Griechenland als Urlaubsland
Die griechische Gelassenheit ist weg

Handelsblatt-Redakteur Martin Tofern macht sich Sorgen um die Griechen. Er kennt das Land aus vielen Reisen, hat dort Freunde gefunden. Er fragt sich, wie es weitergeht - und ob man noch nach Griechenland reisen sollte.
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Am meisten sorgt mich, dass den Griechen Gelassenheit und Zuversicht verloren gehen. Beides sind ja Eigenschaften, die das Leben in Griechenland so ungemein angenehm machen. Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, zuckt der Grieche mit den Schultern und sagt: „Ti na kanoume“ (Was können wir da schon machen?). Anschließend kommt ein listiges Grinsen und ganz bestimmt der Spruch „avrio kalitera“ – morgen wird es bestimmt besser! Diese freundliche Gelassenheit scheint den Griechen nun kollektiv abhanden zu kommen.

Beim Geld hat die Gelassenheit schon lange aufgehört. Dass die Griechen nun die Banken stürmen und ihre Konten räumen, ist aus ihrer Sicht vielleicht zu verstehen, aber dennoch eine Katastrophe. Wie soll das Land funktionieren, wenn die Banken zusammenbrechen? Wie wird das tägliche Leben ohne Geld ablaufen? Wird es wieder Tauschhandel geben? Soll man als Tourist möglichst viel Bargeld mitnehmen? Und wenn ja, in welcher Währung? Oder ist das alles Panikmache? Das würde ich nur zu gern glauben!

Und was passiert mit meinen Freunden? Ein befreundetes Ehepaar – sie Deutsche, er Grieche - lebt mit seinen zwei Kindern auf einer typischen Ferieninsel in der Ägäis. Er hat jahrelang als Kellner, Barmixer und Koch gejobbt. Vor drei Jahren dann reifte der Plan, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Doch dieser Plan scheiterte an Behörden und Vermietern geeigneter Räume. Denn die pokern und vermieten ihre Ladenlokale lieber an Modeboutiquen, die kurzfristig höhere Umsätze machen und entsprechend höhere Mieten bezahlen können.

Nach dem Scheitern des Plans suchte mein Bekannter wieder Arbeit, fand aber keine mehr. Jetzt ist er seit zwei Jahren arbeitslos und bekommt weder Arbeitslosengeld noch Sozialhilfe. Der Mann ist auf seine Frau angewiesen. Sie betreut die Ferienhäuser von Griechen und Ausländern und bekommt dafür von jedem Hausbesitzer einen kleinen Betrag. Zusammengerechnet kommen wohl an die 1500 Euro heraus, das ist für eine vierköpfige Familie natürlich wenig, aber immerhin.

Überhaupt die Freunde. Werden sie im Sommer noch meine Freunde sein? In ihrer Wut über das „Spardiktat“ haben die Griechen ja die Deutschen als Schuldige ausgemacht. Kürzlich soll ein Mann in Athen zusammengeschlagen worden sein, weil er Deutscher ist. Müssen wir das Land jetzt meiden? Das glaube ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass mich meine Freunde künftig schneiden werden.

Bereits im vergangenen Jahr haben sie auf Merkel geschimpft, haben sich schließlich bei mir entschuldigt und das Gespräch in weniger kontroverse Bahnen gelenkt. Wie geht es Deiner Familie, was macht Dein Job und wie war der Winter in Deutschland? Das wird wohl auch dieses Jahr wieder so sein. Aber was, wenn sich die Lage im Land noch weiter verschlechtert? Dann werden sie vielleicht doch überlegen, nach Deutschland auszuwandern. Und Griechenland hätte wieder eine junge tatkräftige Familie weniger. Wieder wäre ein Stück Hoffnung dahin, dass morgen alles besser wird.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte

Kommentare zu " Griechenland als Urlaubsland: Die griechische Gelassenheit ist weg"

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  • Des Weiteren ist jedwede Form von sinnloser Gewalt abzulehen, egal von wem sie ausgeht.

  • es ist unsinnig darüber zu diskutieren ob es eine deutschfeindlichkeit in gr gibt. Deutschfeindlichkeit gibt es an deutschen SChulen in D zu Hauf, da brauchen Sie nicht nach GR fahren. Wir waren, sind und werden auch in Zukunft ein gastfreundliches Volk bleiben.

  • Wenn`s dem Esel zu wohl wird,macht er Urlaub in Griechenland ( als Deutscher),Jemen, Nordnigeria, Palästina oder auch nur in Holland..Es gibt so viele Länder,wo wir zumindest als paying guests durchaus willkommen sind..

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