Gründung einer französisch-niederländischen Holding im Gespräch – Alitalia sucht verzweifelt Anschluss
Air France und KLM auf der Zielgeraden

Die geplante Kapitalverflechtung zwischen Air France und der niederländischen Fluggesellschaft KLM gewinnt zunehmend an Eigendynamik. Offenbar steht das Projekt kurz vor dem Abschluss. Nach übereinstimmenden Agenturberichten will am heutigen Mittwoch der Vorstand der französischen Fluggesellschaft den Zusammenschluss der beiden Unternehmen genehmigen.

dp/mab DÜSSELDORF/MAILAND. Nach Angaben niederländischer Gewerkschaften will sich auch der Aufsichtsrat der KLM heute treffen. Bei Air France hieß es, das Unternehmen kommentiere prinzipiell keine Spekulationen, man wolle es aber auch nicht dementieren. Ebenso äußerte sich KLM-Pressesprecher Bart Koster auf Anfrage des Handelsblatts. Air France bestätigte lediglich, dass für Mittwochmorgen ein Treffen mit dem Konzernbetriebsrat angesetzt sei.

Um Schwierigkeiten mit den Wettbewerbsbehörden beider Ländern auszuweichen, sollen nach den vorliegenden Informationen Air France und KLM die Gründung einer gemeinsamen französisch-niederländischen Holding planen. Danach würden beide Flugunternehmen als Tochtergesellschaften unter dem Holding-Dach zusammengefasst. Bei dieser Konstruktion könnten Identität und Markenname der KLM erhalten bleiben. Im Falle einer vollständigen Übernahme der KLM durch Air France drohte den Niederländern der Verlust von einigen wichtigen Landerechten in Übersee.

Anschluss an den Unternehmensverbund sucht auch die halbstaatliche italienische Fluggesellschaft Alitalia. Sie gehört bereits zu der von Delta Air Lines und Air France angeführten Luftfahrtallianz SkyTeam. Heute wird sich auch der Verwaltungsrat der Alitalia treffen, um über die Effekte eines Zusammengehens der Air France mit der KLM zu diskutieren. Das Top-Management um Vorstandschef Francesco Mengozzi hatte zuletzt keinen Zweifel daran gelassen, angesichts steigender Verluste größtes Interesse an einer Einbeziehung der Alitalia in den Verbund zu haben.

Einer in Finanzkreisen ventilierten Dreier-Fusion steht aber das italienische Schatzamt, das die Airline mit 62% kontrolliert, ablehnend gegenüber. Ein Regierungssprecher sagte gestern, dass Fusionen nicht auf der Tagesordnung stünden. Unternehmenskreise der Alitalia dementierten Gerüchte, wonach der Verwaltungsrat heute die Regierung auffordern werde, ihren Anteil um 20% zu reduzieren, um die wechselseitige Kapitalverflechtung mit Air France von aktuell 2% deutlich aufzustocken. Bei Air France hingegen dürfte die Verflechtung mit KLM der Auftakt zur geplanten Privatisierung sein. Die französische Regierung, die noch mehr als die Hälfte der Aktien hält, wolle ihren Anteil auf „15 bis 20 %“ abbauen, sagte kürzlich der französische Transportminister Gilles de Robien.

Die seit Jahren hochdefizitäre Alitalia flog im ersten Halbjahr 2003 einen operativen Verlust von 266 Mill. Euro ein, allerdings von KLM mit einem operativen Minus von 318 Mill. Euro übertroffen. Air France verzeichnete in derselben Periode einen operativen Verlust von 136 Mill. Euro. Air France rutschte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres(31.3.) operativ zwar auch in die roten Zahlen (minus 13 Mill. Euro), hielt sich aber durch Flugzeug-Verkäufe knapp in der Gewinnzone.

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