Gewinnprognose gesenkt
Ölpreis bereitet auch Easyjet Probleme

Der hohe Ölpreis zwingt den britischen Billigflieger Easyjet auf Sparkurs. Wegen des Anstiegs der Treibstoffpreise muss das Unternehmen seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr zurückschrauben. Auf dem Prüfstand steht jetzt der zweitgrößte Standort von Easyjet in Deutschland, Dortmund.

DÜSSELDORF. Der hohe Ölpreis zwingt weitere Billigflug-Gesellschaften auf Sparkurs. Nach der irischen Ryanair und der deutschen Air Berlin hat jetzt auch der britische Konkurrent Easyjet angekündigt, in der Wintersaison die Zahl seiner Verbindungen zu verringern. Auf dem Prüfstand steht dabei der zweitgrößte Standort von Easyjet in Deutschland, Dortmund. Es seien Gespräche mit der Dortmunder Belegschaft im Gange, hieß es. In Berlin, dem größten deutschen Standort, seien keine Einsparungen geplant.

Die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September senkte Easyjet mit der Vorlage der Quartalszahlen wegen der hohen Treibstoffkosten. Easyjet-Chef Andrew Harrison rechnet nun nur noch mit einem Vorsteuerergebnis von 110 bis 120 Millionen Pfund (140 bis 152 Millionen Euro). Analysten hatten auf Grundlage eines niedrigeren Ölpreises lediglich mit einem Rückgang auf rund 138 Millionen Pfund gerechnet. Im vergangenen Jahr hatte die Fluggesellschaft vor Steuern noch 191 Millionen Pfund verdient. Easyjet-Chef Harrison sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er erwarte keine weitere Senkung der Prognose, da der für den restlichen Sommer benötigte Treibstoff bereits eingekauft worden sei. Die Aktie von Easyjet brach um knapp zehn Prozent ein.

Nur etwa gut die Hälfte des Ölpreisanstiegs hat Easyjet nach eigenen Angaben durch Kostensenkungen und steigende Umsätze aufgefangen. Um die Kostenexplosion und die sinkende Auslastung in den Griff zu kriegen, will Easyjet im kommenden Winter das Wachstum der Kapazitäten auf vier bis sechs Prozent senken. Easyjet überprüfe derzeit seinen Flugplan und weitere Anpassungen, um unwirtschaftliche Flüge zu streichen, hieß es. Der Standort Dortmund stehe weiterhin zur Disposition. Im Konkurrenzkampf mit Ryanair und anderen will Easyjet-Chef Harrison aber nicht klein beigeben. Er erwarte, dass seine Gesellschaft weiter Marktanteile anderer Fluglinien hinzugewinne, sagte er. Zudem erwarte er Insolvenzen unter „schwächeren“ europäischen Fluggesellschaften. In drei bis vier Jahren erhoffe er sich einen Zuwachs auf zehn Prozent Marktanteil von derzeit sechs bis sieben Prozent.

Das Geschäft von Europas zweitgrößter Billigfluggesellschaft entwickelte sich von April bis Juni noch recht gut. Im dritten Quartal legte der Umsatz von Easyjet um 32 Prozent auf 641 Millionen Pfund (rund 814 Millionen Euro) zu, die verkauften Passagierkilometer stiegen im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent. Die Zahlen für das dritte Quartal seien im Großen und Ganzen beruhigend, schrieb Credit-Suisse-Analyst Gerald Khoo. Auch die Senkung der Kapazitäten im Winter sei sinnvoll.

Erst vor einer Woche hatte der irische Billigflieger Ryanair angekündigt, wegen der hohen Kerosinkosten seine Flugzeugflotte auf dem Londoner Flughafen Stansted um nahezu ein Drittel zu reduzieren. Ab Oktober sollen ab Stansted nur noch 28 Ryanair-Flugzeuge fliegen, derzeit sind es noch 40. Auch die nach Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat ihr erstes Sparprogramm gestartet. Zum Winterflugplan dünnt Air Berlin das Streckennetz kräftig aus. Die Kapazitäten auf der Langstrecken sollen um 30 Prozent reduziert werden. Zudem sollen spritfressende Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge ausgemustert werden.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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