Glyphosat im Bier
Wie Umweltschützer das Bier vergiften

Die Aufregung ist groß: Das Umweltinstitut München hat Pflanzenschutzmittel im Bier gefunden. Doch die Organisation nutzt das Lieblingsgetränk der Deutschen bloß, um für ihre politischen Ziele zu streiten. Ein Kommentar.
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Es gibt Studien, deren Ergebnis steht schon fest, bevor überhaupt eine Zeile geschrieben ist. Ein schönes Beispiel ist eine Untersuchung der Kampagnen-Organisation Foodwatch zum Zuckergehalt von Kinderlebensmitteln. Darunter zählten die selbsternannten Verbraucherschützer zahlreiche Sorten von Haribo-Weingummis. Das allzu erwartbare Ergebnis: Die Lebensmittelindustrie verzuckert die Kleinsten. Mission erfüllt: Die spendenfinanzierte Organisation war in den Schlagzeilen – und die Industrie stand dumm da.

Genauso funktioniert die aktuelle Aufregerstudie zum Bier. Wenig überraschend ist, dass auch Bier geringe Mengen an Pflanzenschutzmitteln enthält. Denn, oh Wunder, neben Wasser sind auch pflanzliche Stoffe im Bier enthalten: Hopfen und Malz, Gott erhalt’s.

Es muss also für das Umweltinstitut München von vornherein klar gewesen sein, dass Pflanzenschutzmittel im Bier nachweisbar ist, wenn man nur mit ausreichend empfindlichen Messmethoden sucht – so wie Zucker in Gummibärchen. Ansonsten wäre das Geld für die Studie sinnlos ausgegeben worden: Eine Studie ohne Befund kann keine Lobbyorganisation gebrauchen.

Ganz offensichtlich geht es dem Umweltinstitut gar nicht ums Bier. Die Kampagneros haben schlichtweg das beliebteste Getränk der Deutschen gewählt, um in einem schon länger laufenden Konflikt Munition zu bekommen: dem Streit um Glyphosat. Das hochpotente Unkrautvernichtungsmittel halten etliche Wissenschaftler und noch mehr Umweltschützer für krebserregend und gefährlich.

Doch bislang können sie sich bei den Regulierern in der EU nicht durchsetzen: Die Behörden wollen den Einsatz in der Landwirtschaft weiter erlauben. So lange das so ist, finden sich in den meisten Agrarprodukten Rückstände davon. Das kann man für bedenklich halten – oder wie das Bundesinstitut für Risikobewertung eben nicht. Am Donnerstag hat sich zumindest der Bundestag für eine baldige Neuzulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels in der EU ausgesprochen.

In diesem Streit will das Umweltinstitut Rückenwind für das Anti-Glyphosat-Lager bekommen – und nutzt dafür die Bierliebe der Deutschen aus. Als Kollateralschaden trifft die Empörung nun die Bierbrauer, die für die Belastung ihrer Produkte gar nichts können. Das Umweltinstitut nimmt das für sein höheres Ziel in Kauf.

Fair ist das nicht. Auch nicht gegenüber den Verbrauchern, die – wieder einmal – verunsichert werden. Denn wer kann schon als Laie einschätzen, welche Menge Glyphosat nun gefährlich ist. Die meisten Journalisten ebenso wenig wie Verbraucher – das erklärt Schlagzeilen und Interesse. Die Menge in einem Glas Bier jedenfalls ist wohl nicht wirklich schädlich.

Bei der Gesamtbelastung in der Umwelt kann man nicht so sicher sein. Aber das ist ein ganz anderes Kapitel.

Kommentare zu " Glyphosat im Bier: Wie Umweltschützer das Bier vergiften"

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  • Im Artikel wird von Verunsicherung der Verbraucher gesprochen. Ich nenne es Aufklärung der Verbraucher. Und ich bin froh, dass es "Kompagneros", wie das Umweltinstitut gibt, die auf solche Missstände hinweisen.

    Abgesehen davon glaube ich, dass jeder halbwegs aufgeklärte Verbraucher erkennen kann, dass nicht die Bierbrauer die Bösen sind, sondern dass es um das Gift Glyphosat geht, das leider in unserer Politik immer noch eine zu große Lobby hat.

    Ich verstehe auch nicht, warum immer wieder auf foodwatch und Co. herumgetrampelt wird. Sie nutzen für die Information der Verbraucher und das Aufzeigen von Missständen doch nur die Mittel, die die Unternehmen seit Jahrzehnten wie selbstverständlich selber einsetzen, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen.

  • im weiteren liegt die Idee nahe, daß auch andere Lebensmittel, die auf konventionell agrarindustruell angebautem Getreide basieren, derart hohe Glyphosatgehalte aufweisen, daß die Verbraucher davon notiz nehmen sollten.

  • das Bundesinstitut für Risikobewertung, das Glyphosat fuer unbedenklich haelt, unterstuetzt hauptsaechlich die Studien der Chemiekonzerne, wie Monsanto, und laesst Studien unabhaengiger Organisationen nicht gelten. Es hat in dieser Sache schon immer Seite an Seite mit der Chemieindustrie die Bedenken gegen Glyphosat niedergekaempft. In meinen Augen ist dieses Institut ein steuerfinanzierter Lobbyverein. Wir koennen auf ein solches Institut gut verzichten.

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