frankfurter sind an den Airports in der peruanischen Hauptstadt Lima, Antalya in der Türkei sowie zwei Airports in Bulgarien beteiligt. Insgesamt stieg der Konzern-Umsatz 2012 um drei Prozent auf 2,44 Milliarden Euro. Für das abgelaufene Jahr soll erneut eine Dividende von 1,25 Euro je Aktie gezahlt werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Jeder Passagier ließ 3,32 € in den Duty Free Läden.
    Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Ein Bereich mit einem Umsatz von 3,32 € / Kunde ist der größte Gewinnbringer der FRAPORT. Da müssen ja zig Millionen Transitpassagiere landen und wieder starten bis da endlich mal nennenswerte Zahlen erreicht werden. Also wenn da so ein vierstrahliger Brummer mit durchschnittlich 200 Passagieren an Bord uns um 05h00 aus den Betten reißt dann machen die Geschäfte am Flughafen einen Umsatz von 664 € an dem die FRAPORT dann mit Prozenten beteiligt ist. An den Lande- und Startgebühren verdient FRAPORT ja laut eigener Aussage nichts. Geht es noch bescheuerter? Weil ein Verlust an Umwelt, an Gesundheit, an Lebensqaulität für Peanuts? Wie groß ist denn dann die Dividende für Frankfurt und Hessen aus denen ja die 100 Mio € der Landeszuschüssen zu dem famosen Programm bezahlt werden sollen. Bouffier kann nicht rechnen oder er hat so seine Gründe.

  • Bei stagnierenden Passagierzahlen hat die FRAPORT es geschafft mindestens 100.000 Menschen zusätzlich mit 300 Mal / Tag mit 70 dB zu beschallen. Nach neuen medizinischen Erkenntnissen sterben da einige Menschen früher, werden krank, Kinder können in den Schulen vor Krach die Lehrer nicht mehr hören. Milliarden an privaten Immobilienvermögen wurden vernichtet. Und das soll ein Erfolg sein? Das Einzige was zugenommen hat sind die Verkäufe im Duty Free Bereich für die Transitpassagiere. Davon hat Frankfurt, Hessen aber nichts. Die sollen ihren Schnapps woanders billig kaufen und uns hier in Ruhe lassen. Wie lange glauben die Politiker ihre eigenen Märchen noch? Bis zu den Wahlen?

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