Großer Ladenschluss
Das Schlecker-Imperium zerfällt

Es ist vorbei: Die insolvente Drogeriekette Schlecker wird abgewickelt – tausende Mitarbeiter, die bis zuletzt auf ein Wunder gehofft hatten, verlieren ihren Arbeitsplatz. Kanzlerin Merkel will bei der Job-Suche helfen.
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DüsseldorfAus für Schlecker: Der Gläubigerausschuss hat das Ende für die insolvente Drogeriemarktkette beschlossen. Damit verlieren 13.200 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. „Auch nachdem den Investoren am vergangenen Freitag eine Woche Zeit eingeräumt wurde, um ihre Angebote sowohl finanziell als auch konzeptionell anzupassen, liegt keine Offerte im akzeptablen Bereich vor“, teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach einer Sitzung des Ausschusses am Freitag mit.

„Ich bedaure diese Entscheidung im Hinblick auf die vielen, zum Teil langjährigen Schlecker-Mitarbeiter sehr, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren“, betonte Geiwitz weiter. „Das Restrukturierungskonzept war sehr anspruchsvoll aber grundsätzlich machbar.“ Ein Knackpunkt sei die Zahl der Kündigungsschutzklagen gewesen, wegen derer Investoren ihre Angebote reduziert hätten.

Laut Geiwitz ist es zwar gelungen, die Verluste von 200 Millionen Euro 2011 auf voraussichtlich 25 Millionen in diesem Jahr zu drücken. „Das ist einerseits zwar ein großer Erfolg, andererseits aber immer noch ein Verlust - und den darf ein Insolvenzverwalter auf Dauer nicht machen“, betonte er.

Für den Nachmittag hat die Gewerkschaft Verdi zu einer Kundgebung und Demonstration der Schlecker-Frauen vor dem Bundeskanzleramt in Berlin aufgerufen. Der Bundesvorsitzende Frank Bsirske gibt der FDP die Schuld für das Aus. Bsirske: „Die Verantwortung liegt bei Philipp Rösler und Rainer Brüderle“. Der FDP-Parteichef und der Fraktionschef hätten eine Transfergesellschaft im März verhindert und damit die größte Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik besiegelt. Die Politik könne sich jetzt nicht weiter von ihrer Verantwortung drücken. „Die Bewältigung der Folgen der größten Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik muss auf allen Ebenen zur Chefsache werden.“

Auch der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil, macht Wirtschaftsminister Rösler für die Pleite verantwortlich. „Das ist das Ergebnis der Politik von Philipp Rösler. Wir wollen von der Bundesregierung wissen, wie sie mit dem von ihr mitverantworteten Schaden jetzt umgehen will“.

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  • Ich finde die Tätigkeit und die ordnungspolitische Aufgabe von Gewerkschaften wichtig. Aber wenn nun Verdi die Bundesregierung und insbesondere die FDP für die Insolvenz von Schlecker verantwortlich macht, dann ist das Schwachsinn. Und zwar so sehr, dass man sich fragen muss, von welchem eigenen Versagen will Verdi ablenken?
    Ein Geschäftsmodell kann scheitern und ein Unternehmen Pleite gehen. Daran ist nichts Ehrenrühriges. Doch bei allem, was man so über Anton Schlecker liest, handelt es sich doch eher um das typische Verhalten eines Bankrotteurs. Die Verluste werden über lange Zeit verschleiert, an der Unternehmenstartegie nichts geändert und der Schaden auf diese Weise nach allen Seiten weiter ausgeweitet, ohne Rücksicht auf Mitarbeiter, Hersteller, Lieferanten, Geldgeber und sonstige Geschäftspartner. Es ist wichtig, dass ein solches Unternehmen aus dem Markt ausscheidet, um das ungebremste Wachstum an weiteren wirtschaftlichen Schäden zu verhindern. Möglicherweise hat gerade auch Verdi diesem Treiben jahrelang tatenlos zugesehen.

  • Also das hätte sich der Kommentator sparen können.

    So eine blöde Aussage wie:
    "Kanzlerin Merkel will bei der Job-Suche helfen",
    ist so was von blöd und Menschenvera....

    Wie will denn diese Kriegskanzlerin helfen ?

    Ihr ist der nächste Waffengang wesentlich wichtiger wie es scheint als irgend welche Schlecker Leute.

  • Die vor einiger Zeit erhobene Forderung nach einer Transfergesellschaft für einen Teil der Schlecker-Belegschaft war doch Augenwischerei. Nicht nur, daß man ständig von ihr als Auffanggesellschaft sprach, was aber nicht dasselbe und deshalb bewußt irreführend ist, sondern ihr Bestand war auch nur für sechs Monate geplant, also gerade lang genug, um über die Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Hollstein und in Nordrhein-Westfalen zu kommen: Reine Wählertäuschung von seiten der SPD.

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