Größte Airline Europas entsteht
Air France und KLM besiegeln Fusion

KLM und Air France sind sich nach monatelangen Verhandlungen im Grundsatz über eine Fusion einig. Damit entsteht die größte Fluggesellschaft Europas bzw. die drittgrößte Fluggesellschaft der Welt. Es wurde ein Aktientausch vereinbart.

HB AMSTERDAM/PARIS. Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta bezeichnete das Vorhaben als „Meilenstein in unserer Industrie“. Durch das Zusammengehen werde die erste europäische Fluggesellschaftsgruppe begründet. Nach den am Dienstag veröffentlichen Grundzügen der Vereinbarung wird Air France den Eignern von KLM elf Air-France-Aktien und zehn Optionsscheine (Warrants) gegen zehn KLM-Aktien bieten. Die Offerte bewertet das niederländische Unternehmen mit 784 Mill. €. Das endgültige Abkommen soll in den nächsten Wochen unterzeichnet werden.

Die italienische Fluggesellschaft Alitalia kündigte an, umgehend Verhandlungen mit Air France über einen Beitritt zu der Allianz zu beginnen. Während KLM-Aktien an der Börse kräftig zulegten, gaben die Anteile von Air France nach. Die geplante Fusion setzte auch die Aktien der Deutschen Lufthansa unter Druck.

Die Allianz unter dem Namen Air France-KLM wäre der erste grenzüberschreitende Zusammenschluss führender europäischer Fluggesellschaften. Das Bündnis würde die bisher größte Fluggesellschaft Europas, British Airways, nach geflogenen Kilometern von der Spitzenposition verdrängen. „Wir waren immer von der Notwendigkeit der Konsolidierung in der Luftfahrtindustrie überzeugt“, sagte Spinetta, der auch dem neuen Unternehmen vorstehen soll. Der Chef der bisherigen Nummer zwei in Europa fügte hinzu, es seien keine Stellenkürzungen geplant. Insbesondere bei KLM - der viertgrößten Fluggesellschaft Europas - befürchten die Gewerkschaften Entlassungen. Bei Air France sind 71 000, bei KLM rund 30 000 und bei Alitalia 21 000 Mitarbeiter beschäftigt.

Frankreichs Anteil unter 50 Prozent

Der Anteil des französischen Staates an der neuen Gesellschaft soll 44 % nach derzeit 54 bei Air France betragen. Gegenwärtige KLM-Aktionäre sollen mit 19 % der Aktien beteiligt sein, die übrigen der jetzigen Air-France-Eigner mit den verbleibenden 37 %. Die beiden Gesellschaften erwarten zusammen eine Verbesserung des operativen Gewinns von jährlich 385 bis 495 Mill. € nach fünf Jahren, wobei 60 % der gesamten Synergieeffekte aus Einsparungen entstehen sollen. Die Markenauftritte der beiden Unternehmen sollen erhalten bleiben.

Börsianer sagten, das geplante französisch-niederländische Bündnis werde den Druck auf die Lufthansa in Europa voraussichtlich deutlich erhöhen. Die Allianz dürfte die Machtverhältnisse in der internationalen Luftfahrtbranche nachhaltig beeinflussen. Selbst Regierungen, die früher eine nationale Fluggesellschaft als Frage des Nationalstolzes betrachten, erkennen die Notwendigkeit einer Konsolidierung an.

KLM-Aktie schnellt in die Höhe

An der Börse gaben die Air-France-Aktien bis zum Mittag um rund vier Prozent auf 13,12 € nach, während die KLM-Titel um mehr als 13 % auf 13,59 € in die Höhe schnellten. Alitalia-Aktien lagen um rund 1,6 % im Minus bei 0,2845 €. Die Lufthansa-Papiere büßten in einem leichteren Gesamtmarkt 2,2 % auf 11,47 € ein, während die Anteilsscheine der meisten europäischen Konkurrenten zulegten.

Weltweit wären KLM und Air France nach Flugkilometern die Nummer drei hinter den US-Gesellschaften American Airlines und Delta. Das Bündnis würde die Luftfahrtallianz Sky-Team um Air France und Delta stärken. Es gilt als wahrscheinlich, dass zu einem späteren Zeitpunkt die KLM-Partner in den USA, Northwest und Continental ebenfalls in das Bündnis eintreten. In diesem Fall wäre Sky-Team größer als das Bündnis „oneworld“ um British Airways und würde den Abstand zur führenden Star Alliance um Lufthansa verringern.

Die Lufthansa und die von ihr geführte Star Alliance sehen ihre Marktposition durch den Zusammenschluss der Konkurrenten nicht als gefährdet an. Eine Lufthansa-Sprecherin sagte: „Wir sehen uns sowohl als Airline als auch im Verbund bestens aufgestellt. Star Alliance bleibt weltweit die klare Nummer eins der Luftfahrt-Allianzen.“ Die Star Alliance wolle ihre führende Rolle auf dem Weltmarkt durch weitere Partner sichern.

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