Griechenland als Urlaubsland

Die griechische Gelassenheit ist weg

Handelsblatt-Redakteur Martin Tofern macht sich Sorgen um die Griechen. Er kennt das Land aus vielen Reisen, hat dort Freunde gefunden. Er fragt sich, wie es weitergeht - und ob man noch nach Griechenland reisen sollte.
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Die Altstadt von Korfu-Stadt: Die griechische Gelassenheit scheint verloren zu gehen. Quelle: dpa

Die Altstadt von Korfu-Stadt: Die griechische Gelassenheit scheint verloren zu gehen.

(Foto: dpa)

Am meisten sorgt mich, dass den Griechen Gelassenheit und Zuversicht verloren gehen. Beides sind ja Eigenschaften, die das Leben in Griechenland so ungemein angenehm machen. Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, zuckt der Grieche mit den Schultern und sagt: „Ti na kanoume“ (Was können wir da schon machen?). Anschließend kommt ein listiges Grinsen und ganz bestimmt der Spruch „avrio kalitera“ – morgen wird es bestimmt besser! Diese freundliche Gelassenheit scheint den Griechen nun kollektiv abhanden zu kommen.

Beim Geld hat die Gelassenheit schon lange aufgehört. Dass die Griechen nun die Banken stürmen und ihre Konten räumen, ist aus ihrer Sicht vielleicht zu verstehen, aber dennoch eine Katastrophe. Wie soll das Land funktionieren, wenn die Banken zusammenbrechen? Wie wird das tägliche Leben ohne Geld ablaufen? Wird es wieder Tauschhandel geben? Soll man als Tourist möglichst viel Bargeld mitnehmen? Und wenn ja, in welcher Währung? Oder ist das alles Panikmache? Das würde ich nur zu gern glauben!

Martin Tofern ist Handelsblatt-Redakteur Quelle: Pablo Castagnola

Martin Tofern ist Handelsblatt-Redakteur

(Foto: Pablo Castagnola)

Und was passiert mit meinen Freunden? Ein befreundetes Ehepaar – sie Deutsche, er Grieche - lebt mit seinen zwei Kindern auf einer typischen Ferieninsel in der Ägäis. Er hat jahrelang als Kellner, Barmixer und Koch gejobbt. Vor drei Jahren dann reifte der Plan, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Doch dieser Plan scheiterte an Behörden und Vermietern geeigneter Räume. Denn die pokern und vermieten ihre Ladenlokale lieber an Modeboutiquen, die kurzfristig höhere Umsätze machen und entsprechend höhere Mieten bezahlen können.

Nach dem Scheitern des Plans suchte mein Bekannter wieder Arbeit, fand aber keine mehr. Jetzt ist er seit zwei Jahren arbeitslos und bekommt weder Arbeitslosengeld noch Sozialhilfe. Der Mann ist auf seine Frau angewiesen. Sie betreut die Ferienhäuser von Griechen und Ausländern und bekommt dafür von jedem Hausbesitzer einen kleinen Betrag. Zusammengerechnet kommen wohl an die 1500 Euro heraus, das ist für eine vierköpfige Familie natürlich wenig, aber immerhin.

Überhaupt die Freunde. Werden sie im Sommer noch meine Freunde sein? In ihrer Wut über das „Spardiktat“ haben die Griechen ja die Deutschen als Schuldige ausgemacht. Kürzlich soll ein Mann in Athen zusammengeschlagen worden sein, weil er Deutscher ist. Müssen wir das Land jetzt meiden? Das glaube ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass mich meine Freunde künftig schneiden werden.

Bereits im vergangenen Jahr haben sie auf Merkel geschimpft, haben sich schließlich bei mir entschuldigt und das Gespräch in weniger kontroverse Bahnen gelenkt. Wie geht es Deiner Familie, was macht Dein Job und wie war der Winter in Deutschland? Das wird wohl auch dieses Jahr wieder so sein. Aber was, wenn sich die Lage im Land noch weiter verschlechtert? Dann werden sie vielleicht doch überlegen, nach Deutschland auszuwandern. Und Griechenland hätte wieder eine junge tatkräftige Familie weniger. Wieder wäre ein Stück Hoffnung dahin, dass morgen alles besser wird.

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15 Kommentare zu "Griechenland als Urlaubsland: Die griechische Gelassenheit ist weg"

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  • Des Weiteren ist jedwede Form von sinnloser Gewalt abzulehen, egal von wem sie ausgeht.

  • es ist unsinnig darüber zu diskutieren ob es eine deutschfeindlichkeit in gr gibt. Deutschfeindlichkeit gibt es an deutschen SChulen in D zu Hauf, da brauchen Sie nicht nach GR fahren. Wir waren, sind und werden auch in Zukunft ein gastfreundliches Volk bleiben.

