Gläubigerforderungen
Schlecker wird zum Milliarden-Grab

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden: Die Forderungen der Gläubiger an das Pleiteimperium von Anton Schlecker sind am äußersten Rand dessen, was man befürchtet hatte. Fast 23.000 Gläubiger warten auf Geld.
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EhingenDie Forderungen der Gläubiger gegen die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker sind deutlich höher als zunächst gedacht. Die Summe beläuft sich auf über 1,07 Milliarden Euro, wie Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Donnerstag nach einem Prüftermin durch das Amtsgericht Ulm mitteilte. Insgesamt hätten 22.738 Gläubiger ihre Ansprüche geltend gemacht. Als größte Posten seien Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen und dem Personalbereich aufgeführt.

Geiwitz ging bislang von Forderungen zwischen 500 Millionen Euro und einer Milliarde aus. Zuletzt kursierte die Zahl von 750 Millionen Euro. Gänzlich unklar ist allerdings noch, wie viel Insolvenzmasse zur Verfügung steht, aus der die Forderungen dann bedient werden können. Derzeit prüft Geiwitz beispielsweise, ob es innerhalb der Familie Schlecker zu Vermögensübertragungen kam, die rückgängig gemacht werden können. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gerade, ob es im Zuge der Insolvenz zu strafrechtlich relevanten Taten kam.

Am Mittwoch hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft 18 Wohnungen und vier Geschäftsräume in mehreren Bundesländern durchsucht und dabei für Aufsehen gesorgt. Untreue, Bankrott und Insolvenzverschleppung: Die Vorwürfe wiegen schwer und es ist wohl nicht klar, ob bei der Insolvenz alles ganz sauber gelaufen ist. Der Zusammenbruch des Imperiums hat deswegen die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen, die ermittelt.

Dabei richtet sich der Verdacht gegen 14 Personen, darunter soll auch Anton Schlecker sein, der Gründer der Drogeriekette. „In unserer Vorprüfung hat sich ein Anfangsverdacht bestätigt“, sagte Staatsanwältin Claudia Krauth.

Die Ermittlungen könnten den Gläubigern möglicherweise bei ihren Forderungen helfen. „Das kann die Masse noch mal mehren“, sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Donnerstag. Er betonte aber auch, dass die Ermittlungen und die Prüfung der Vermögenswerte der Familie durch Geiwitz grundsätzlich zwei verschiedene Vorgänge seien. Geiwitz habe stets deutlich gemacht, „wenn er etwas findet, das zurückzuholen ist, dann tut er das auch“. Die Staatsanwaltschaft müsse im Gegensatz dazu prüfen, ob gegen geltendes Recht verstoßen wurde. Sollte dem so sein, muss Anton Schlecker allerdings mit millionenschweren Schadenersatzforderungen rechnen, die wiederum in die Insolvenzmasse einfließen könnten.

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Razzia bei Anton Schlecker

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  • Hallo, haben wir doch: Eltern haften für ihre Kinder (H4 bis 25), Kinder haften für ihre Eltern (Pflege-/-Heime)... Alle Deutschen haften für die Nazis...

  • Sippenhaft ?? Sehr bedenklich wenn es sowas geben würde. Entschuldigung aber wenn das jemand fordert zweifel ich daran, ob er über das Problem überhaupt nachgedacht hat.

    Familienmitglieder sollten nicht dafür gerade stehen müssen, wenn einer aus der Familie Schulden anhäuft.

    mfg

  • @Ernst: Ja, warum sollen nur die privaten Banken vom Rettungsschirm profitieren - wir sollten die Hilfen erweitern auf Unternehmen und privat Personen - so haben alle was vom ESM. ^^


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