Gewinneinbruch
Frachtsparte bremst Frankreichs Staatsbahn SNCF aus

Deutlicher Dämpfer für die französische Staatsbahn SNCF: Der Gewinn reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um etwa die Hälfte. Als Sorgenkind gilt hierbei der Güterverkehr. Versäumnisse im Management führten dazu, dass SNCF der Konkurrenz dort derzeit nur hinterher fährt.

PARIS. Frankreichs Staatsbahn SNCF hat große Probleme mit dem Frachtgeschäft, das dem Konzern die Bilanz des vergangenen Jahres verhagelt hat. Ausufernde Verluste der SNCF Fret (Fracht) verbunden mit dreistelligen Millionenrückstellungen haben den Konzerngewinn im Vergleich zu 2005 halbiert. Er fiel von rund 1,3 Mrd. Euro auf 652 Mill. Euro. Der 2005er Gewinn war indes durch einen positiven Sondereffekt verzerrt: Die Staatsbahn hatte 835 Mill. Euro Verkaufsgewinne erzielt, weil sie unter anderem ihre Anteile an der Telefongesellschaft Cegetel veräußert hatte.

Dank guter Ergebnisse im Personentransport stiegen der Konzerumsatz 2006 um fünf Prozent auf knapp 22 Mrd. Euro und der Betriebsgewinn um 22 Prozent auf knapp 700 Mill. Euro.

Das Frachtgeschäft entwickelt sich für SNCF zur Last: Der Verlust stieg um knapp 40 Mill. Euro auf 260 Mill. Euro, hinzu kommt eine Sonderabschreibung von 640 Mill. Euro. SNCF beschönigt die Lage nicht und erklärte: „Die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit dieses Bereiches steht im Zweifel.“ Bei der Sanierung des Frachgeschäfts gerät die neue Bahn-Chefin Anne-Marie Idrac unter Druck von zwei Seiten: Zum einen ist das Geschäft mit Schienentransport für den Wettbewerb geöffnet. Auf der anderen Seite sind Frankreichs Gewerkschaften, die in SNCF eine ihrer letzten Bastione haben, strikt gegen ein tiefgreifendes Sanierungsprogramm.

Bahn-Kenner kritisieren, dass ihr Vorgänger Louis Gallois aus Angst vor Streiks das Frachtgeschäft nie richtig auf den Wettbewerb vorbereitet habe. Der Konkurrent Deutsche Bahn etwa macht mit Fracht gute Geschäfte. Idrac, die SNCF seit Juli 2006 leitet, schmiss als eine der ersten Amtshandlungen den alten Frachtchef Marc Véron raus. Sein Konzept habe zu einseitig auf Kostensenkung gesetzt, die Qualität des Services litt. Kunden klagen über unpünktliche Züge und eine schlechte Behandlung ihrer Waren. Die neuen Wettbewerber wie Veolia Transport bieten oft besseren Service und sind um bis zu 30 Prozent billiger.

Ende März stellte SNCF einen neuen Sanierungsplan für das Frachtgeschäft vor. Zum einen wird das Management dezentralisiert, fünf Regionaldirektionen wurden gegründet, um näher am Kunden zu sein. Darüber hinaus wurden 22 Tochtergesellschaften mit Frachtaktivitäten (Logistik, Fuhrpark-Haltung, Meerestransport etc.) in der neuen Gesellschaft „Transport und logistique partenaires“ (TLP) zusammengefasst, um Synergien zu heben. Binnen drei Jahren soll die Produktivität um 25 Prozent gesteigert werden. Auch Stellenstreichungen sind geplant, von 11 500 Mitarbeitern im Frachtgeschäft sollen in diesem Jahr 751 Stellen wegfallen. Noch ist das SNCF-Frachtgeschäft nicht in einer Tochter organisiert, was eine stärkere Spezialisierung des Personals erlauben würde. Die Gewerkschaften wehren sich mit Händen und Füßen gegen die Gründung einer SNCF-Frachttochter, weil sie angesichts der Probleme einen baldigen Verkauf fürchten.

Für das laufende Jahr hofft SNCF, dass das neue Konzept erste Früchte trägt. Darüber hinaus setzt die Bahn große Hoffnung in die neue Schnellbahn-Strecke Paris-Strasbourg; mittelfristig will SNCF dem Konkurrenten Flugzeug 65 Prozent Marktanteil auf dieser Strecke abknöpfen.

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