Günstige Prognosen für 2005 - Deutsche Familienunternehmen zeigen Stehvermögen
Russlands Modemarkt birgt große Chancen

„Russland ist das Exportland, das den Unternehmen vom Potenzial her die meiste Freude bereitet.“ Mit diesen prägnanten Worten skizziert Thomas Rasch, Geschäftsführer des German Fashion Modeverbandes Deutschland mit Sitz in Köln, wo die mittelständisch geprägte Welt der deutschen Bekleidungshersteller mittelfristig ihre Chancen sieht - wenn sich die Lage im Land weiter stabilisiert.

rv DÜSSELDORF. Den Weg auf diesen riesigen Markt ebnet die Modemesse „Collections Premiere Moskau“ (CPM), die vom 7. bis 10. September zum dritten Mal in der russischen Metropole unter Federführung der Düsseldorfer Messegesellschaft Igedo stattfindet. Mit zunehmender Resonanz. Gemessen an der ersten Modemesse im September 2003 hat sich die Zahl der ausgestellten Marken und Kollektionen auf 670 verdoppelt und auch die Ausstellungsfläche ist mit 17 000 qm doppelt so groß wie noch vor einem Jahr, wie Gerald Böse, Geschäftsführer der Messegesellschaft Igedo in Düsseldorf vor der Presse berichtet. Die Aussteller kommen aus 20 Ländern.

Gerade hat die Igedo Company über ein Marktforschungsinstitut in Moskau noch etwa 2 500 neue russische Einzelhändler angesprochen, die laut Böse nun zur CPM kommen und die auch zur Düsseldorfer Modemesse CPD im Februar reisen werden. Die Datenbank der Igedo Company umfasst nun 10 000 russische Einzelhändler.

In ausführlichen Seminaren, so Gerald Beck, bei der Igedo Company Projektleiter der CPM, erhalten westeuropäische Bekleidungshersteller zudem Tipps, wie sie den russischen Markt erfolgreich bearbeiten können, wie Export und Zahlungsverkehr funktionieren. Das findet nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene statt. So werden laut Beck die nächsten Seminare in Großbritannien, Polen und Spanien ausgerichtet.

Beim Engagement in Russland konzediert Geschäftsführer Thomas Rasch vom German-Fashion-Verband den deutschen Familienunternehmen, die den weitaus größten Teil der Modeschneider ausmachen, erhebliches Stehvermögen. Denn auf deutsche Bekleidungshersteller entfallen 30 bis 35 Prozent der weltweiten Bekleidungsausfuhren. Beim Export nach Russland rangieren sie mit 26 Prozent auf Platz zwei hinter Spitzenreiter Italien - auch wenn der mit 54 Prozent noch einen weiten Vorsprung hat.

Im vergangenen Jahr führten die Bekleidungshersteller der 15 westeuropäischen EU-Länder - nach vorläufigen Schätzungen - Waren im Wert von 862 Mill. Euro nach Russland aus, wie Reinhard E. Döpfer, Managing Director des European Fashion and Textile Export Council (EFTEC) in Brüssel berichtet. Damit wuchsen die Russland-Exporte um 5 Prozent und das EFTEC geht davon aus, dass sich das Wachstum im Jahresverlauf stabilisieren, wenn nicht sogar noch auf 6 bis 7 Prozent erhöhen wird. Nach Döpfers Berechnung würden die Bekleidungsexporte in diesem Jahr damit auf 925 Mill. Euro steigen.

Die Vorzeichen sind schon deshalb günstig, weil die russische Wirtschaft sehr abhängig ist vom Öl- und Gasexport, der über 50 Prozent der Gesamtausfuhren ausmacht. Angesichts der extrem hohen Ölpreise werde, so Döpfers Prognose, das Bruttoinlandsprodukt steigen - und damit auch das verfügbare Einkommen. Deshalb glaubt die EFTEC, dass 2005 ein gutes Jahr für die Bekleidungshersteller Westeuropas wird und prognostiziert beim Russland-Export eine Wachstumsrate von 8 Prozent.

Nach Beobachtung der Organisation beginnt sich der russische Einzelhandel bereits zu wandeln. Die Metropole Moskau, die sich mit ihrer hochwertigen Handelslandschaft deutlich von den übrigen Landesteilen abhebt, erlebte unter den großen Bekleidungsimporteuren, die gleichzeitig als Einzelhändler auftreten, zuletzt eine große Übernahmewelle. So übernahm einer der größten Spieler im Moskauer Modeeinzelhandel, Holding Centre, den Wettbewerber Moskva Department Store.

Der harte Wettbewerb, der Druck auf die Handelsspanne, steigende Mieten und die Expansion ausländischer Handelsketten würden solche Zusammenschlüsse begünstigen, erklärt Döpfer. In großen Provinzstädten wie St. Petersburg, Novosibirsk oder Yekaterinburg - hier ist der Einzelhandel mittelständisch - fassen laut EFTEC immer mehr Händler aus Moskau Fuß. Namhafte Einzelhändler in der Provinz reagieren auf diese Herausforderung, indem sie ihre Markenpalette ausweiten, ihren Laden vergrößern oder neue Geschäfte eröffnen - und zum Trading-up Zuflucht suchen. Hatten sie sich bisher auf Marken der gehobenen Mitte konzentriert, verlegen sie sich jetzt auf Premium-Marken oder auf Luxus-Marken der zweiten Reihe. Und davon profitieren vor allem italienische Marken.

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