Greenpeace-Studie
Giftige Chemie bei Adidas, Nike und Puma entdeckt

Nachdem Greenpeace in Fußballschuhen von Adidas, Nike und Puma giftige Chemikalien entdeckt hat, kritisiert die Organisation die Sportartikelhersteller scharf. Denen könnte die Studie das WM-Geschäft vermiesen.
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HamburgDie Fußball-Weltmeisterschaft soll das große Geschäft für Adidas, Nike und Puma werden. Doch eine Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace könnte den drei Sportartikelherstellern einen Strich durch die Rechnung machen. Denn die Untersuchung zeigt, dass die Fußballprodukte der drei großen Markenartikelproduzenten giftige Chemikalien enthalten.

Sowohl in Fußballschuhen als auch Torwarthandschuhen und Fußballshirts lassen sich demnach Schadstoffe nachweisen. Den Test haben laut Greenpeace unabhängige Labore durchgeführt. Das Ergebnis: In allen getesteten Produkten finden sich gefährliche Stoffe. Dazu zählen etwa perfluorierte Chemikalien (PFC), die mutmaßlich Krebs verursachen können, oder auch Phtalate und Dimethylformamid (DMF), die das Hormonsystem stören und zu Unfruchtbarkeit führen können. Auch das umweltschädliche Nonylphenolethoxylate (NPE) wurde in der Bekleidung der Sportartikelhersteller nachgewiesen.

Für die Konzerne kommt das Ergebnis zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Greenpeace ließ explizit Produkte untersuchen, die für die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hergestellt wurden – und die den Herstellern eigentlich Milliardenumsätze bescheren sollten.

Besonders schlecht schneiden die Fußballschuhe und Torwarthandschuhe von Adidas ab. Der Konzern aus Herzogenaurach ist offizieller Sponsor der WM und hofft auf Rekordumsätze durch das Sportevent. Noch auf der Hauptversammlung kündigte Adidas an, durch den Wettkampf in Brasilien einen neuen Rekordumsatz von zwei Milliarden Euro erwirtschaften zu wollen.

Was Adidas seinen Kunden jedoch nicht verriet: Die Produktion seiner WM-Artikel vergiftet die Gewässer in den Ländern, in denen hergestellt wird. Das kritisiert zumindest Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace. „Es ist Zeit für eine rote Karte für Adidas – die Firma muss jetzt handeln“, so Santen.

Für die deutschen Hersteller läuft es derzeit ohnehin nicht rund. Im vergangenen Jahr musste Adidas einen Umsatzrückgang hinnehmen – zum ersten Mal seit 2009. Auch der Konkurrent Puma kann nicht auftrumpfen. In den ersten drei Monaten 2014 ging der Erlös währungsbereinigt um 0,5 Prozent zurück. Die Studie könnte die Lust auf das WM-Sortiment weiter senken.

Die gute Nachricht für Adidas, Nike und Puma: Zwar gelten die gefundenen Stoffe als schädigend, aber auch Greenpeace betont, dass das Tragen nicht unmittelbar die Gesundheit gefährde.

Greenpeace versucht seit 2011 mit seiner sogenannten „Detox“-Kampagne, Firmen dazu zu bringen, bis 2020 Kleidung und Schuhe giftfrei zu produzieren. Auch die Sportartikel-Hersteller Adidas, Nike und Puma haben sich dazu bereit erklärt. Greenpeace kritisiert aber, die Firmen versteckten sich hinter „Papierversprechen“ des Branchenverbandes. Firmen wie H&M oder Mango dagegen hätten mit der Entgiftung ihrer Produktion begonnen. Santen forderte Adidas und Nike „im Namen der Fans und der betroffenen Menschen“ auf, einen Ausstiegsplan aus der Produktion mit PFC festzulegen sowie alle gefährlichen Chemikalien offenzulegen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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