Großkunden springen ab
Deutsche Konkurrenz zwingt Österreichs Post zum Sparen

Die österreichische Post gerät durch die deutsche Konkurrenz der Otto-Versand-Tochter Hermes immer stärker unter Druck. Alle großen Paketkunden haben angekündigt, künftig auf die Dienste der Post verzichten zu wollen oder sind bereits abgesprungen. Jetzt verhandelt das Management mit den Arbeitnehmervertretern über eine einschneidende Personalreduktion.

WIEN. Nachdem alle großen Paketkunden vom Otto-Versand bis Quelle angekündigt haben, künftig auf die Dienste der Post verzichten zu wollen oder bereits abgesprungen sind, herrscht bei dem Unternehmen Krisenstimmung. Der fallende Aktienkurs heizt diese zusätzlich an. Zu Wochenbeginn beschloss der Aufsichtsrat deswegen ein Drei-Punkte-Sofortprogramm, das vor allem die Verkleinerung der Mitarbeiterzahl und eine Konzentration in der Paketsparte auf die Geschäftskunden vorsieht. Am gestrigen Dienstag folgten Quartalszahlen, die für 2008 ein sinkendes operatives Ergebnis vorhersagen. Und am heutigen Mittwoch beginnen Verhandlungen der österreichischen Post mit den Arbeitnehmervertretern, um eben jene angekündigten Einschnitte beim Personal auch durchzusetzen.

Einfach werden die Gespräche nicht. Das Unternehmen ist noch zu 51 Prozent in Staatsbesitz und ist nicht zuletzt deswegen nicht frei von politischem Einfluss. Unzufriedene Postler wird sich die große Koalition, die in Österreich regiert, nicht lange angucken können. Entsprechend stark ist die Arbeitnehmervertretung. Der stellvertretende Betriebsratschef Martin Palensky will, wie er dem Handelsblatt sagte, Kündigungen so lange nicht zustimmen, wie die Post noch private Transporteure beschäftigt. Genau das ist allerdings das Konzept, das die Post verfolgt, um kostengünstiger arbeiten zu können und möglicherweise Kunden wie Quelle zurückzugewinnen.

Wie so etwas funktioniert, hat der Post der deutsche Logistiker Transoflex vorgemacht, den die Österreicher vergangenes Jahr kauften und der vor allem auf Transportfirmen setzt, deren Leistungen bei Bedarf zugekauft werden. Transoflex kommt mit erheblich weniger Personal aus, als die österreichische Post. Seit Transoflex der Post gehört, ist im Gesamtkonzern der Personalaufwand von 60 auf 50 Prozent gesunken.

Analysten wie Bernd Maurer von der Raiffeisen Centrobank hoffen, dass Postchef Anton Wais die "Weltuntergangsstimmung nutzen kann, um in Verhandlungen mit den Arbeitnehmern weitgehende Kapazitätsanpassungen durchzusetzen“. Wais steht unter Erfolgsdruck. Er muss bis zur Aufsichtsratssitzung am 12. Dezember Ergebnisse vorlegen. Von ihnen werde abhängen, "ob der Vorstand in seiner jetzigen Konstellation unverändert“ bleibe, sagte Aufsichtsratschef Peter Michaelis. Stimmen die Ergebnisse nicht, könnte Wais künftig an Einfluss verlieren.

Damit die Zahlen, die am Dienstag mit einem Umsatz von 1,7 Mrd. Euro und einem Vorsteuergewinn (Ebit) von 118 Mill. besser als befürchtet ausfielen, auch künftig nicht ganz schlecht aussehen, greift die Post auf ein Unicum in der Bilanzierung zurück und bildet "Rückstellungen für Unterauslastungen“. Sie haben inzwischen eine Höhe von 325 Mill. Euro erreicht. Christoph Schultes, Analyst der Ersten Bank, bemängelt dieses System, weil es der Post erlaube, ihr Ergebnis in einem gewissen Rahmen zu verändern und so regelmäßig die Erwartungen zu übertreffen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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