Gewinnmarge von zehn Prozent
KKR verdient prächtig mit dem Grünen Punkt

Dem Dualen System Deutschland (DSD) geht es offenbar weitaus besser als zuletzt von seiner Geschäftsführung behauptet. Trotz eines um 7,5 Prozent auf 1,46 Mrd. Euro geschrumpften Umsatzes blieben dem Kölner Grüne-Punkt-Unternehmen 2005 unterm Strich 146 Mill. Euro – was einer beachtlichen Gewinnmarge von zehn Prozent entspricht.

DÜSSELDORF. Ganz freiwillig hat sich das DSD nicht offenbart: Im August hatte sich die CDU im Düsseldorfer Landtag offiziell in einer Kleinen Anfrage nach der Ertragslage erkundigt.

Vor einem halben Jahr noch warnte DSD-Geschäftsführer Stefan Schreiter vor dem kompletten Ende des Grünen Punktes, falls die Politik nicht umgehend härtere Gesetze gegen angeblich unfaire Wettbewerber verabschiede: „Wenn es innerhalb der nächsten anderthalb bis zwei Jahre keine neuen rechtlichen Rahmenbedingungen gibt, läuft die gesamte haushaltsnahe Erfassung (des Mülls) in eine Krise“, sagte er in einem Zeitungsinterview.

Von solchen Aussagen alarmiert, ließen Deutschlands Landesumweltminister eine neue Verpackungsverordnung entwerfen, die das Bundeskabinett womöglich bereits im Frühjahr 2007 verabschieden wird. Sie schreibt vor, dass sämtliche Verkaufsverpackungen künftig über ein duales Sammelsystem haushaltsnah zu entsorgen sind.

Wenn alles gut geht, boxt der Gesetzgeber damit für das DSD die unliebsame Konkurrenz der so genannten Selbstentsorger aus dem Markt. Firmen wie Belland-Vision oder VfW haben in den vergangenen Jahren dem DSD Konsumgüterfirmen als Kunden abgeworben, indem sie ihnen den Grünen Punkt für die Verkaufsverpackungen günstiger angeboten haben.

Zwar ergibt sich bei ihnen wie beim DSD die Pflicht, entsprechende Mengen an entsorgtem Müll nachweisen zu können. Diesen besorgen sie sich aber kurzerhand bei Einrichtungen, bei denen relativ große Müllmengen anfallen – gerne Kinos und Krankenhäuser – und sparen sich so den mühsamen Weg von Haus zu Haus.

Dass die Selbstentsorger dem DSD in Wirklichkeit weitaus weniger schaden als von Geschäftsführer Schreiter behauptet, wird die Novelle der Verpackungsverordnung aber kaum noch stoppen. „Es war schließlich nie ein Zweck der Novelle, das DSD zu schützen“, verteidigt ein Sprecher des Umweltministeriums die Gesetzesinitiative.

Angesichts des hohen Gewinns hat sich der Erwerb des DSD für die Beteiligungsfirma KKR damit gleich doppelt gelohnt. Im Dezember 2004 hatte die US-Beteiligungsfirma das bis dahin offiziell nicht-gewinnorientierte Abfallunternehmen für 260 Mill. Euro übernommen – samt einer mit 836 Mill. Euro gefüllten Firmenkasse. Die liquiden Mittel – bezahlt indirekt von Deutschlands Verbrauchern über den Grünen Punkt – seien für Risiken aus dem laufenden Geschäft vorgesehen, erklärte damals die Geschäftsleitung und präsentierte ein Testat der Wirtschaftsprüfungsfirma PwC.

Schon damals bezweifelten DSD-Beobachter die Notwendigkeit solch hoher Rückstellungen. Tatsächlich lösten die neuen Besitzer davon inzwischen einen großen Teil auf und strichen sie in die eigene Tasche. Bis Ende 2005 verringerten sich die liquiden Mittel in der Bilanz auf nur noch 483 Mill. Euro. „Die Unternehmensrisiken und damit die Rückstellungen werden jedes Jahr neu definiert“, sagte dazu Konzernsprecherin Heike Schiffler auf Anfrage.

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