Glyphosat im Bier Wie Umweltschützer das Bier vergiften

Die Aufregung ist groß: Das Umweltinstitut München hat Pflanzenschutzmittel im Bier gefunden. Doch die Organisation nutzt das Lieblingsgetränk der Deutschen bloß, um für ihre politischen Ziele zu streiten. Ein Kommentar.
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Wenig überraschend, dass auch Bier geringe Mengen an Pflanzenschutzmitteln enthält. Quelle: dpa
Gezapftes Bier

Wenig überraschend, dass auch Bier geringe Mengen an Pflanzenschutzmitteln enthält.

(Foto: dpa)

Es gibt Studien, deren Ergebnis steht schon fest, bevor überhaupt eine Zeile geschrieben ist. Ein schönes Beispiel ist eine Untersuchung der Kampagnen-Organisation Foodwatch zum Zuckergehalt von Kinderlebensmitteln. Darunter zählten die selbsternannten Verbraucherschützer zahlreiche Sorten von Haribo-Weingummis. Das allzu erwartbare Ergebnis: Die Lebensmittelindustrie verzuckert die Kleinsten. Mission erfüllt: Die spendenfinanzierte Organisation war in den Schlagzeilen – und die Industrie stand dumm da.

Genauso funktioniert die aktuelle Aufregerstudie zum Bier. Wenig überraschend ist, dass auch Bier geringe Mengen an Pflanzenschutzmitteln enthält. Denn, oh Wunder, neben Wasser sind auch pflanzliche Stoffe im Bier enthalten: Hopfen und Malz, Gott erhalt’s.

Christoph Kapalschinski ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Quelle: Pablo Castagnola
Der Autor

Christoph Kapalschinski ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

(Foto: Pablo Castagnola)

Es muss also für das Umweltinstitut München von vornherein klar gewesen sein, dass Pflanzenschutzmittel im Bier nachweisbar ist, wenn man nur mit ausreichend empfindlichen Messmethoden sucht – so wie Zucker in Gummibärchen. Ansonsten wäre das Geld für die Studie sinnlos ausgegeben worden: Eine Studie ohne Befund kann keine Lobbyorganisation gebrauchen.

Ganz offensichtlich geht es dem Umweltinstitut gar nicht ums Bier. Die Kampagneros haben schlichtweg das beliebteste Getränk der Deutschen gewählt, um in einem schon länger laufenden Konflikt Munition zu bekommen: dem Streit um Glyphosat. Das hochpotente Unkrautvernichtungsmittel halten etliche Wissenschaftler und noch mehr Umweltschützer für krebserregend und gefährlich.

Doch bislang können sie sich bei den Regulierern in der EU nicht durchsetzen: Die Behörden wollen den Einsatz in der Landwirtschaft weiter erlauben. So lange das so ist, finden sich in den meisten Agrarprodukten Rückstände davon. Das kann man für bedenklich halten – oder wie das Bundesinstitut für Risikobewertung eben nicht. Am Donnerstag hat sich zumindest der Bundestag für eine baldige Neuzulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels in der EU ausgesprochen.

In diesem Streit will das Umweltinstitut Rückenwind für das Anti-Glyphosat-Lager bekommen – und nutzt dafür die Bierliebe der Deutschen aus. Als Kollateralschaden trifft die Empörung nun die Bierbrauer, die für die Belastung ihrer Produkte gar nichts können. Das Umweltinstitut nimmt das für sein höheres Ziel in Kauf.

Fair ist das nicht. Auch nicht gegenüber den Verbrauchern, die – wieder einmal – verunsichert werden. Denn wer kann schon als Laie einschätzen, welche Menge Glyphosat nun gefährlich ist. Die meisten Journalisten ebenso wenig wie Verbraucher – das erklärt Schlagzeilen und Interesse. Die Menge in einem Glas Bier jedenfalls ist wohl nicht wirklich schädlich.

Bei der Gesamtbelastung in der Umwelt kann man nicht so sicher sein. Aber das ist ein ganz anderes Kapitel.

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58 Kommentare zu "Glyphosat im Bier: Wie Umweltschützer das Bier vergiften"

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  • Im Artikel wird von Verunsicherung der Verbraucher gesprochen. Ich nenne es Aufklärung der Verbraucher. Und ich bin froh, dass es "Kompagneros", wie das Umweltinstitut gibt, die auf solche Missstände hinweisen.

    Abgesehen davon glaube ich, dass jeder halbwegs aufgeklärte Verbraucher erkennen kann, dass nicht die Bierbrauer die Bösen sind, sondern dass es um das Gift Glyphosat geht, das leider in unserer Politik immer noch eine zu große Lobby hat.

    Ich verstehe auch nicht, warum immer wieder auf foodwatch und Co. herumgetrampelt wird. Sie nutzen für die Information der Verbraucher und das Aufzeigen von Missständen doch nur die Mittel, die die Unternehmen seit Jahrzehnten wie selbstverständlich selber einsetzen, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen.

  • im weiteren liegt die Idee nahe, daß auch andere Lebensmittel, die auf konventionell agrarindustruell angebautem Getreide basieren, derart hohe Glyphosatgehalte aufweisen, daß die Verbraucher davon notiz nehmen sollten.

