Größte Tochter fühlt sich durch den geplanten Umbau des Mutterkonzerns in ihrer Strategie bestätigt
Eon Energie plant Zukäufe in Osteuropa

Die im Eon-Konzern für Zentraleuropa zuständige Eon Energie AG nimmt bei ihren Expansionsplänen Osteuropa ins Visier. „Im Osten haben wir noch Lücken“, sagte der Vorstandschef der größten Konzerntochter, Johannes Teyssen, im Gespräch mit dem Handelsblatt: „In Polen sind wir praktisch nicht vertreten, in Tschechien gibt es weiße Flecken und in der Slowakei können wir uns auch noch verbessern.“

MÜNCHEN. In Ungarn habe das Unternehmen dagegen bereits eine sehr solide Marktposition erreicht. Eon Energie wolle die Marktstellung in der Region ausbauen und sich auf den Wertschöpfungsstufen – wie etwa Erzeugung und Transport – verstärken, erläuterte Teyssen: „Wenn es günstige Gelegenheiten gibt, dann wird für uns im Konzern Geld da sein.“

Eon-Chef Wulf Bernotat hatte jüngst angekündigt, der Konzern werde bis 2005 zwischen 26 und 28 Mrd. Euro investieren, 6 bis 8 Mrd. Euro mehr als noch Ende 2002 geplant. Teyssen wollte zwar nicht sagen, wie viel davon Eon Energie zufließen soll. Von den ursprünglich geplanten 18 Mrd. Euro waren aber bereits 8 Mrd. Euro für die Münchener Tochter reserviert.

Bernotat hatte angekündigt, dass die Mittel zum Ausbau der bestehenden Märkte genutzt werden sollen. In der neuen Konzernstruktur, die er präsentierte, sind die Töchter Eon Energie, Ruhrgas, die britische Powergen, die schwedische Sydkraft und die amerikanische LG&E jeweils für einen regionalen Markt verantwortlich. Im Fall Eon Energie ist das der Strom- und Gasvertrieb in Zentraleuropa, also Deutschland, Benelux, Schweiz, Österreich, Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn.

Dass sich Eon Energie dabei das größte Wachstum im Osten verspricht, ist nach Einschätzung von Branchenexperten verständlich. „Das ist der Wachstumsmarkt schlechthin“, sagte Berthold Hannes von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Der Energieverbrauch steige wegen der zunehmenden Industrialisierung überproportional. „Vor allem Polen bietet noch Möglichkeiten“, bestätigte Karlheinz Bozem von Booz Allen & Hamilton.

In Polen steht die gesamte Energiewirtschaft zur Privatisierung an. Der Prozess verläuft aber schleppend. Während sich RWE im Jahr 2002 den Warschauer Versorger Stoen gesichert hat, ist Eon Energie mit einer ersten Übernahmeofferte gescheitert. In Tschechien hat das Unternehmen dagegen seinen Anteil an zwei Regionalversorgern aufgestockt und kontrolliert jetzt 24 % des Marktes. In der Slowakei ist Eon Energie am größten Versorger und in Ungarn an drei regionalen Strom- und einem Gasunternehmen beteiligt. „Im Inland sind unsere Möglichkeiten beschränkt“, räumte Teyssen ein. Das Kartellamt beobachte jeden Schritt genau. „In Einzelfällen wird es aber gehen“, gibt er sich überzeugt.

Die neue Struktur des Gesamtkonzerns bestätigt nach Teyssens Worten das Geschäftsmodell von Eon Energie: „Früher waren wir zwar ,die’ Versorger-Tochter im Konglomerat Eon“, sagte er, „nach wie vor bearbeiten wir aber den größten und wichtigsten Markt und das mit weiteren Aufgaben.“ Sein Unternehmen steuere den Markt und sei für die Ergebnisse verantwortlich.

„Wir sind der einzige Versorger der ohne Einschränkungen die Märkte konsequent in den Mittelpunkt stellt“, betonte Teyssen. Die neue Konzernstruktur baue nicht auf den Segmenten wie Erzeugung und Vertrieb auf, sondern sei an den Kernmärkten ausgerichtet. „Dass es den globalen Utility-Markt gibt, ist eine Illusion“, sagte Teyssen. In Großbritannien werde beispielsweise in der Stromerzeugung vor allem Gas eingesetzt, in Skandinavien Wasserkraft und in Zentraleuropa Kohle- und Kernenergie.

Im ersten Halbjahr hat Eon Energie das Betriebsergebnis um 8 % auf 1,9 Mrd. Euro und den Umsatz um 21 % auf 11,8 Mrd. Euro verbessert. Besonders im deutschen Stromgeschäft sprudeln die Erträge. Den scharfen Renditevorgaben des Mutterkonzerns kann Teyssen deshalb gelassen entgegen sehen: Bernotat will bis 2006 die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE), die zentrale Steuerungsgröße des Konzerns, auf 10,5 % von 9,3 % im vergangenen Jahr steigern. Eon Energie hatte 2002 auf Eigen- und Fremdkapital bereits eine Rendite von 13,5 % erreicht. Zum Vergleich: Die Neuerwerbung Powergen kam nur auf 5,7 %.

Aber auch für Eon Energie seien Vorgaben formuliert worden, sagte Teyssen. Die Tochter mache immerhin gut die Hälfte des Konzerns aus. „Wir können uns also nicht zurücklehnen, sondern tragen bei der Erreichung der Renditeziele der Eon auch in Zukunft eine Mammutaufgabe“. Nachholbedarf gebe es beispielsweise in der Benelux-Region.

Die Grundstruktur seines Unternehmens wird nach Teyssens Worten durch den Konzernumbau nicht geändert. Wie Bernotat spricht er von „Feinjustierungen“: „Die Ankergesellschaften stehen nicht zur Disposition.“ Die sieben Regionalversorger oder auch Geschäftseinheiten wie Eon Netze oder Eon Sales & Trading blieben bestehen. Wie der Abbau der konzernweit 3 500 Stellen durchschlagen wird, wollte Teyssen nicht sagen: „Auf uns wird aber ein angemessener Anteil zu kommen.“

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%