Gläubigerschutz abgelegt
US-Fliegern gelingt Comeback

Nach sechs schweren Jahren mit hohen Verlusten und zahlreichen Konkursanträgen meldet sich die US-Luftfahrtindustrie in schlankerer Form zurück. Nach US Airways und United Airlines hat zu Wochenbeginn auch die drittgrößte US-Fluglinie Delta Air Lines den Gläubigersschutz des US-Konkursrechts verlassen.

NEW YORK. Northwest Airlines will sich in einigen Wochen ebenfalls aus den Fängen des Konkursgerichts befreien und wird in der Branche als künftiger Fusionspartner von Delta gehandelt. Beide Airlines arbeiten bereits im von Air France-KLM angeführten Flugverbund Skyteam zusammen und verfügen über ein weitgehend komplementäres Streckennetz.

Delta Air Lines sei nach 19-monatiger Sanierung ein „starker Wettbewerber“ und gut positioniert für eine neue Ära der Firmengeschichte, teilte der Konzern mit. Das Unternehmen aus Atlanta hat zuletzt vier Quartale in Folge operativ positiv abgeschlossen; zwischen Januar und März 2007 schaffte Delta 155 Mill. Dollar Betriebsgewinn. Wegen hoher Restrukturierungskosten wies Delta im Vorjahr noch 6,2 Mrd. Dollar (4,6 Mrd. Euro) Nettoverlust aus.

Konzernchef Gerald Grinstein, der im Laufe des Jahres in den Ruhestand gehen will, hat dem Unternehmen eine strenge Diät verordnet und insbesondere die Überkapazitäten im US-Heimatmarkt gekappt. Viele große Flugzeuge wurden aus dem Inlandsverkehr abgezogen und statt dessen auf Interkontinentalstrecken nach Asien oder Europa geschickt, etwa nach Mumbai, Seoul oder Düsseldorf. Einst zu 80 Prozent auf die USA fokussiert, könnten internationale Strecken in den nächsten Jahren 40 Prozent des Geschäfts ausmachen, sagte Delta-Vorstand James M. Whitehurst. Der erst 39 Jahre alte Chief Operating Officer gilt neben Finanzchef Edward Bastian, 49, als Favorit auf die Grinstein-Nachfolge.

Delta war im September 2005 bei hohen laufenden Verlusten unter einem fast 20 Mrd. Dollar schweren Schuldenberg zusammengebrochen. Bis Ende des Jahres sollen die Delta-Verbindlichkeiten auf 7,6 Mrd. Dollar reduziert werden. Ein New Yorker Konkursgericht hatte dem Konzern in der Vorwoche grünes Licht zum Verlassen des Gläubigerschutzes gegeben. Nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts kann sich ein Unternehmen ohne direkten Zugriff der Kreditgeber grundlegend sanieren, um danach – befreit von Altlasten – neu starten zu können. Die Gesetzgebung wird von vielen europäischen Wettbewerbern kritisiert, weil sie den US-Airlines erlaubt, sich im Zuge der Pleite von Kosten wie Pensionsverpflichtungen zu trennen und sie teilweise auf staatliche Organisationen abzuwälzen. Personal, Gläubiger und Aktionäre gehen weitgehend leer aus. Zwar wird Delta Air Lines ab morgen wieder an der New Yorker Börse gehandelt, die alten Aktien sind jedoch wertlos. Auch United Airlines hatte im Zuge seiner Pleite 6 000 nicht gedeckte Kredite über mehr als 20 Mrd. Dollar hinterlassen.

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