Günstige Preise locken Immobilienmakler an
WestLB steht zu Karstadt-Quelle

Die WestLB hat als erste wichtige Gläubigerbank von Karstadt-Quelle dem in die Schieflage geratenen Handelskonzern ihre anhaltende Unterstützung zugesichert. Unterdessen hat nach dem US-Beteiligungsunternehmen Blackstone und der Düsseldorfer Immobiliengruppe Corpus auch die Hamburger Agiv Real Estate Interesse an den zum Verkauf stehenden Immobilien des Konzerns geäußert.

HB DÜSSEL. Der angeschlagene Handelskonzern Karstadt-Quelle erklärte zu Berichten über das Interesse von Blackstone, er wolle seine Unabhängigkeit bewahren und lehne einen kompletten Verkauf des Unternehmens ab. „Der Verkauf als Ganzes kommt nicht in Frage“, sagte Investor-Relations-Leiter Detlef Neveling. „Die Aufgabe der Selbstständigkeit ist keine Option, insofern erübrigt sich die Frage nach einer Komplettübernahme.“

„Wir sind in Gesprächen mit Karstadt-Quelle und wollen den Umstrukturierungsprozess weiter begleiten“, sagte ein Sprecher der WestLB. Die Gespräche mit dem Vorstand des Handelskonzerns verliefen konstruktiv. Branchenkreisen zufolge beläuft sich das Kreditengagement der Bank bei dem Essener Konzern auf rund 100 Millionen Euro. Größter Gläubiger ist nach Reuters-Informationen die Bayerische Landesbank mit bis zu 275 Millionen Euro.

In Bankenkreisen hatte es zuletzt geheißen, die sieben Institute hätten sich darauf verständigt, dem Konzern zumindest bis zum Jahresende den Geldhahn nicht zuzudrehen. Am Mittwoch hieß es aus den Kreisen außerdem, bislang habe Karstadt-Quelle nicht um einen Forderungsverzicht gebeten.

Karstadt-Quelle-Konzernchef Christoph Achenbach hatte am Dienstagabend erklärt: „Weder sind wir insolvent noch werden wir insolvent werden.“ Eine Einigung mit den Arbeitnehmern über deren Sanierungsbeitrag müsse aber bis Mitte Oktober erreicht sein, hob er hervor. Bislang hatte das Unternehmen von einem Zeitrahmen bis Ende Oktober gesprochen. „Der Zeitdruck ist deshalb so groß, weil wir mit den Banken und den Anteilseignern darüber verhandeln, wie hoch sind die Kreditlinien, wie lang laufen diese Kreditlinien.“ Eile sei geboten, weil für die geplante Kapitalerhöhung rechtzeitig eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden müsse.

Nach Blackstone und der Corpus-Gruppe meldete am Mittwoch auch die Hamburger Agiv Real Estate grundsätzliches Interesse an den zum Verkauf stehenden Immobilien des Konzerns an. „Wir haben eine Kernkompetenz, das ist das Asset Management, und in Kooperation mit anderen Investoren könnten wir uns von daher durchaus für eine Reihe von Karstadt-Immobilien interessieren“, sagte ein Sprecher. Derzeit habe die Agiv aber keinen Kontakt mit Blackstone hierzu.

Blackstone hatte am späten Dienstagabend klargestellt, dass die Gesellschaft kein Gebot für Karstadt-Quelle insgesamt im Sinn habe. Auch ein Gebot für die angebotenen Immobilien stehe noch nicht fest. „Wären wir dann an einem Kauf interessiert? Ich weiß es nicht“, hatte Blackstone Deutschland-Chef Hanns Ostmeier zu Reuters gesagt.

Aus Kreisen der Immobilienbranche verlautete, das wachsende Interesse potenzieller Anleger an den Karstadt-Immobilien sei nicht verwunderlich. „Die Stunde ist günstig, der Laden steht zum Verkauf und KarstadtQuelle braucht eiligst Cash“, hieß es in den Kreisen. Die Investoren bräuchten aber Klarheit über die Belastungen, die auf den Immobilien lägen. „Dazu gehören auch die Bedingungen, die die Arbeitnehmer aushandeln.“ Das Interesse potenzieller Käufer dürfte sich allein auf die verwertbaren Teile des Immobilienportfolios von Karstadt erstrecken, sagte der Experte. „Das operative Handelsgeschäft will keiner haben.“ Dazu sei der Restrukturierungsaufwand vermutlich viel zu hoch.

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