Gewinnrückgang
Pharmahandel in der Klemme

Preisverfall, Rabattschlachten, mehr Konkurrenz: Obwohl die Umsätze der deutschen Pharmagroßhändler steigen oder stagnieren, gehen die Gewinne zurück. Und die nächsten Unannehmlichkeiten lassen nicht lange auf sich warten.

FRANKFURT. Rückläufige Preise und ein verschärfter Wettbewerb drücken dramatisch auf die Margen des deutschen Pharmagroßhandels. Das haben am gestrigen Dienstag die Geschäftszahlen der Frankfurter Andreae Zahn -Noris AG (Anzag) bestätigt.

Der nach Phoenix Pharmahandel und Celesio drittgrößte deutsche Pharmahändler steigerte zwar seinen Konzernumsatz im vergangenen Geschäftsjahr, das am 31. August endete, um knapp acht Prozent auf 3,7 Mrd. Euro und den Nettogewinn von 22,3 auf knapp 41 Mill. Euro. Doch dazu haben ausschließlich steuerliche Sondereffekte und der Ertrag der erstmals voll konsolidierten rumänischen Tochtergesellschaft Farmexpert beigetragen.

Im inländischen Pharmahandel, dem mit Abstand wichtigsten Geschäft von Anzag, sank der Betriebsgewinn um fast ein Drittel auf 24 Mill. Euro, während der Umsatz noch um drei Prozent auf knapp 3,5 Mrd. Euro zulegte. Die operative Marge lag bei 0,7 Prozent im Deutschlandgeschäft. "Renditen von deutlich unter einem Prozent sind im Pharmahandel auf Dauer aber nicht tragbar“, sagte Anzag-Chef Thomas Trümper. "Wenn sich der Trend so fortsetzt, wird es für uns bald unmöglich, die Versorgung von Apotheken in der bisherigen Qualität aufrechtzuerhalten.“ Was das genau bedeuten könnte, ließ Trümper offen.

Dabei schneidet der Frankfurter Pharmahändler offenbar sogar noch besser ab als die meisten seiner Konkurrenten. Die Münchener Sanacorp etwa, die mit knapp 30 Prozent an Anzag beteiligt ist, meldete vor wenigen Tagen für die ersten neun Monate einen Rückgang des operativen Gewinns um fast die Hälfte auf nur noch zwölf Mill. Euro. Die operative Rendite der Münchener liegt damit bei nur noch 0,6 Prozent. Konkurrent Celesio führte seinen Ergebnisrückgang im Pharmagroßhandel in den ersten neun Monaten auf verschärften Wettbewerb im Inland zurück. Die Stuttgarter büßten zwei Prozent Umsatz und damit auch Marktanteile ein, nachdem die Übernahme des Versandhändlers Doc Morris sowie mögliche Pläne zum Aufbau einer Apothekenkette für Unmut in der Apothekerschaft gesorgt hatten.

Als Grund für den Margenrückgang im Pharmahandel gilt vor allem der Preisverfall, den die Gesundheitsreformen der vergangenen beiden Jahre insbesondere bei patentfreien Medikamenten auslösten. Zusätzlicher Druck resultiert aus den Rabattverträgen zwischen Kassen und Herstellern sowie aus dem wachsenden Anteil der Direktlieferungen von großen Pharmaherstellern an die Apotheken. Dieser beträgt inzwischen fast 16 Prozent.

Seite 1:

Pharmahandel in der Klemme

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%