Grüne Woche vor Auftakt: Das große Jammern der Lebensmittel-Macher

Grüne Woche vor Auftakt
Das große Jammern der Lebensmittel-Macher

Auf der Grünen Woche tischt die Ernährungsindustrie auf, was sie zu bieten hat – doch die Branche steht unter Druck. Sinkende Verkaufspreise gefährden die Wettbewerbsfähigkeit. Auch die Bauern sind Pessimisten.

BerlinDer Auftakt der Grünen Woche war schon einmal fröhlicher. „Die wirtschaftliche Situation ist schwierig, in einigen Bereichen sogar prekär“, sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) auf der Eröffnungspressekonferenz am Mittwoch. Drastisch gesunkene Agrarpreise vor allem für Schweinehalter und Milchbauern hätten im zurückliegenden Jahr zu Einkommensverlusten von durchschnittlich rund 35 Prozent geführt.

„Ganz plastisch heißt das beispielsweise, dass der Landwirt von jedem verkauften Würstchen gerade einmal 12 Cent erhält.“ Rund eine Milliarde Euro habe allein das Russland-Embargo gekostet, klagte Rukwied. „Die Aussichten sind nach wie vor trüb.“

Der Bauernverband erwarte nicht, dass sich die Preise im ersten Halbjahr des neuen Jahres drehten. Die Bauern müssten mit einem weiteren Einkommensrückgang von 20 bis 30 Prozent rechnen. Und apropos Russland: Jahrelang hatte das Land einen der größten Stände auf der Messe, präsentierte Wodka und Kaviar in aufwendig dekorierten Kulisse – in diesem Jahr allerdings muss die Messe auf Russland verzichten. Einen Grund kann Pressesprecher Wolfgang Rogall nicht nennen.

Auch die Ernährungsindustrie hat Grund zum Jammern: „Die deutsche Ernährungsindustrie hat 2015 ihr schlechtestes Ergebnis seit vier Jahren erzielt, sinkende Verkaufspreise und Konkurrenzdruck im internationalen Wettbewerb setzen die Branche unter Druck“, sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

Jeder neunte Erwerbstätige in Deutschland arbeitet nach Aussage des Bauernverbandes in der heimischen Land- und Ernährungswirtschaft, die insgesamt 4,5 Millionen Arbeitsplätze bietet. Allein die Ernährungsindustrie sei vom Umsatz betrachtet der viertgrößte Gewerbezweig in Deutschland nach der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der chemischen Industrie.

Die Nachfrage nach Lebensmitteln im Einzelhandel sank in den vergangenen Jahren. „Der Verbraucher lebt in einem unstrukturierten Alltag unter großem Zeitdruck und ist ständig mobil“, so Minhoff. Immer weniger Mahlzeiten würden zu Hause eingenommen. Der Anteil der Konsumenten, die auf eine nachhaltige und gesunde Ernährung Wert legen und dafür auch mehr bezahlen, ist nach Erkenntnissen des BVE gestiegen. „Dieser Trend muss sich verstärken, damit sich eine qualitätsorientierte Lebensmittelproduktion in Deutschland weiter lohnt“, sagte Minhoff.

Nach Beobachtungen in der Branche stellten in Deutschland zuletzt wieder mehr Bauern auf Bio-Landbau um. Rund sechs Prozent der deutschen Ackerfläche werden biologisch bewirtschaftet. Da ist jedoch noch Luft nach oben – die Politik strebt 20 Prozent an. Dass viele Verbraucher offenbar bereit sind, mehr für Lebensmittel und konkret für Fleisch auszugeben, wurde gerade von einer Umfrage der Marketingberatung Zühlsdorf + Partner im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) gestützt.

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