Gütermengen wachsen schneller als deren Umschlagplätze
Container-Boom stößt an Grenzen

Die deutschen Seehäfen rechnen im Zuge der prosperierenden Weltwirtschaft mit einem starken Wachstum und stehen vor einem Investitionsboom. Mit der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) geht heute der größte deutsche Seehafen an die Börse, um den Ausbau zu finanzieren.

DÜSSELDORF. Bis 2010 werde sich der Güterumschlag jährlich durchschnittlich um fünf Prozent erhöhen und auch in den Folgejahren dynamisch wachsen, sagte Detthold Aden, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). 2007 erwartet er einen Zuwachs um sechs Prozent auf 318 Mill. Tonnen.

Der Bund rechnet nach Angaben der ZDS bis 2025 mit einem Anstieg des Seegüterumschlags um das Eineinhalbfache auf 759 Mill. Tonnen. Besonders dynamisch wächst der Containerumschlag, der sich auf 45,3 Mill. Standardcontainer (TEU) mehr als vervierfachen werde. Fast verdreifachen werde sich der Fähr-Verkehr in den Ostseehäfen auf 71,7 Mill. Tonnen.

Daher sorgen sich die Seehafenbetriebe, ob der Ausbau der Häfen und ihrer Verkehrsanbindung über Schiene und Straße an das Hinterland mit dem Wachstum der Gütermengen Schritt halten kann. Allein aus den Häfen Hamburg, Bremen und Wilhelmshaven sei bis 2015 mit einem zusätzlichen Güteraufkommen zu rechnen, das 300 Güterzügen täglich entspreche, sagte Aden.

Bund, Küstenländer und Hafenwirtschaft wollen nach Angaben der ZDS bis 2012 zusammen zwar 12,6 Mrd. Euro in den Ausbau der Häfen und ihrer Verkehrs-Anbindungen stecken. Doch für einige wichtige Verkehrsprojekte sei die Finanzierung noch unklar, sagte Aden. So seien vom notwendigen Investitionsvolumen für die Schienen-Hinterlandverbindungen in Höhe von 2,4 Mrd. Euro nur 0,2 Mrd. Euro mit einer Finanzierungsvereinbarung hinterlegt.

Doch die Zeit drängt. Denn bereits heute gibt es nach einem Sonderbericht des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) in den großen Containerhäfen und in deren Hinterland Kapazitätsengpässe. In den Seehäfen führe das gestiegene Containeraufkommen zu Wartezeiten vor Terminals, Depots und Ämtern. Bei der Anbindung an das Hinterland seien sowohl der Straßen- als auch der Schienenverkehr betroffen. Die positive Konjunkturentwicklung verschärfe die Engpässe, die sich bereits in einem Mangel an bestimmten Waggons und Lokomotiven bei den Bahnen bemerkbar mache.

Die größten Engpässe zeigten sich im Moment im Bereich des Hamburgs Hafens, so das BAG, der zusätzlich durch ein hohes regionales Verkehrsaufkommen belastet werde. Die Engpässe behinderten eine reibungslose und damit zuverlässige Ver- und Entsorgung des Hafens auf Schiene und Straße. „Höchste Priorität“ hat nach Ansicht der BAG die „Leistungsertüchtigung der Hamburger Hafenbahn“, die infolge zu geringer Mittelzuweisungen einen erheblichen Substanzverlust erlitten hätte. Sie sei aber für die Abwicklung des Schienengüterverkehrs im Hinterland des Hafens sehr wichtig. Zudem führten Kapazitätsengpässe im Dreieck Hamburg, Bremen, Hannover zu einer hohen Unpünktlichkeit vieler Züge im Hinterland der Seehäfen.

Durch die Teilprivatisierung von 30 Prozent der Anteile an der HHLA will Hamburg rund eine Mrd. Euro erlösen, die in die Finanzierung des Ausbaus der Verkehrsinfrastruktur gesteckt werden soll. Benötigt werden allerdings über drei Mrd. Euro. Die vollständige Privatisierung der HHLA scheiterte aber ebenso an politischen Widerständen und dem Veto der Belegschaft wie der Einstieg der Deutschen Bahn als Investor.

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