Gewinnmeldung
British Airways und Iberia trotzen der Krise

Europas Airlines sind in Krisenstimmung, Lufthansa und Air France legen Sparprogramme auf. Doch der Mutterkonzern von British Airways und Iberia verfünffacht seinen Gewinn - mit einer geschickten Auslandsstrategie.
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DüsseldorfKonkurrenzdruck, Kerosinpreis-Explosion, Krisenstimmung – mit diesen klaren Worte skizzierte Tony Tyler, Chef der Weltluftfahrt-Organisation Iata, die Lage der europäischen Luftfahrtbranche. Bei einer ausgewachsenen Rezession in Europa fürchtet die Iata gar einen Milliardenverlust für die Fluglinien. Umso bemerkenswerter, dass die International Airlines Group (IAG), Mutterkonzern der Branchenriesen British Airways (BA) und Iberia, nun einen deutlichen Gewinn von 555 Millionen Dollar vorlegt, mehr als fünfmal soviel wie im Vorjahr.

Dabei ist gerade in Europa der finanzielle Druck auf die Fluggesellschaften zuletzt massiv gewachsen. Die Konjunktur in Süd- und Osteuropa schwächelt, die Zahl gut zahlender Geschäftsreisender, mit denen Fluglinien das meiste Geld verdienen, sinkt und den Staaten fehlt das Geld, um ihre Prestigeobjekte vor der Pleite zu bewahren. Mit der deutschen Cirrus, der spanischen Spanair und der ungarischen Malev mussten allein im Januar drei Fluggesellschaften Insolvenz anmelden. Grounding nennen Luftfahrtexperten ein solches Airline-Sterben.

Auch die wichtigsten europäischen Konkurrenten zeigen auf dem Heimatkontinent Schwäche. Air France-KLM machte 2011 in Europa Verluste von rund 700 Millionen Euro, der neue alte Chef Jean-Cyril Spinetta muss einen Sanierungskurs einschlagen. Auch die Lufthansa soll im Europa-Geschäft rote Zahlen schreiben. Mit einem massiven Sparprogramm von bis zu 1,5 Milliarden Euro will sich die größte deutsche Fluggesellschaft darum für den rauen Wind in der Branche rüsten.

Dass British Airways und Iberia relativ schadlos durch die Krise fliegen, wird vor allem mit einer guten Auslastung der Transatlantik-Routen begründet. Auch dieses Ergebnis ist bemerkenswert. Denn die Konkurrenz hatte zuletzt ihre Kapazität auf der Langstrecke ausgebaut und einen knallharten Preiswettbewerb eröffnet. Doch die Auslandsstrategie von Vorstandschef Willie Walsh scheint aufgegangen zu sein. IAG konnte den Umsatz mit Passagieren um 10,4 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro steigern. 

Ob die IAG-Gewinne nachhaltig sind oder nur ein Silberstreif am grauen Himmel der Luftfahrtbranche, muss das Geschäftsjahr 2012 zeigen. Denn ganz spurlos geht die Kostensteigerung auch an IAG nicht vorbei. Der hohe Ölpreis lässt die Gewinne schrumpfen. Allein die Kerosinkosten im Konzern seien im vergangenen Jahr um fast ein Drittel auf 5,1 Milliarden Euro gestiegen. Für das laufende Jahr erwartet IAG eine weitere Steigerung um eine Milliarde Euro. 

Auch die Olympischen Spiele in London könnten die Gewinne schmälern. Viele Briten, die an Bord von BA-Fliegern normalerweise im Sommer die Insel verlassen, könnten in diesem Jahr wegen des Großereignisses zu Hause bleiben. Zusätzlich belasten Passagiergebühren in Großbritannien das Konzernergebnis. Auch auf Iberia warten unruhige Zeiten: Die Spanair-Pleite hat den Heimatmarkt unsicherer gemacht. Mit Volotea drängt ein neuer Billigflieger nach Südeuropa. Nicht wenige Anzeichen deuten darauf hin, dass IATA-Chef Tony Tyler mit seiner düsteren Prognose am Ende doch noch richtig liegen könnte. 

Mit Material von dpa

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