Gründer der „Berliner Berg“-Brauerei
Warum zwei Rocket-Manager jetzt Bier brauen

Lager, Pale Ale, Berliner Weiße: Zwei Ex-Manager der Internetschmiede Rocket Internet brauen jetzt Craft Beer. Kein Massenprodukt, sondern von Hand gemacht. Die Geschichte zweier Männer, die mit Frust kreativ umgehen.

BerlinEinen dreckigen Teppichboden mit den eigenen Händen herausreißen, so viel Spaß hat Finn Hänsel offenbar lange nicht gehabt. „Da hing der Rauch von Jahrzehnten drin“, erzählt er immer wieder begeistert. Der ehemalige Top-Manager aus der Start-up-Szene macht jetzt auf bodenständig. Gemeinsam mit zwei Freunden hat er in Berlin-Neukölln eine alte Eckkneipe übernommen und vollständig renoviert. Im Hinterhof brauen sie Bier. Kein gewöhnliches Bier, nicht industriell gefertigt, sondern handgemacht, „ein Bier, wo ich noch den Hopfen rieche, das Malz schmecke“, sagt Hänsel.

Finn Hänsel, 33, und sein Partner Ulli Erxleben, 34, haben beide als Manager für Rocket Internet gearbeitet, der eine in Australien, der andere in den USA. Sie hätten dort viel gelernt, sagen sie, das, was fast alle Ex-Rocket-Mitarbeiter sagen, die froh sind, nicht mehr dabei zu sein, es sich aber auch nicht mit Oliver Samwer verscherzen wollen. Ihr Bierprojekt ziehen sie jetzt jedenfalls lieber ohne Samwer auf. „Das ist ein sehr realer Business-Plan“, sagt Erxleben vorsichtig, „kein Hockeystick“ – so nennen sie bei Rocket die Wachstumskurve ihrer Start-ups, die nach ganz kurzer Zeit ganz steil nach oben gehen muss. Bei der Vorstellung, wie der Rocket-Chef ihn fragen würde, ob das Geschäft skalierbar wäre, muss Erxleben lachen. 

 Spaß und Stress gleichermaßen?

Wie sie hier hinter ihrer selbstgebauten Theke sitzen, in Jeans und Holzfällerhemd, erinnern sie ein bisschen an alte Männer, die fertig sind mit ihrer Karriere und jetzt noch mal was ganz anderes machen, Bienen züchten, Golf spielen oder Modelleisenbahnen lackieren. Vielleicht altert man früher in der Start-up-Szene, in der alles so schnell geht. Von der Uni zum Boss über 100 Mitarbeiter innerhalb von ein paar Monaten. Die Nächte durcharbeiten oder durchfeiern. Spaß und Stress gleichermaßen. Und genau so schnell kann alles auch wieder vorbei sein. 

Ein ehemaliger Rocket-Kollege holte Hänsel und Erxleben als Geschäftsführer zu Epic, dem Inkubator von Pro Sieben, der mal so etwas werden sollte wie Rocket. Zumindest sah es genau so aus wie bei Rocket. Junge Leute an langen Tischreihen, die ein Produkt nach dem anderen ins Netz bringen. Sie verkauften Tierfutter, Schmuck und Online-Gymnastik. Aber Spaß machte es ihnen nicht mehr. Pro Sieben machte es auch keinen Spaß. Epic gibt es heute nicht mehr.  

Wenn sie damals ihren Frust loswerden wollten, trafen sie sich manchmal im „Hopfenreich“, mit Kollege Robin Weber. Im „Hopfenreich“ sitzen Leute, die nicht einfach nur Bier trinken, sondern auch darüber reden, als wäre es ein guter Wein oder ein alter Whiskey. Hier wird Craft Beer ausgeschenkt, ein Trend, der aus den USA stammt und, ganz langsam, auch nach Europa schwappt. Craft Beer, was zu Deutsch von Hand gemacht bedeutet, ist Bier, das in kleineren Mengen produziert wird und individuelle Geschmäcker bedient. Craft-Beer-Brauer verstehen sich als Kreative, die mit Rezepturen experimentieren, die weit über die Unterscheidung Pils oder Weizen hinausgehen. 

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Rezepte ausdenken und losbrauen

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