  • das Bundesinstitut für Risikobewertung, das Glyphosat fuer unbedenklich haelt, unterstuetzt hauptsaechlich die Studien der Chemiekonzerne, wie Monsanto, und laesst Studien unabhaengiger Organisationen nicht gelten. Es hat in dieser Sache schon immer Seite an Seite mit der Chemieindustrie die Bedenken gegen Glyphosat niedergekaempft. In meinen Augen ist dieses Institut ein steuerfinanzierter Lobbyverein. Wir koennen auf ein solches Institut gut verzichten.

  • die extremen Unterschiede fallen auf, von 5-fach höherem Wert als bei Trinkwasser maximal zulässig, bis hin zu 300-fach höherem Giftgehalt.
    Es sollte eine Untersuchung von Bio-Bier nachgeschoben werden.
    Wenn Glyphosat-Anteil im Bio-Bier, wie zu erwarten ist, unter dem Trinkwassergrenzwert bleibt, eventuell sogar um Größenordnungen darunter, dann ist die Sache für mich persönlich klar: es kommt nur noch Bio in Glas und Krug;
    Bio kostet zudem bekanntlich bei Wein und Bier nicht oder fast nicht mehr :-)

  • Der Monsantokonzern hat schon ganz andere, viel schlimmere Dinge gedreht.
    In Südamerika und in Asien sind riesengroße Fläche dank Monsanto und deren Gefolgsleute verseucht.
    Ich finde es unverschämt, unverantwortlich und strafbar solche Dinge als Kavaliersdelikt oder gar als unschädlich hin zu stellen.
    Das ist VERGIFTUNG von Lebensmittel und damit ein Fall für die
    Bundesstaatsanwaltschaft soweit diese den Mut hat, oder haben sie Angst vor Amerika und TTIP???

  • Zumindest zeigt die Studie doch eines: Bier enthält Glyphosat, das Mittel verschwindet nicht einfach so im Produktionsprozess, und die Mengen variieren sehr.

    In einem widerspreche ich Herrn Kapalschinski; die Brauereien haben schon Einfluss auf den Gehalt an Pflanzenschutzmittel ihrer Rohstoffe. Der Landwirt entscheidet, wie oft er welche Mengen ausbringt und sorgt somit für entsprechende Rückstände in Böden und Ernte. Die Brauereien entscheiden, welche Qualitätsstandards sie voraussetzen. Wer ganz darauf verzichten möchte, dem bleibt der Bioanbau. Das geht auch.

  • Sehr geehrter Herr Kapalschinski,
    wenn sie eine 300 fache Grenzwertüberschreitung als unbedenklich proklamieren, müssten sie dem Leser ihres Artikels zumindest die Chance geben, zu verstehen, warum dieser Wert unbedenklich und harmlos sein soll. Ansonsten begeben sie sich in die Gefahr vom Leser als neoliberaler Nichtdenker wahrgenommen zu werden.

  • DAS ist ja wohl ein Lobby-Artikel erster Güte. Ich finde die Studie absolut angemessen und verstehe gar nicht, wieso ich Glyphosat in Lebensmitteln als etwas normales, etwas natürliches ;-) hinnehmen sollte, ja sogar als naiv gelten sollte wenn ich das beanstande. Nun gibt es ja zudem festgelegte Grenzwerte dieses Giftes, die, ohnehin weich genug formuliert, dennoch um das bis zu 300fache überschritten wurden. Und Glyphosat ist ja nun ein ganz übles Zeug, von daher... Und was die maliziös belächelte Zucker-Studie betrifft: Es geht nicht nur darum, ob ein Gummibärchen Zucker enthält, sondern vor allen Dingen: wie viel. Pro Tüte, und nicht per Bärchen. Welches Kind isst schon ein einzelnes Gummibärchen? Und das Zucker viel zu viel verdeckt in allen konsumfertig angebotenen Lebensmitteln steckt, lässt der Artikel unerwähnt. Also, foodwatch, bitte weiter so!!

  • Danke Herr Kapalschinski, obwohl ich kein konventioneller Landwirt bin und auch keine Affinität zur Chemieindustrie habe, halte auch ich den Vorstoß dieses Münchener Instituts - wer sind eigentlich dessen Vereinsmitglieder??- für einen "Türken" . Wahrscheinlich sind die genannten Biere weniger krebserregend als Mettwurst und Schinken. Die Studie ist eigentlich wertlos, weil sie das potentielle Risiko in keinerlei Relation zu anderen (krebserregenden) Stoffen setzt. Sind nicht die im Bier enthaltenen Nitrosamine viel gefährlicher?
    Vielleicht sollte ich doch endlich das Hannöversche Umweltinstitut gründen und auf die weltweiten Gefahren von monochloriertem Natrium hinweisen. Es findet sich in fast allen verarbeiteten Lebensmitteln - dahinter steckt die Gewinnsucht der Nahrungsmittelindustrie - und wer ein Pfund davon zu sich nimmt wird unweigerlich sterben. Die Menschen sind süchtig nach monochloriertem Natrium, sie können ohne diesen Stoff schon gar nicht mehr leben.

    Shönes Wochenende
    Otto Dest

  • Es gibt überhaupt kein Journalismus mehr ausser den bezahlten. Artikel werden von Politik, Geheimdienste, Lobbyisten, sogenannte Denkfabriken und andere Interessenverbände "gesponsert".

    Mit einem Wort Pressemüll.

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