Großteil der Beförderungen sind Krankenfahrten: Gesundheitsreform gefährdet Taxibetriebe

Großteil der Beförderungen sind Krankenfahrten
Gesundheitsreform gefährdet Taxibetriebe

Vor allem in ländlichen Gebieten sei die Existenz vieler Taxi-Unternehmen wegen des Wegfalls der Fahrtkostenübernahme für Arztbesuche nach Ansicht des Taxiverbandes Deutschland (TVD) akut gefährdet.

HB HAMBURG. „Wir erwarten dramatische Umsatzeinbrüche“, sagte Dietmar Plag, TVD- Gesamtvorstandsmitglied, am Donnerstag. Vor allem Taxibetriebe in ländlichen Gebieten seien hart von den Einsparungen betroffen. „Der Großteil ihrer gesamten Beförderungsleistungen sind Krankenfahrten“, betont Plag, der diesen Anteil auf 70 bis 80 Prozent schätzt. Wenn die jetzt wegbrechen, sei das natürlich Existenz bedrohend.

Auf dem Land befürchtet Plag Umsatzeinbußen von bis zu 60 Prozent. Die städtischen Taxibetriebe müssten mit finanziellen Einbußen von 30 bis 40 Prozent rechnen. Erste Unternehmen hätten bereits reagiert und Kündigungen ausgesprochen. „Das führt natürlich zu einer Reduzierung der Flotte. Der Unternehmer kann es sich nicht mehr leisten, Service rund um die Uhr zu bieten“, betonte Plag, der negative Auswirkungen auf die Beförderungsleistungen befürchtet.

Die Kürzung der Fahrtkosten im Zuge der Gesundheitsreform sind für den Verband der falsche Ansatz zum Sparen. Der Patient überlege sich genau, ob er zukünftig die veranschlagten zehn Prozent (mindestens fünf, maximal zehn Euro) der Kosten übernehme. „Die Menschen sind erfinderisch. Lieber lassen sie sich vom Roten Kreuz abholen und ins Krankenhaus fahren“, meinte Plag, „oder sie rufen den ärztlichen Notfalldienst nach 19.00 Uhr an und der kommt ins Haus“.

Ausgenommen von den Zuzahlungen sind Fahrten zur Dialyse, zur Strahlen- oder Chemotherapie sowie besonders genehmigte Fahrten wie etwa zur ambulanten Operation. Doch das müsste erst von den Kassen genehmigt werden. „Das ist Bürokratie hoch zehn“, schimpft Plag. Bisher habe es genügt, wenn der Arzt die Fahrt als medizinisch notwendig verordnet habe. Jetzt müsse der Patient aber extra noch zur Krankenkasse gehen. „Vielen ist der Aufwand zu groß. Sie lassen sich lieber von Verwandten oder Bekannten fahren“, sagte Plag.

Wie groß letztendlich die Auswirkungen sein werden, wird sich nach Plags Ansicht in zwei bis drei Monaten zeigen. „Wir werden sehen, wie es sich einspielt“, sagte der Stuttgarter.

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