Gewinnwarnung - Sanierung wird beschleunigt
Versand verhagelt Karstadt-Quelle-Bilanz

Der angeschlagene Handelskonzern Karstadt-Quelle hat seine Bestandsaufnahme abgeschlossen - und sie fällt nicht gut aus. Angesichts dramatischer Einbrüche im Versandhandelsgeschäft wurden Umsatz- und Ergebnisprognosen für 2005 gesenkt. Nun stehen tiefgreifende Maßnahmen an, auch Arbeitsplätze dürften erneut gefährdet sein.

HB FRANKFURT/ESSEN. Die Probleme von Karstadt-Quelle im Versandhandel sind größer als angenommen. „Hier sind über Jahre hinweg Anpassungsmaßnahmen unterlassen worden, die jetzt schnell und konsequent umgesetzt werden müssen“, sagte Vorstandschef Thomas Middelhoff am Donnerstag in Frankfurt. Der defizitäre Bereich soll nun gründlich umgekrempelt werden.

Wegen stark rückläufiger Umsätze bei Neckermann und Quelle wurde die Ergebnisprognose für Karstadt-Quelle um 150 Mill. € zurückgeschraubt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde in diesem Jahr nur rund 350 Mill. € erreichen. Beim Umsatz werde ein Rückgang im „mittleren einstelligen Prozentbereich“ erwartet. Die Aktie reagierte mit einem drastischen Kursrutsch auf die Prognosesenkung.

Als Sofortmaßnahme zur Sanierung der Versandtöchter wird der neunköpfige Vorstand der Versandhandelssparte aufgelöst, kündigte Middelhoff an. Die Neckermann AG und die Quelle AG werden in GmbHs umgewandelt. „Neckermann und Quelle sind Stammgeschäft, wir werden weder das eine noch das andere verkaufen“, sagte Middelhoff zu Spekulationen, der Konzern könnte die Töchter bei einer Umwandlung schneller abstoßen. Der Versandbereich insgesamt trägt mehr als 50 % zum Konzernumsatz bei, Quelle und Neckermann haben daran den größten Anteil. Geschäftsführer der Neckermann GmbH wird Bernd Oppenrieder, Geschäftsführer bei der Quelle GmbH werden Michael Badke und Konzernvorstand Harald Pinger. Ein neuer Versandchef soll spätestens Anfang 2006 antreten. Der Name wurde nicht genannt, weil er noch bei einem anderen Unternehmen tätig ist.

Gleichzeitig kündigte der Vorstand an, sich von zusätzlichen Unternehmensteilen trennen zu wollen. Durch die weiteren Verkäufe will der Handelskonzern seine bislang geplanten Verkaufserlöse von 1,1 Mrd. € auf 2,4 Mrd. € steigern. „Wir glauben, dass wir mit dem zusätzlichen Desinvestitionsprogramm erheblich an Flexibilität gewinnen werden“, sagte Middelhoff.

In den vergangenen Tagen seien bereits die Verträge zum Verkauf des Logistikzentrums in Unna, der Modekette Wehmeyer und der Karstadt-Fitnesscenter unterzeichnet worden. Zu den erlösten Preise äußerte er sich nicht. Die Verhandlungen zum Verkauf von SinnLeffers, der Sportartikel-Kette Runners Point und der 78 kleineren Warenhäusern des Konzerns kämen voran, fügte er hinzu.

Trotz der anhaltenden Probleme sieht Thomas Middelhoff den Patienten KarstadtQuelle auf dem Wege der Besserung. Es sei kein angeschlagener Konzern mehr: Vier von fünf Bereichen seien über den Berg. Dazu gehörten auch wieder die Warenhäuser und die Touristiktochter Thomas Cook. „Zum ersten Mal seit Jahren gibt es überschaubare positive und negative Abweichungen“, freut sich Middelhoff.

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