Großaktionär Fredriksen will Aufsichtsrats- und Vorstandschef kippen
Machtkampf tobt auf Tui-Hauptversammlung

Der Machtkampf zwischen den Großaktionären und der Konzernführung beim Touristikriesen Tui hat auf der Hauptversammlung mit einem markigen Angriff des streitlustigen Norwegers John Fredriksen begonnen. Der Reeder, der zuletzt 11,7 Prozent an Tui hielt, forderte indirekt eine Auswechslung von Vorstandschef Michael Frenzel.

HANNOVER. Auf den ersten Blick ist es wie immer: Tui-Fahnen vor der Tür, Aktionäre, die sich in Schlangen vor den Sicherheitsschleusen drängen. Dazu einige Demonstranten vor dem Congress-Centrum - Mitarbeiter, die den Erhalt des Standorts Hannover der in Fusionsverhandlungen mit Germanwings befindlichen Fluggesellschaft Tuifly fordern, andere, die gegen die Konzernpläne kämpfen, die Tui-Containerschifffahrtssparte Hapag-Lloyd, zu verkaufen. Auch in den Foyers das gewohnte Bild: Reichlich bunte Reisebilder in fröhlichen Farben, Prospektmaterial wie auf einer Tourismusbörse.

Doch schon der Blick in die Eilenriede-Halle zeigt, dass diese Hauptversammlung des Reise- und Noch-Schifffahrtskonzerns anders sein wird als die Aktionärstreffen der letzten Jahre: Nahezu bis auf den letzten Platz ist der eher trostlose Saal gefüllt - wo doch früher fast ein Hallenviertel leer blieb. Um 12.04 Uhr bestätigt der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Krumnow den Eindruck: Vom Grundkapital der Tui sind in dieser Hauptversammlung exakt 71,49 Prozent präsent. In den letzten Jahren waren es weniger als 50 Prozent der Stimmrechte, die den Weg nach Hannover gefunden hatten.

So bleibt es spannend bis zur Abstimmung, die für den späten Nachmittag zu erwarten ist. Denn schon als Krumnow die Redeliste öffnet, haben sich 21 Aktionäre zu Wort gemeldet.

Völlig offen ist angesichts der hohen Präsenz des Grundkapitals, wie der Machtkampf ausgehen wird, den Großaktionär John Fredriksen in den letzten Wochen angezettelt hat: Der norwegische Reeder ist der größte Tui-Eigner. Er will auf dieser Sitzung den Aufsichtsratsvorsitzenden Krumnow stürzen und beansprucht für sich ein Mandat, um Konzernchef Frenzel beim Verkauf der Hapag-Lloyd selbst auf die Finger zu schauen. Wie viele der Anteilseigner kann der Norweger auf seine Seite ziehen? Bei den Tui-Verantwortlichen, die sich im Vorfeld der Veranstaltung wohl ausgerechnet hatten, dass sie bei üblicher Grundkapital-Präsenz eine Mehrheit hinter sich hatten, brach rund um die Eilenriede-Halle neue Unsicherheit aus.

Der Frenzel-Block aus Großaktionären, die eigene Tourismusunternehmen haben, kommt auf ein Drittel der Stimmrechte. "Wir haben 90 Prozent der restlichen Stimmen", sagte der Fredriksen-Vertraute Olav Troim. Unterstützung hätten etwa norwegische und amerikanische Vermögensverwalter signalisiert. Auch der für seine Angriffslust bekannte US-Investor Guy Wyser-Pratte teilt die Abneigung Fredriksens gegen die Tui-Spitze und hatte sich bereits dessen Forderungen angeschlossen.

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