Großaktionär Spendiert Aktien
Brombeerrote Weihnachten bei dba

Kurz bevor Verdi und die Air-Berlin-Tochter dba sich am Donnerstag zu neuen Tarifverhandlungen zusammensetzen wollten, kam aus München frohe Kunde. Lutz Helmig, ehemaliger Großaktionär der Münchener Fluglinie, möchte jedem dba-Mitarbeiter 195 Aktien schenken. Die Gewerkschaft beguckt die Gabe mit Argwohn.

MÜNCHEN. Das macht 3 373 Euro für jeden der 717 dba-Mitarbeiter. „Ich bin für das Vertrauen in die Gesellschaft belohnt worden“, verkündete Helmig in München. „Das möchte ich an die Mitarbeiter zurückgeben.“ Und das steuerfrei.

Helmig, der nach eigenem Bekunden vom Luftfahrtgeschäft „keine Ahnung“ hat, stieg im Februar dieses Jahres bei der dba ein. 25 Prozent erwarb der gelernte Gefäßchirurg vom damaligen dba-Eigner Rudolf Wöhrl, der seinerseits die Fluglinie 2003 für einen Euro von British Airways erworben hatte, die ihr deutsches Millionengrab so schnell wie möglich loswerden wollte. Wöhrl sanierte dba. Dabei half, dass der Betriebsrat die Beschäftigten zu einem zweijährigen Gehaltsverzicht überreden konnte. Im Sommer verkauften Wöhrl und Helmig ihre Anteile an Air Berlin. Helmig kassierte bei der Gelegenheit einen einstelligen Millionenbetrag.

Seitdem treibt Air Berlin-Chef Joachim Hunold die Integration munter voran. Die giftgrünen dba-Maschinen werden nach und nach in das Brombeerrot von Air Berlin umlackiert. Spätestens ab dem 1. April sollen die Stewardessen neue Uniformen haben und die berühmten Schokoherzen das Air Berlin Logo zieren. „Wir kommen bei der Integration schneller voran als gedacht“, sagt dba-Geschäftsführer Martin Gauss. Schon jetzt gebe es einen gemeinsamen Flugplan, die Buchungsmacht von Air Berlin fülle die dba-Maschinen.

Auch der Kapitalmarkt applaudiert: „Das Geschäftsmodell gewinnt an Vertrauen“, schreibt die Hypo-Vereinsbank. Wohltäter Helmig kündigte in München flugs an, gleich 100 Millionen Euro für die Finanzierung neuer Flugzeuge zu spendieren.

Die Gewerkschaft Verdi sieht dagegen knallrot. Sie argwöhnt, dass unter dem Dach von Air Berlin die dba-Mitarbeiter nicht mehr viel zu lachen haben. Seit Monaten ziehen sich die Tarifverhandlungen hin, am Mittwoch platzte Verdi-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt der Kragen. Auf 900 Euro wolle die Fluggesellschaft die Einsteigsgehälter für Flugbegleiter drücken, wetterte der Verdi-Funktionär. „Das hätte eine erhebliche Verschlechterung für die dba-Beschäftigten zur Folge. 900 Euro Grundgehalt, das bedeutet Armut trotz Arbeit“, wettert Kühhirt.

Zumindest für dieses Weihnachtsfest ist das Auskommen gesichert. Emsig sucht die dba-Geschäftsführung Mitarbeiter, die seit Sommer das Unternehmen verlassen haben und nach dem Willen Helmigs dennoch in den Genuss des Geschenkes kommen sollen.

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