Gol und Varig
Übernahme in Brasiliens Zivilluftfahrt

Die brasilianische Fluggesellschaft Gol will ihren Konkurrenten Varig übernehmen. Für die als Billigfluglinie konzipierte Gol ist die Varig vor allem wegen ihrer in- und ausländischen Fluglizenzen attraktiv. Allerdings könnte die Justiz die Übernahme verhindern.

abu SAO PAULO. Die brasilianische Fluggesellschaft Gol will den Konkurrenten Varig für 320 Mill. Dollar (240 Mill. Euro) übernehmen. Varig, ehemals größte Fluglinie Lateinamerikas, war 2006 nach einem Konkursverfahren vom US-Investmentfond Matlin Patterson für 24 Mill. Dollar übernommen worden. Für die als Billigfluglinie konzipierte Gol ist die Varig vor allem wegen ihrer in- und ausländischen Fluglizenzen attraktiv. Die Landerechte in Europa und den USA wurden im Konkursverfahren letztes Jahr in die Varig-Folgegesellschaft („Nova Varig“) übertragen.

Gol will die internationalen Flüge unter der weiterhin unter der Marke Varig autonom geführten Gesellschaft nach Europa und in die USA ausbauen. Dazu soll die Flugzeugflotte der Varig von derzeit 17 auf 34 Maschinen erhöht werden. Vor allem der Flugzeugbauer Boeing würde davon profitieren. Gol selbst will sich auf das restliche Südamerika und auf Brasilien konzentrieren, wo 40 Prozent des kontinentalen Flugverkehrs stattfindet. „In wenigen Monaten wird Gol den brasilianischen Marktführer Tam überholen“, erwartet Paulo Sampaio, Analyst von Multiplan Consultores. Die erweiterte Gol hält jetzt einen Marktanteil von 45 Prozent in Brasilien hinter Tam mit 50 Prozent, kann aber die von Varig wegen fehlender Flugzeuge nicht mehr beflogenen Strecken schnell ausbauen.

Entscheidend ist nun, dass die Justiz die Übernahme nicht verhindern wird: Denn noch unklar ist, ob die neue Varig, doch irgendwann noch haftbar gemacht werden kann für die im Konkursverfahren abgespaltene „alte“ Varig mit einem Schuldenberg von acht Mrd. Real (2,9 Mrd. Euro). Mit der entscheidenden Unterstützung der Regierung kann die Gol jedoch rechnen: Die Regierung von Luiz Inácio Lula da Silva bekommt das Chaos im brasilianischen Flugmarkt seit einem halben Jahr nicht in den Griff. Nach dem Absturz einer Boeing von Gol Mitte letzten Jahres, Fluglotsenstreiks und überbuchten Maschinen sucht Präsident Lula dringend eine Lösung, um die Kapazitäten in der Luft auszubauen.

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