Globale Lieferketten
Nordkorea gefährdet das globale Getriebe

Keine Teile aus Japan nach dem Tsunami, keine Luftfracht wegen Vulkanasche – auch eine Verschärfung des Korea-Konflikts kann Warenströme versiegen lassen. Aber diesmal haben Unternehmen einen entscheidenden Vorteil.
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Düsseldorf/TokioDie Rhetorik Nordkoreas verschärft sich von Tag zu Tag. Ein Konflikt mit dem Süden scheint wahrscheinlicher zu werden. In US-Medien werden vereinzelt bereits Szenarien gesponnen, welche Auswirkungen ein atomarer Konflikt auf die Weltwirtschaft haben würde. Doch selbst kleinere Beeinträchtigungen der Produktion einer Industrienation wie Südkorea können großen Einfluss auf die globalen Warenströme haben.

Südkorea ist eine der wichtigsten Industrienationen der Welt, ist der siebtgrößte Exporteur von Waren und führt zu 85 Prozent verarbeitete Güter aus – jährlich etwa Schaltkreise und Elektrobauteile im Wert von 45 Milliarden Dollar (2011). Sollte Nordkorea diese Produktionskette stören, würde das weltweit spürbar sein. Denn folgenschwere Ereignisse haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es einzelne Fabriken gibt, die Schlüsselkomponenten für Abnehmer in der ganzen Welt fertigen.

  • Nach dem Tsunami und der Atomkatastrophe in Fukushima in Japan im März 2011 wurden Einkäufer und Logistik-Manager selbst in Europa und den USA wachgerüttelt. So zeigte sich, dass eine geschlossene Pigmentproduktion des deutschen Chemiekonzerns Merck Folgen für US-Autohersteller hatte: Ihnen standen zeitweise weniger Farben zur Verfügung. Auch viele Elektronikfirmen verzweifelten, weil etwa Spezialfolien auf einmal eine Lieferzeit von 52 statt zwölf Wochen hatten.
  • Die Vulkanaschewolke ein Jahr zuvor brachte die Luftfracht zum Erliegen und wichtige Autobauteile gelangten etwa nicht zu BMW-Werken in die USA. In den Tagen nach der Wolke konnten Luftfrachtfirmen astronomische Preise verlangen, da Firmen das Wiederbeleben der Logistikkette viel Geld wert war.
  • Nach heftigen Monsun-Regenfällen standen ab August 2011 ganze Provinzen Thailands unter Wasser und die globale Festplatten-Produktion brach damit ein. Von Oktober bis Dezember lieferten die Hersteller weltweit nur 122 Millionen Festplatten (HDD) aus, rund 50 Millionen weniger als im Quartal zuvor. Die Preise stiegen um fast ein Drittel.
  • Ende der 1990er-Jahre brannte das Werk eines Toyota-Zulieferers ab. Daraufhin musste die Produktion des japanischen Herstellers in 18 Werken fast zwei Wochen lang stillgelegt werden.

„Das Szenario einer Beeinträchtigung der Lieferketten ist im Korea-Konflikt nicht auszuschließen“, sagt Carl Marcus Wallenburg, Logistik-Professor an der Management-Universität WHU in Vallendar. Die Folgen könnten weltweit zu spüren sein. So ist Südkorea ein Schlüsselproduzent vor allem in der Elektrobranche. Deutsche Unternehmen bezogen im Jahr 2012 allein elektronische Bauelemente im Wert von 784 Millionen Euro. In der Informations- und der Kommunikationstechnik kommen noch einmal Einfuhren in Höhe von 844 Millionen Euro zusammen.

Im Schiffbau rangiert das Land weltweit auf Rang zwei. Im Jahr 2011 bauten die Werften an Koreas Küsten Schiffstonnage von insgesamt 15,96 Millionen gewichteter Bruttoraumzahl. Diese Kennzahl gibt Schiffsgrößen an und ersetzte die Bruttoregistertonnen. Überholt werden die Koreaner nur von China, das mit einer gewichteten Bruttoraumzahl von 91,71Millionen vorne liegt.

Kommentare zu " Globale Lieferketten: Nordkorea gefährdet das globale Getriebe"

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  • ja ja, die Globalisierung hat doch was :-)

    Müsste Opel halt Autos in Bochum für den deutschen Markt bauen statt in Südkorea :-)

    Aber schon interessant - das ein noch nicht einmal begonnener Krieg evtl. für Deutschland eine Rezession bedeuten kann ...

    Da müssen wir halt sparen - HarzIV kürzen ...

    ist ganz alternativlos

  • das kurze nordkoreanische Rumpelstilzchen will ein wenig Anerkennung vom Westen-mehr nicht. Was sollen die Nordkoreaner denn mit ihrem konventionellen Kriegsschrott.. . In einem Krieg zertrümmern lassen? Ohne China und Russland ist das Ländle noch nicht mal ein Giftzwerg. Im Koreakrieg waren es Russische Kampfpiloten und ne Mllion chinesischer Soldaten, die den Untergang desNordkoreanischen Zwerges rückgängig machten. Selbst die mögliche Nuklearwaffe ist noch vernachlässigbar. Japan hat uns nuklear stärker belastet als es die momentane force de frappe der NK kann. Dat jüngelchen mmuss doch beweisen dat er mehr kann als Lollis lutschen und mäuschen vernaschen. Dat und nur dat is der Grund seiner Aufgeblasenheit. Es fehlt den USA an der Lust den Stöpsel zu ziehen, um den kleinen auf sein eigentliches Maß zurückschrumpfen zu lassen. Die USA nutzen die Möglichkeit der eigenen Machtdemonstration in FernOst. Vielleicht die letzte große Show bevor die Zeit der CYBERWARS beginnt.

  • Was für eine peinliche Überschrift.
    Man sollte doch meinen, daß ein Wirtschaftsblatt, wenn das kleine Nordkorea schon die Weltwirtschaft bedroht, doch wenigstens das Verhalten der USA, die ja so an Wachstum interessiert sind, hinterfragt!

    Aber NEIN, wenn die USA die ganze Welt als ihren Hinterhof betrachten und mit Militärmanövern provozieren, während sie so nebenbei ja nur den Sturz von Regierungsformen anstreben, diese Staaten sich also WIRKLICH bedroht sehen, dann ist das keine Bedrohung für die Weltkonjunktur!
    Atombombenträger von den USA vor der Nase anderen hinzustellen? Kein Wort der Kritik.
    Den einzigen Schutzschild den Nordkorea hat, die Atomraketen, sonst würde es ihm längst wie den Serben, Irakern, Lybiern, Afghanen oder Syrern ergehen, mit einem Abfangsystem auszuhebeln versuchen?
    Kein Wort der Kritik aus den Redaktionsstuben der gleichgeschalteten Plutokratenpresse!
    Ekelhaft.

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