Großbank BNP Paribas und Gründerfamilie Moulin übernehmen die Macht in der Kaufhauskette
Lafayette beendet Erbenzwist

Bislang wurde das Unternehmen von den Familien Meyer (29,5 Prozent Anteil, 37,7 Prozent der Stimmrechte) und Moulin (31,6 Prozent des Kapitals und 38,4 Prozent der Stimmrechte) kontrolliert. Nun hat die Familie Meyer ihre Anteile von 29,5 Prozent an die Großbank BNP Paribas verkauft.

PARIS. Die Moulins übernehmen mit Hilfe der BNP Paribas jetzt das Ruder bei der Kaufhauskette. In einem nächsten Schritt sollen die Minderheitsaktionäre ausgekauft werden, teilte Philippe Houzé, Co-Chef von Galeries Lafayette und Mann der Gründer-Urenkelin Christiane Moulin, gestern mit. „An der Strategie der Gruppe ändert sich durch diese Konsolidierung aber nichts“, bekräftigte er. Die Strategie beruhe weiter auf den Pfeilern Kaufhäuser (Galeries Lafayette, BHV), citynahe Supermärkte (Monoprix) und Konsumentenkredite sowie Kundenbindungsprogramme.

Das austarierte Geflecht der Erbenfamilien in dem französischen Traditionskonzern war zuletzt aus dem Gleichgewicht geraten. Nach dem Tod von Gründer-Enkel Etienne Moulin im vergangenen September, dem Schwiegervater der beiden eingeheirateten Unternehmenschefs Philippe Houzé und Philippe Lemoine, forderten die Moulins weitere Posten im Konzern, um ihren Einfluss zu sichern. Dies wies die Aufsichtsratsvorsitzende Léone-Noëlle Meyer ab. Deren Amtsführung emfpand die Moulin-Familie aber als zu interventionistisch.

Weiterer Zankapfel zwischen den Familien: Die von Alexandre Meyer geleiteten Bau- und Einrichtungsmärkte BHV rutschten 2004 in die roten Zahlen. Ansonsten geht es dem Unternehmen gut: 2004 stieg der Gewinn von Galeries Lafayette um 16,5 Prozent auf 134 Mill. Euro.

In dieses Spannungsfeld platzte im Dezember 2004 die Bank Crédit Mutuel, die 15 Prozent des Kapitals von Galeries Lafayette an der Börse zusammengekauft hatte. Bankchef Michel Lucas wollte sich auf diese Weise für eine vertiefte Zusammenarbeit empfehlen. Offenbar befürchteten die Moulins nun, dass die Meyers – genervt durch den Familienzwist – ihre Anteile an Crédit Mutuel verkaufen könnten. Sie wandten sich an den Bankpartner der Gruppe, BNP Paribas. Denn Galeries Lafayette und BNP Paribas betreiben seit 1973 die profitable Konsumentenkredit-Tochter Cofinoga (56 Prozent Galeries Lafayette, 44 Prozent BNP Paribas).

BNP Paribas steigt nun quasi zum Vermittler der streitenden Familien auf, indem die Bank für rund 900 Mill. Euro die Aktien der Meyers aufgekauft hat. Die Moulins sichern auf diese Weise die Unabhängigkeit von Galeries Lafayette. BNP Paribas will im Zuge des Auskaufs der Minderheitsaktionäre den Moulins weitere Anteile andienen. Damit die Moulins das bezahlen können, organisiert BNP Paribas zwei Kreditlinien von zusammen 1,5 Mrd. Euro. Am Ende der Operation soll die Kaufhausgruppe zu 62,9 Prozent der Familie Moulin und zu 37,1 Prozent der BNP Paribas gehören.

Die französische Großbank will ihre Beteiligung in fünf bis zehn Jahren wieder verkaufen, vielleicht via Börsengang. Primär ist sie daran interessiert, die Zusammenarbeit mit Galeries Lafayette bei den Konsumentenkredite zu schützen und auszubauen. Im Zuge der Transaktion stockt BNP Paribas ihren Cofinoga-Anteil auf 50 Prozent auf. Cofinoga soll unabhängig weitergeführt werden und nicht mit der Verbraucherkredit-Tochter der BNP Paribas zusammengelegt werden, bekräftigte Bankchef Baudoin Prot.

Verlierer des Deals scheint auf dem ersten Blick Crédit Mutuel zu sein – ihre Pläne für eine Zusammenarbeit kann sie nun wohl abheften. Die Bank wollte zu den Vorgängen gestern keine Stellung nehmen. Immerhin: Verkauft sie ihre 15 Prozent an Galeries Lafayette wieder, kann sich über einen Gewinn von über 180 Mill. Euro freuen.

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