Großbritannien
Flughafenbetreiber BAA darf Gebühren kräftig erhöhen

Der Flughafenbetreiber BAA darf die Gebühren für die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick kräftig erhöhen. Ab April sollen die Preise um über 20 Prozent steigen. Die Fluggesellschaften reagieren empört.

LONDON. Der spanische Infrastruktur- und Baukonzern Ferrovial kann aufatmen: Großbritanniens zivile Luftfahrtbehörde CAA erlaubt dem Flughafenbetreiber BAA, einer Ferrovial-Tochter, eine deutliche Gebührenerhöhung für die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick. Die Erhöhung ermöglicht es Ferrovial, die für den Kauf von BAA aufgenommenen Schulden zu begleichen. Eine entsprechende Ankündigung von Seiten der Spanier wird in Kürze erwartet. Ferrovial hatte BAA 2006 für 10,3 Mrd. Pfund (damals knapp 16 Mrd. Euro) übernommen. Die Flughafengebühr für Heathrow steigt ab April um 23,5 Prozent auf 12,80 Pfund pro Passagier. Zudem erlaubt die neue Gebührenordnung BAA, die Preise in den nächsten fünf Jahren weiter auf 19,31 Pfund heraufzusetzen. In Gatwick könnten die Gebühren insgesamt um 49 Prozent steigen. Die CAA setzte sich über Empfehlungen der britischen Wettbewerbskommission hinweg, die wesentlich niedrigere Gebührenerhöhungen vorgeschlagen hatte.

Die CAA begründet die neue Gebührenordnung mit den Kosten neuer Sicherheitsvorkehrungen und einer Verbesserung der Infrastruktur. „Das Ergebnis sollten anständige, moderne Flughäfen und ein konsistent hoher Servicestandard sein“, so die CAA in einer Presseerklärung. Insbesondere Heathrow hat wegen Verspätungen, langen Schlangen und schlechtem Service einen denkbar schlechten Ruf unter Passagieren.

Obwohl Analysten die Entscheidung der CAA durchweg positiv bewerteten und der Kurs der Ferrovial-Aktie gestern zeitweise um sieben Prozent stieg, zeigte sich Ferrovial selbst nur mäßig begeistert. Denn die Spanier hatten die Aufsichtsbehörde nicht davon überzeugen können, die Maximalrendite für künftige Investitionen von derzeit 6,2 Prozent für Heathrow und 6,5 Prozent für Gatwick auf jeweils acht Prozent zu erhöhen. Ferrovial will in den nächsten fünf Jahren 4,5 Mrd. Pfund in den Ausbau und die Modernisierung der britischen Flughäfen stecken.

Die Fluggesellschaften empörten sich dagegen erwartungsgemäß. Sie bezeichneten die neue Gebührenordnung der CAA als indirekte Subvention der BAA und forderten erneut die Zerschlagung des angeblichen Flughafen-Monopols von BAA in Großbritannien. Eine Entscheidung der Wettbewerbshüter steht noch aus, möglicherweise wird Ferrovial einen oder mehrere BAA-Flughäfen verkaufen müssen, saen Branchenkenner.

Die CAA habe sich dem Druck der hochverschuldeten BAA gebeugt, sagte der für Flughafenpolitik zuständige British-Airways-Direktor Paul Ellis. „Diese übermäßig großzügigen Gebühren gehen weit über das hinaus, was nötig ist“, so Ellis. Er forderte die CAA auf, sicherzustellen, dass BAA die geforderten Verbesserungen realisiert und kein Geld abzweigt, um Ferrovials Schulden zu bezahlen. Ferrovial hatte vor kurzem einen Gewinneinbruch gemeldet, der auf hohe Zinslasten für seine insgesamt 30 Mrd. Euro Schulden, aber auch auf Verluste von BAA zurückgeführt wurde. BAA verlor im Vorjahr 217 Mill. Euro, 2008 rechnet Ferrovial sogar mit Verlusten von 300 Mill. Euro.

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