Größte Rinder-Ranch der Welt: Warnungen als Propaganda

Größte Rinder-Ranch der Welt
Australiens reichste Frau und das liebe Vieh

Warnungen als Propaganda

Zwar zeigt sich die konservative Regierung von Premierminister Malcolm Turnbull offiziell weiterhin offen für Anleger aus dem Ausland. Doch die Vetos des Finanzministers zeigen, dass Canberra sich dem Populismus nicht entziehen kann. Aktuellen Umfragen zufolge sind inzwischen 69 Prozent der Bevölkerung „stark gegen“ die Akquisition von Agrarland durch Ausländer. 2012 waren es noch 63 Prozent. Populisten wie die Abgeordneten der rapide wachsenden, ausländerfeindlichen Partei One Nation heizen die Stimmung an. Ihre Behauptung, Australien würde „die Farm verkaufen“, hält allerdings nicht Stand. Schon gar nicht, wenn es um China geht. Chinesische Firmen kontrollieren nur 0,5 Prozent des australischen Agrarlandes. Großbritannien dagegen, das traditionelle Mutterland, hält sieben Prozent.

Doch Fakten zählen in dieser Debatte wenig. Es wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, welchen Einfluss die Tatsache haben wird, dass bei einem Verkauf von „S Kidman“ an Rinehart immerhin ein Drittel unter chinesische Kontrolle fallen würde.

Das China-Problem ist aber nicht das einzige, mit dem sich die Geschäftsfrau künftig beschäftigen muss.

Längerfristig die vielleicht größte Herausforderung ist die Natur. Die seit Jahrtausenden von einem Wechselspiel zwischen Überschwemmung und Dürre dominierte Umwelt im trockenen Inland Australiens wird als Folge von Klimawandel zunehmend unberechenbarer. Der Boden im „Outback“ ist schon unter normalen Umständen mager, die Futterausbeute gering. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Quadratkilometer Land nur ein Rind ernähren kann – wenn überhaupt.

Wissenschaftler haben errechnet, die Auswirkungen des Klimawandels würden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Situation für die Landwirtschaft dramatisch verschärfen. Extremtemperaturen von über 50 Grad sowie mehrere Jahre dauernde Trockenperioden könnten im „Outback“ zur Normalität werden. Analysten meinen, klimatische Unsicherheiten und Extreme seien ein immer größeres Geschäftsrisiko für Agrarunternehmen. Für Gina Rinehart dagegen sind solche Warnungen nur Propaganda: „Die Welt und das Klima haben sich immer verändert“.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%