Global Fashion Group Rocket-Modeholding dämmt Verluste ein

Im vergangenen Jahr erzielten die ausländischen Modehändler vom Rocket Internet erstmals über eine Milliarde Euro Umsatz. Der Verlust der Global Fashion Group bewegt sich allerdings weiterhin in Millionenhöhe.
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Chef Samwer blickt auf den ersten Milliardenumsatz der Modeunternehmen. Quelle: dpa
Rocket Internet

Chef Samwer blickt auf den ersten Milliardenumsatz der Modeunternehmen.

(Foto: dpa)

BerlinDie ausländischen Modehändler des Berliner Startup-Investors Rocket Internet haben im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals die Milliarden-Umsatzgrenze geknackt. Die Erlöse wuchsen 2016 um 26,4 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro, wie die Global Fashion Group (GFG) am Mittwoch mitteilte. Dazu beigetragen habe, dass den Kunden weitere bekannte Modemarken über die Online-Shops angeboten werden konnten. Der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte allerdings um gut 40 Prozent auf knapp 128 Millionen Euro. Am Jahresende lag das Barvermögen bei 255 Millionen Euro.

„Wir kommen in unseren Schlüsselmärkten der Gewinnzone näher“, sagte Vorstandschef Romain Voog. In Saudi-Arabien sei sie bereits erreicht worden. Allerdings bleibe das Umfeld in Märkten wie Russland oder Brasilien angesichts der schwierigen Konjunkturlage nicht einfach. Prognosen für das laufende Jahr gab GFG nicht ab. „Unser Fokus bleibt auf der Profitabilität.“

Was wird die nächste Rakete von Rocket Internet?
Hello Fresh
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Rezepte aussuchen, passende Lebensmittel in der richtigen Menge liefern lassen und anschließend Kochen – so bequem soll die Zubereitung sein. Zumindest wenn man der Beschreibung von Hello Fresh glauben darf. Gerade Kunden in den USA und Großbritannien haben den Service für sich entdeckt. Das Ergebnis: Mit einem Umsatzwachstum von 159 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten gehört Hello Fresh zu den wirklich schnellen Raketen im Rocket-Reich. Allerdings stieg auch der Verlust – von minus 21 auf minus 45 Millionen Euro, was Rocket Internet mit dem hohen Wachstum und dem Einstieg in neue Märkte begründet.

Foodpanda
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m Foodpanda ist eine Essenslieferplattform für die Entwicklungs- und Schwellenländer, aktiv vor allem in den Balkanländern und in Südostasien. In Ländern wie Bangladesch und Kasachstan hat Rocket Internet eine echte Vorreiterrolle inne – allerdings sind hier auch die Warenkörbe kleiner als im reichen Westen. Foodpanda kassiert aber lediglich eine kleine Provision von den Restaurants, die das bestellte Essen an die Kunden ausliefern. Die Rocket-Beteilung steigerte ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent auf 22 Millionen Euro.

Namshi
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Namshi ist der erste einer Reihe seltsam klingender Unternehmensnamen, die alle eines gemeinsam haben: Sie kopieren die Idee von Zalando, Mode im Internet zu verkauf. Dabei operieren sie aber vor allem in Schwellenländern. Rocket Internet fasst sie als „Global Fashion Group” zusammen. Namshi ist im Nahen Osten aktiv und zur Zeit das High-Light der ganzen Gruppe: Als einziges Start-up aus dem Kosmos der großen Rocket-Beteiligungen konnte Namshi in den ersten sechs Monaten des Jahres ein positives Ergebnis (Ebitda) von immerhin 1,6 Millionen Euro auf sich verbuchen – bei einem respektablen Umsatzwachstum von knapp über 50 Prozent zum Vorjahr. Namshi könnte eine der drei Beteiligungen werden, die Rocket-Chef Oliver Samwer bis Ende 2017 profitabel haben möchte.

Dafiti
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Dafiti ist ein Modehändler in Lateinamerika nach dem Vorbild von Zalando, angesiedelt in Brasilien. Das Unternehmen gehört zur Global Fashion Group, in der Rocket Internet seine Zalando-Klone bündelt. Der Umsatz von Dafiti stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 22 Prozent auf 136 Millionen Euro. Laut Finanzchef Peter Kimpel wäre das Wachstum noch beeindruckender, könnte man es in der brasilianischen Landeswährung darstellen. Rocket Internet ist aber an der deutschen Börse notiert. Und die interessiert sich auch für die Verluste: Die betrugen bei Dafiti noch minus 13 Millionen Euro – eine deutliche Verbesserung immerhin zu den minus 41 Millionen im ersten Halbjahr 2015.

Zalora
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Die Australier sind digitalen Geschäftsideen traditionell ziemlich aufgeschlossen. So ist es kein Wunder, dass der Modehändler Zalora, der den südostasiatischen Markt bedient, zu dem aber auch der australische Zalando-Klon „The Iconic” gehört, immer noch beeindruckende Wachstumsraten aufweist. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 32 Prozent auf 126 Millionen Euro. Die Kosten muss der Laden aber noch in den Griff bekommen. Der Verlust ist zwar nicht mehr ganz so hoch wie noch vor einem Jahr; mit einem Minus von 32 Millionen Euro steckt Zalora aber immer noch tief in den roten Zahlen. Rocket Internet braucht eine neue Rakete, um Fehlstarts wie diese auszugleichen.

Lamoda
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Online-Shopping in Russland funktioniert etwas anders als in Deutschland – nicht nur, weil die Staatspost zwischen Sibirien und dem schwarzen Meer nicht gerade schnell ist. Lamoda, das russische Zalando, beschäftigt eigene Kurierfahrer, die zum Teil vor dem Haus warten, bis die Kundin die Klamotten anprobiert und aussortiert hat. Manchmal nehmen die Fahrer auch Bargeld entgegen, weil die Russen nicht gerne online zahlen. Vor diesem Hintergrund ist es beachtlich, dass Lamoda seine Kosten senken und den Verlust in den vergangenen zwölf Monaten von 17 auf minus sieben Millionen Euro verringern konnte. Der Umsatz stieg immerhin noch um 15 Prozent auf 125 Millionen Euro.

Jumia
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Afrika ist für die meisten deutschen Unternehmen noch immer ein Kontinent, in dem man Hilfsprojekte gründet, aber keine Geschäfte macht. Nicht für Rocket Internet. Unter dem Namen Jumia verkaufen die Berliner von Lagos in Nigeria aus Mode und Elektroartikel über das Internet und Smartphone. Das läuft nicht immer glatt – im vergangenen Jahr musste Jumia auf einen Schlag ein Drittel seiner Angestellten entlassen. Jetzt wird umgestellt, vom reinen Online-Handel zu einem Marktplatzmodell, bei dem die Plattform lediglich an der Provision verdient. Entsprechend fielen die Umsätze des ersten Halbjahrs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 56 Prozent.

Rocket Internet hält rund ein Fünftel an der GFG, die mehr als 9000 Mitarbeiter beschäftigt und in zwei Dutzend Ländern aktiv ist. Der Wert der Holding, zu der die Modehändler Namshi (Saudi-Arabien), Lamoda (Russland), Dafiti (Lateinamerika) und Zalora (Südostasien) gehören, war im vergangenen Frühjahr nach einer neuen Finanzierungsrunde um zwei Drittel auf eine Milliarde Euro abgewertet worden. GFG gilt als potenzieller Börsenkandidat.

  • rtr
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