Großflughafen Berlin Brandenburg
Nachtschatten über Berlin

Geteiltes Echo auf den geplanten Großflughafen: Während Politiker und Verbandschefs die Wettbewerbsfähigkeit von Berlin und Umgebung gestärkt sehen, geben sich die Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung skeptisch. Der Flugbranche bereitet das geplante Nachtflugverbot Sorgen.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. „Gerade wegen der finanziell maroden Situation der Hauptstadt und der ungewissen Finanzierung ist der Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts ein ökonomisch falsches Signal“, sagt Claudia Kemfert, Verkehrsexpertin des DIW.

Bereits 2002 hatte die Wissenschaftlerin ein Gutachten zum geplanten Großflughafen erstellt. Damals hatte sie die möglichen Standorte Sperenberg, Jüterbog und Schönefeld verglichen. Kemfert kam zu dem Schluss, Schönefeld sei mit Abstand die schlechteste Wahl. Es liege mitten in einem Siedlungsgebiet, so dass wegen des Lärmschutzes erhöhte Umsiedlungs- und Abrisskosten auf das Land zukämen. Zudem seien sowohl Sperenberg als auch Jüterbog alte Militärflughäfen, so dass die Ausbaukosten deutlich unter denen für Schönefeld liegen würden. „Das jetzt auferlegte Nachtflugverbot führt noch mal zu zusätzlichen Kosten.“

Einigkeit besteht darüber, dass ein einziger Großflughafen statt drei Flughäfen in Tempelhof, Tegel und Schönefeld die Chance auf ein künftiges Drehkreuz Berlin deutlich erhöht. Das gilt vor allem für Billigflieger – der Kampf um die klassischen Airlines gilt unter Experten nach Jahren der Diskussion längst als verloren. Die Meinungen darüber, wie viele Stellen ein Großflughafen schaffen könnte, gehen jedoch weit auseinander: Während Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf „rund 40 000 neue Arbeitsplätze“ erwartet, rechnet das DIW nur mit einem halb so großen Beschäftigungseffekt.

„Uns erscheinen auch die Kosten – es kursieren Zahlen von zwei Milliarden – für viel zu gering“, sagt Kemfert. Bereits vor vier Jahren prognostizierte sie die Kosten für Schönefeld auf 3,5 Mrd. Euro. Durch die zeitliche Verzögerung – der Baubeginn sollte 2003 sein – dürften die Kosten laut DIW um weitere 500 Mill. Euro steigen.

Die Hauptstadt ist dringend auf neue Arbeitsplätze angewiesen: Die Arbeitslosenquote liegt bei knapp 20 Prozent und damit weit über dem Bundesdurchschnitt. Und während etwa in Bayern, mit München als zweitwichtigstem Flughafen, das durchschnittliche Bruttoeinkommen der Haushalte pro Monat bei knapp 4 000 Euro liegt, beträgt es in Berlin gut 3 000 Euro, in Brandenburg sind es sogar weniger als 3 000 Euro. Das schmälert die Attraktivität eines Standorts, der ohnehin nur über ein geringes Geschäftsreiseaufkommen verfügt, auch für Tourismusanbieter.

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