  • Wenn`s dem Esel zu wohl wird,macht er Urlaub in Griechenland ( als Deutscher),Jemen, Nordnigeria, Palästina oder auch nur in Holland..Es gibt so viele Länder,wo wir zumindest als paying guests durchaus willkommen sind..

  • @Distomo30000griechZivilisten. Zu Ihrer Information: GR verlor im WKII 20.000 Soldaten und 80.000 Zivilisten. Und im Ort Distomo kamen bei einer Racheaktion durch die Nazis 218 Menschen um. Was also soll bitte Distomo30000griechZivilisten bedeuten?
    Infos u.a. aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegstote_des_Zweiten_Weltkrieges#Kriegstote_nach_Staatsangeh.C3.B6rigkeit
    Und zum Inhalt Ihrer Antwort auf den Beitrag davor: Sie sollten mal Ihre Maßstäbe überdenken. Es kann doch nicht sein, dass jetzt in GR die Touristen ruhig verhauen werden dürfen, weil deutsche Soldaten im WKII Griechen ermordet haben. Was ist denn das für eine Logik. Und dazu ist Ihr Beitrag auch sehr hetzerisch. Denn aus der Tatsache, dass Sie recht gut deutsch sprechen, schreiben und verstehen, schließe ich, dass Sie immerhin schon so lange in Deutschland leben, dass Sie eigentlich wissen müssen, dass sich dort niemand über die rechtsradikalen Attentate freut.

  • @Uli. Sie sind aber romantisch. Kennen Sie Griechenland?

  • Verhalten sich wie Tiere? Keine Achtung vor den Griechen? Mutige Worte!!Und das von einem Deutschen!Schon mal darüber nachgedacht, wie der Rest Europas über Deutschland redet und denkt?

  • lieber herr tofern,wenn sie ein griechenlandkenner wären sollten sie wissen,daß die griechen nicht "die deutschen ",sondern die einseitige dt.politik die mitschuld an dieser misere geben.kein grieche leugnet ,die massiven strukturellen probleme im land ,noch versuchen sie irgendjemandem die schuld zu geben.als wirtschaftsredakteur müssten sie auch wissen ,daß ein land(oder btrieb) nicht nur sparen ,sondern auch investieren muß um auf die beine zu kommmen.ich würde mir mehr sachlichkeit und weniger populismus ,seitens der dt.presse wünschen.die situation ihrer freunde ist bedauerlich.sie hätte aber auch in jedem anderen land stattfinden können.wenn man für eine boutique mehr pacht bekommt ,dann ist es eben so. wir griechen waren,sind und werden immer ein freundliches und offenes volk bleiben.

  • Offensichtlich hat sich die "jüngste" Mordserie mit Rechtsradikalen Hintergrund in Sachsen bis nach Griechenland herumgesprochen, wo eure Landsleute beim Griechen in der Taverne fröhlich gespeißt haben um ihn anschließend zu ermorden. Wohl weil sie nicht die Zeche zahlen wollten. Oder es liegt daran, dass man sich gerade im schönen Monat Mai der deutschen Greultaten auf Kreta bzw. Griechenland erinnert

  • Als Hellene schreibe ich die Namen unserer Falken immer im Original. War doch nur ein kleiner Tipp zum Erwerb deiner nächsten Ferienimmobilie. Ein kluger Hellene hat spätestens mit den Olympischen Spielen in Athen seine Milliarden, Jacht, Immobilien in Sicherheit verbracht. Der deutsche Michel sollte sich auch sputen, bevor die europäische Politriege in Brüssel auch ihn übern Tisch zieht.

  • Wie soll eine Volkswirtschaft funktionieren, wenn die einfachsten Strukturen fehlen? Auch wie soll das Land funktionieren, wenn die Banken zusammenbrechen? Was ist mit den vereinbarten Strukturen geschehen? Wo sind die Milliarden an Strukturhilfen geblieben? Wie weit ist die Privatisierung gediehen? Gleich "O". Warum hat Griechenland alle Hilfen zum Strukturwandel bisher abgelehnt? Griechenland hat soviel Beamte wie Deutschland! Wer soll noch die Beamte bezahlen? Wir und die EU? Wie produktiv ist überhaupt Griechenland? Kein Unternehmen wird da investieren, weil dann die Eigentumsverhältnisse (Katasteramt) nicht geklärt sind.
    Alle meine Freunde und Bekannte haben somit bereits gebuchte Reisen nach Griechenland storniert. Freunde von uns sind in der vorigen Woche in Porto Heli beschimpft worden. Man hat sogar mit Steinen nach denen geworfen. In einem Restaurant in Korint sind sie garnicht bedient worden, weil sie versucht haben, eine Bestellung in Deutscher Sprache aufzugeben. Sind die Griechen noch Menschen? Verhalten sich aber wie Tiere. Wer wird noch Achtung von den Griechen haben?

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