Gewinnwarnung führt zu Streit im Verwaltungsrat
Franz verordnet Swiss neues Sparprogramm

Der künftige Chef der Schweizer Fluglinie Swiss, der ehemalige Deutsche-Bahn- und Lufthansa-Manager Christoph Franz, will mit einem weiteren Sparprogramm die Fluggesellschaft aus den roten Zahlen bringen.

oli ZÜRICH. Wie ein Sprecher dem Handelsblatt bestätigte, hat sich bei der Swiss erneut ein Krisenstab zusammengetan, um alle Kosten des Unternehmens unter die Lupe zu nehmen. Selbstverständlich sei Franz einbezogen, sagte der Sprecher. Offiziell tritt der Deutsche sein Amt bei der Schweizer Fluglinie erst am 1. Juli an.

Bereits im vergangenen Sommer hatte Swiss ein rigides Sparprogramm aufgelegt. Damit will das Unternehmen durch Entlassungen, einer um ein Drittel kleineren Flotte und Verhandlungen mit Zulieferfirmen jährlich rund 600 Mill Schweizer Franken (400 Mill Euro) sparen. Der Sparkurs sollte dazu beitragen, dass der operative Verlust von etwa einer halben Mrd. Franken, den die Swiss im vergangenen Jahr eingeflogen hat, in diesem Jahr auf null sinkt. Obwohl das Sparprogramm so gut wie möglich umgesetzt wurde, verlor die Swiss in den vergangenen Monaten jedoch weiter Geld. Die flüssigen Mittel waren bis Ende März auf 414 Mill. Franken geschrumpft. Das ist weniger als die Hälfte vom Ergebnis des Vorjahresquartals.

Während die Manager bislang davon ausgegangen waren, dass es ihnen gelingen würde, den Trend zu stoppen, sorgt Franz nun offenbar für einen neuen Realitätssinn. Am Montagabend jedenfalls musste die Swiss offiziell einräumen, dass sie das Ziel eines ausgeglichenen operativen Jahresergebnisses in diesem Jahr verfehlen könnte. Gestiegene Treibstoffkosten, gegen die sich die Schweizer im Gegensatz zu den meisten anderen Fluglinien wegen ihrer klammen Finanzlage nicht abgesichert haben und vergebliche Verhandlungen mit Zulieferern über Preissenkungen sind nach Auskunft der Swiss dafür verantwortlich, dass die Kosten derzeit nicht so stark sinken wie erhofft.

Die Treibstoffkosten schlagen – falls der Erdölpreis auf der aktuellen Höhe bleibt – unterm Strich mit 65 Mill. Franken mehr zu Buche als geplant. Bei den Zulieferern scheitert die Swiss am Widerstand des Flugzeugwartungsbetriebs SR Technics, der etwa ein Drittel seines Umsatzes mit der Swiss erzielt. Da dessen Leistungen für die Sicherheit der Swiss-Flugzeuge wichtig sind, kann das Unternehmen Einsparungen hier nur besonders schwer durchsetzen.

Die anhaltende Krise des Unternehmens sorgt auch bei den Verantwortlichen für Streit. Die Swiss teilte ebenfalls mit, dass einer ihrer Verwaltungsräte wegen Meinungsverschiedenheiten über die Swiss- Strategie das Gremium verlässt: Andre Kudelski hat nach einer hitzigen Diskussion am Montag im Verwaltungsrat seinen sofortigen Rücktritt angeboten. Kudelski gilt als Verfechter eine Beitritts der Swiss zu einer der großen weltweiten Fluggesellschafts-Allianzen. Er hat dabei aus seiner Präferenz für Oneworld kein Hehl gemacht – was offenbar bei seinen Kollegen nicht auf Gegenliebe gestoßen ist.

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