Gläubigerversammlung
Heros-Betrug kommt teurer als gedacht

Bislang war im Zusammenhang mit der Pleite der Geldtransportfirma Heros von einer Schadenssumme von 500 Mill. Euro die Rede; die Staatsanwaltschaft Hannover taxierte den Verlust sogar auf „lediglich“ 350 Mill. Euro. Gegenüber den geprellten Kunden – zumeist Einzelhändler und Banken – nannte der Insolvenzverwalter nun einen höheren Betrag.

HB HANNOVER. Es sei ein Schaden von 540 Mill. Euro entstanden, berichtete Insolvenzverwalter Manuel Sack am Dienstag auf der Gläubigerversammlung in Hannover. 140 Mill. Euro hatte die Bundesbank nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf Heros-Konten eingefroren. „Diese Gelder können Kunden zugeordnet werden und werden komplett ausgezahlt“, sagte Sack.

Gegenwärtig werde gegen elf Manager oder Mitarbeiter des Unternehmens wegen Untreuedelikten ermittelt, hatte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe in der vergangenen Woche gesagt. Der ehemalige Heros-Inhaber Karl-Heinz Weis und drei weitere mutmaßliche Haupttäter befänden sich in Untersuchungshaft. Sie stünden im Verdacht, einen Teil der Summe auf private Konten geleitet zu haben, sagte Knothe. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Heros-Führung den anderen Teil des Geldes nutzte, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten.

Am Donnerstag hatte Insolvenzverwalter Sack bekanntgegeben, dass bereits 17 Mill. Euro an geschädigte Kunden überwiesen worden seien. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young sicherte zu, dass bis Ende des Monats insgesamt etwa 50 Mill. Euro an die Kunden überwiesen würden. Der Rest werde später folgen. Ernst & Young war mit der Zuordnung der Gelder beauftragt worden.

Bis Ende August soll feststehen, welcher Geschädigte wieviel Geld erhält. Insgesamt gibt es nach Angaben des Insolvenzverwalters rund 1 000 Forderungen von Gläubigern. Allein der Kölner Handelskonzern Rewe hat nach eigenen Angaben einen Ausfall von 160 Mill. Euro verzeichnet.

Dumpingpreise sorgten für Niedergang

300 Mill. Euro Schaden rechnet Sack einer verfehlten Geschäftspolitik von Heros zu. Das Unternehmen hatte mit Dumpingpreisen agiert und so nach und nach die Wettbewerber erst aus dem Markt gedrängt und dann aufgekauft. Der Verbleib von 95 Mill. Euro sei weiter unklar, sagte Sack. Wahrscheinlich sei, dass Heros-Führungskräfte diese Gelder zu privaten Zwecken verbraucht hätten. „So wie wir das einschätzen, hat man sich wahrscheinlich eine Reserve für die Zeit nach der Haft geschaffen“, sagte Sack. „Es gibt sicherlich Gelder, die noch keiner entdeckt hat.“

Spätestens ab Mitte der 90er Jahre hatte die Unternehmensleitung nach Sacks Angaben Kundengelder veruntreut. Mit einem „fein ausgeklügelten Schneeballsystem“ habe Heros das bei Banken abgeholte Geld erst mit Verzögerung bei den Kunden abgeliefert und Beträge für die Aufrechterhaltung seines eigenen Betriebs abgezweigt, erläuterte Sack.

Die insolvente Heros war im Juni von dem US-Investor Matlin Patterson übernommen worden. Das Unternehmen wird unter dem Namen Securlog weitergeführt, allerdings in stark vermindertem Umfang. Von den 4 600 Heros-Arbeitsplätzen konnten nach früheren Angaben des Insolvenzverwalters bislang 2 650 gesichert werden.

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