Gewinnprognose
Wetter spielt Verbund in die Arme

Der österreichische Energiekonzern produziert mehr als vier Fünftel seines Stroms aus Wasserkraft. Durch hohe Wasserstände und gute Preise schneidet der Konzern besser als erwartet ab – und hebt die Gewinnprognose an.
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Wien Der österreichische Energiekonzern Verbund hat im Sommer von hohen Wasserständen an den Flüssen und steigenden Absatzpreisen profitiert und blickt nun optimistischer auf das Gesamtjahr. Für 2012 erwartet das Unternehmen nun bei einem operativen Gewinn von 830 Millionen Euro ein Konzernergebnis von 380 Millionen Euro, wie Verbund am Mittwoch mitteilte. Das sind je 30 Millionen Euro mehr als zuletzt erwartet. An der Börse legte die Verbund-Aktie daraufhin gut zwei Prozent zu und war der größte Gewinner im Wiener Leitindex ATX.

Der mehrheitlich in Staatsbesitz stehende Konzern erzeugt mehr als vier Fünftel seines Stroms aus Wasserkraft und betreibt rund hundert Laufkraftwerke an großen Flüssen sowie Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen. Daher ist Verbund maßgeblich von den Pegelständen der Flüsse abhängig. Der Erzeugungskoeffizient, der misst, wieviel Strom Verbund erzeugen kann, lag in den ersten neun Monaten um sieben Prozent über dem langjährigen Durchschnitt.

Im operativen Ergebnis spiegelt sich das aber nur bedingt wieder: Es schrumpfte in den ersten drei Quartalen um knapp ein Fünftel auf 680 Millionen Euro. Grund dafür war das Ausbleiben positiver Sondereffekte, von denen Verbund im Vorjahr profitiert hatte und ein Bewertungsverlust von knapp 60 Millionen Euro beim Gaskraftwerk Mellach.

Viele Gaskraftwerke in Europa haben ihr Gas oft lange Zeit im Voraus teuer eingekauft und werfen nun angesichts der sinkenden Strompreise keinen Gewinn ab. Hier sei "weiterhin ein Risiko von Wertberichtigungen gegeben, obwohl die wirtschaftliche Situation durch die Anpassung von Gasbezugsverträgen bereits verbessert werden konnte", hieß es in der Mitteilung.

Zum Stand der Gespräche über einen möglichen Ausstieg aus dem Türkei-Geschäft hielt sich Verbund bedeckt. Der Konzern führe ergebnisoffene Gespräche mit anderen Marktteilnehmern, "die von einem Ausstieg aus einer Beteiligung bis hin zum Erwerb weiterer Beteiligungen oder dem Ausbau der bestehenden Beteiligung reichen", bekräftigte das Unternehmen lediglich im Quartalsbericht. Kreisen zufolge verhandelt Verbund mit der deutschen E.ON über ein Tauschgeschäft. Im Gegenzug für die Beteiligung der Österreicher am türkischen Energieunternehmen Enerjisa könnte Verbund von E.ON Innkraftwerke bekommen.

In den ersten neun Monaten hat das türkische Gemeinschaftsunternehmen, das Verbund gemeinsam mit der Sabanci Holding betreibt, knapp 40 Millionen Euro zum Konzernergebnis beigetragen - nach einem Verlust von gut 20 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Derzeit verfügt Enerjisa über eine Leistung von rund 1700 Megawatt, die das Unternehmen durch den Bau von zwölf neuen Kraftwerken in den kommenden Jahren verdoppeln will. Das Gemeinschaftsunternehmen betreibt vor allem Gaskraftwerke.

Verbund will sich künftig jedoch auf Wasser- und Windkraft konzentrieren. "Wir konzentrieren uns (...) auf unsere strategischen Prioritäten: Wasserkraft, Mehrheitsbeteiligungen und die Märkte Österreich und Deutschland", sagte Firmenchef Wolfgang Anzengruber.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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