Griechenland-Krise Firmen sind auf Kapitalkontrollen vorbereitet

Im Stillen haben sich viele griechische Unternehmen bereits auf die Möglichkeit eines Grexit vorbereitet. Sie lassen Barmittel direkt im Ausland und spielen gedanklich verschiedene Szenarien durch. Einige Beispiele.
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Aus der Zypern-Krise haben einige Firmen gelernt. Quelle: dpa
Griechische Unternehmen treffen Vorbereitungen

Aus der Zypern-Krise haben einige Firmen gelernt.

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George Alevizos weiß, wie es ist, mit Kapitalverkehrskontrollen zu leben. Der Finanzmanager bei Fourlis Holdings, ein Franchise-Nehmer für die Ikea-Möbelläden in Griechenland, Zypern und Bulgarien, hat erlebt, wie der Zypern-Umsatz des Unternehmens in den drei Monaten unmittelbar nach der Rettung des Landes im März 2013 eingebrochen ist.

Nun steuern Griechenland und seine Geldgeber auf eine Kraftprobe zu, was die Möglichkeit eines Ausscheidens des Landes aus dem Euro oder die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen erhöht. Krisenerprobte Unternehmensmanager sind zwar nervös, sagen aber, der langgezogene Verhandlungspoker habe sie auf das Schlimmste vorbereitet.

„Wir haben diese Art Probleme bereits mit unserer Niederlassung in Zypern mitgemacht”, erläutert Alevizos in einem Interview mit Bloomberg. „Kurzfristig wird es jedoch ernsthafte Turbulenzen geben.”

Seit Griechenland 2009 die Euroraum-Schuldenkrise ausgelöst hat, haben die Unternehmen mit Banken leben müssen, die nicht in der Lage waren, Kredite zu vergeben, mit einer Wirtschaft, die nur schwer aus der Rezession herauskam, sowie mit der Unsicherheit, ob ihr Land überhaupt im Euroraum bleiben wird. Die turbulenten Zeiten haben sie wertvolle Lektionen gelehrt – angefangen damit, Barmittel im Ausland zu lassen bis hin zur Entwicklung von Exportmärkten, sagen Manager.

Diese Vorbereitungen könnten auf die Probe gestellt werden, sollten Griechenland und seine Gläubiger keine Vereinbarung erreichen. Das könnte dazu führen, dass Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden, wie sie Zypern als erstes Euro-Land 2013 erließ. Unternehmen haben sich im Stillen schon auf diese Möglichkeit vorbereitet.

Zum Beispiel Sarantis, eine Vertriebsgesellschaft für Produkte von Estée-Lauder-Kosmetikartikeln bis zu Insektenschutzmitteln. Die Barmittel des Unternehmens sind seit der Zypern-Krise außerhalb Griechenlands gelassen worden. Sarantis würde wahrscheinlich einen Umsatzrückgang verzeichnen, da die Kosten von Importgütern steigen, falls es Kapitalverkehrskontrollen oder einen Ausstieg aus dem Euro gibt, sagt Kostas Rozakeos, Finanzvorstand des Unternehmens.

Aber ein Ausscheiden aus dem Euro bietet auch Aufwärtspotenzial. Denn dann würde die Gesellschaft niedrigere Produktionskosten haben, weil die Barmittel im Ausland sind und in Fremdwährung bleiben werden, erläutert er.

„Letztlich wird Sarantis profitieren”, sagte er. „Ich wünsche mir das nicht als Bürger, als griechischer Bürger, aber als Geschäftsmann sehe ich Chancen.” Sarantis werde der Branchenstarke sein, während kleinere Kandidaten Opfer der griechischen Kreditklemme werden, erwartet er.

Mehr als 100 Milliarden Euro bereits abgezogen

Niemand weiß, wie es in Griechenland sein könnte, aber so lief es in Zypern: Abhebungen am Geldautomaten wurden auf 300 Euro pro Person pro Tag begrenzt. Überweisungen von mehr als 5000 Euro ins Ausland mussten von einem Ausschuss genehmigt werden. Unternehmen benötigten Dokumente für jede Zahlungsanweisung, wobei Genehmigungen für mehr als 200.000 Euro von der verfügbaren Liquidität bestimmt wurden.

In gewisser Weise könnten die Kontrollen zu gering sein und zu spät kommen. Unternehmen haben dies kommen sehen und, sofern sie konnten, Geld außerhalb Griechenlands gebracht.

Einlagen im Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro sind von Unternehmen und privaten Haushalten in Griechenland seit Ende 2009 aus dem Bankensystem abgezogen worden, wobei die Abflüsse seit Anfang 2015 an Dynamik gewonnen haben, als die den Sparkurs ablehnende Regierung von Alexis Tsipras an die Macht kam.

Titan Cement, die 2008 die Finanzkrise in den USA und 2011 eine Revolution in Ägypten erlebte, hat einen Großteil der Barreserven im Ausland. „Wir sind Netto-Exporteure, daher werden wir Zugang zu Fremdwährungsdevisen haben und wohl keinen Mangel”, sagte der Vorstandsvorsitzende Dimitrios Papalexopoulos er. Die internationalen Aktivitäten des Zementherstellers aus Athen sind autark und die Gesellschaft hat Kreditfazilitäten von ausländischen, aber nicht griechischen Banken, erklärte er.

Von den Barreserven von Titan von 138 Millionen Euro sind lediglich 12 Millionen Euro in Griechenland. Etwa 70 Millionen Euro sind bei Holding-Gesellschaften und europäischen Banken außerhalb des Landes.

Dixon Carphone, zu der die Elektronikgeräte-Kette Kotsvolos gehört, hat seit mindestens Mai 2012 Notfallpläne für einen griechischen Euro-Ausstieg. „Wir haben Pläne, wie unsere Geschäfte schließen und wieder öffnen werden. Wir haben Pläne, wie wir mit Verbraucherkreditvereinbarungen umgehen”, sagte der Vorstandsvorsitzende Sebastian James. Er bekräftigte diesen Monat, dass die Entwicklung eine Chance bieten könnte, Marktanteile zu gewinnen.

Hellas Direct, ein Autoversicherer aus Zypern mit Aktivitäten in Griechenland, hat stets die Barmittel außerhalb Griechenlands und Zyperns gehalten. In Griechenland „haben wir nur lokal und für den operativen Betrieb Barmittel vorhanden”, sagt Alexis Pantazis, Mitgründer des Unternehmens. „Selbst wenn Kapitalkontrollen eingeführt werden, hätten wir noch ausreichend Liquidität, um weiter zu machen.”

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