Globales Diebstahlbarometer
Die schönste Zeit für Ladendiebe

Alle Jahre wieder boomt der Einzelhandel zur Weihnachtszeit. Doch auch Ladendiebe haben Hochsaison. Wo sie am häufigsten zuschlagen, und wie sich der Einzelhandel rüstet, zeigt eine neue Studie.

DüsseldorfEin Drogeriemarkt im Hamburger Stadtteil Sankt Pauli. Zwei Männer stehen vor dem Regal mit Wimperntusche. Sie tragen dicke Winterjacken. Es ist kalt draußen. Einer der beiden nimmt eine Packung aus dem Regal – und steckt sie seinem Kumpel in die Jacke. Das wiederholt er insgesamt 50 Mal. Bei ihrem Streifzug durch das Geschäft lassen sie noch neun Weihnachtsmänner in den Jackentaschen verschwinden.

Ladendiebstähle wie diese häufen sich gerade jetzt zur Vorweihnachtszeit. Weihnachtsaktionen, viele Menschen in den Geschäften und die Tatsache, dass man gestohlene Artikel unter dicker Winterbekleidung gut verbergen kann, lassen die Zahl der Diebstähle aktuell ansteigen. Weltweit leiden besonders Drogerien und Apotheken unter dem Warenschwund. Das zeigt das aktuelle „Globalen Diebstahlbarometer 2014/2015“. Darin haben das Londoner Marktforschungsinstitut „The Smart Cube“ mit dem Sicherheitslösungsunternehmen „Checkpoint Systems“ 203 Einzelhändler in 24 Ländern befragt.

Auch in Deutschland stehen Rasierklingen, Parfüms und Kosmetika auf der Liste der Diebe ganz oben. Laut Michael Bastian vom Verband Deutscher Drogisten seien diese Artikel besonders diebstahlgefährdet. Das hänge auch damit zusammen, dass sie leicht zu verbergen sind und sich ohne erhebliche rechtliche Folgen zu hohen Preisen weiterverkaufen lassen. Das ist nicht nur Weihnachten so: „Unsere Geschäfte leiden auch vor Ostern, Muttertag und Valentinstag besonders stark unter Ladendiebstählen.“

Jedes Jahr bescheren Diebstähle dem deutschen Einzelhandel Milliardenschäden. Laut dem Globalen Diebstahlbarometer lagen die Kosten im vergangenen Jahr bei rund fünf Milliarden Euro – das entspricht 1,08 Prozent des Umsatzes. Neben administrativen Fehlern, die mit rund 19 Prozent zu Buche schlagen, gilt Diebstahl nach wie vor als Hauptursache für Warenschwund: 65 Prozent der Verluste gehen auf das Konto von Ladendieben, darunter immer stärker professionelle Banden.

„Organisierte Diebesbanden werden immer mehr zum Schrecken der Ladenbesitzer“, sagt Frank Horst, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen und Sicherheit beim Handelsinstitut EHI. Bereits im Juni zeigte eine Studie des EHI, dass schwere Ladendiebstähle in Deutschland dramatisch zugenommen haben. In den vergangenen sieben Jahren haben sie sich mehr als verdoppelt.

Laut polizeilicher Kriminalstatistik ist die Zahl der angezeigten Ladendiebstähle in Deutschland 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent auf 365.373 Fälle gestiegen. Die Zahl der tatsächlichen Diebstähle ist allerdings noch um ein Vielfaches höher: Denn auch wenn alle Händler betonen, dass sie jeden Diebstahl zur Anzeige bringen – es werden überhaupt nur wenige Ladendiebe ertappt. Die Dunkelziffer schätzen Experten auf mehr als 98 Prozent.

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So rüstet sich der Einzelhandel

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