Grenzen des Onlinehandels
Die Läden sind nicht totzukriegen

Wie viel werden Sie in Zukunft im Internet einkaufen? Experten wie Shoppingcenter-Entwickler Alexander Otto meinen: Mehr als heute. Doch es wird weiter einen Platz für klassische Läden geben. Was Händler bieten müssen.
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DüsseldorfEs ist die große Frage des Handels weltweit: Wann ist Schluss mit den Marktanteilsgewinnen des E-Commerce? Alexander Otto ist in beiden Feldern aktiv: Einerseits ist er Chef des Shoppingcenter-Betreibers ECE, andererseits ist er am Versandhändler Otto-Group beteiligt. Seine Voraussage: der Onlinehandel werde in Deutschland nicht über 15 bis 20 Prozent Marktanteil herauskommen, so seine Einschätzung im Interview mit dem Handelsblatt. Gerade die junge Generation, die „Digital Natives“, gehe weiterhin in die herkömmlichen Geschäfte.

Der Onlinehandel lotet seine Grenzen aus. Unstrittig ist: Er wird weiter Marktanteile gewinnen. Unklar ist nur, wie viele. Zehn Prozent der Einzelhandelsumsätze in Deutschland stammen laut AT Kearney schon heute aus dem Netz. Das sind immerhin 45 Milliarden Euro – Geld, das in den Kassen der klassischen Läden fehlt.

Doch es zeichnet sich ab: Online und offline erfüllen unterschiedliche Funktionen. „Online wird es um die Grundversorgung gehen, in den Läden wird künftig das Erlebnis im Mittelpunkt stehen“, prognostiziert Nestlé-Deutschlandchef Gerhard Berssenbrügge für den Lebensmittelhandel.

Gerade die Supermärkte geben ein Beispiel dafür, wo Grenzen liegen und wie spezifisch sie sind. Während etwa in Frankreich viele Kunden ihren Einkauf am Computer zusammenstellen und ihn dann am Supermarkt abholen, sind Versuche mit diesem Modell etwa bei Rewe ein Flop. Der Grund: Schon zwischen den benachbarten Ländern unterscheidet sich die Struktur: In Frankreich herrschen riesige Hypermärkte vor, in Deutschland eher der Supermarkt um die Ecke. In diesem Umfeld erfüllen auch Bringdienste bislang nur Nischenbedürfnisse.

„Die Entwicklung im Bereich Lebensmittel steht erst ganz am Anfang – in Deutschland wurden letztes Jahr weniger als ein Prozent online umgesetzt“, sagte AT-Kearney-Experte Mirko Warschun dem Handelsblatt. Er erwarte bis 2020 einen Anstieg auf fünf Prozent – das wären dann rund fünf Milliarden Euro. 95 Prozent des Umsatzes kämen dann immer noch aus den klassischen Läden.

Die Experten der Beratung EY schätzen selbst langfristig das reine Online-Potenzial im Lebensmittelhandel nur auf zehn Prozent, dazu kommen 20 Prozent, bei denen das Netz zumindest eine Rolle spielt – etwa für das Zusammenstellen von Einkaufslisten oder Preisvergleiche. Denn der tägliche Einkauf im Netz ist auch für die Händler wenig attraktiv.

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