Gutachten
Bahn droht mit heftigem Preisaufschlag

Am Sonntag tritt der neue Fahrplan der Bahn in Kraft und mit ihm Preiserhöhungen von knapp 3 Prozent. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Bahn plant, wenn die Bundesregierung höhere Entschädigungen für Bus- und Bahnfahrer bei Verspätungen beschließt.

HB BERLIN. „Es wäre theoretisch eine Preiserhöhung von weit über zehn Prozent notwendig“, heißt es in einem Bahn-Gutachten, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Die Bahn hätte zusätzliche Kosten von jährlich 273 Mill. Euro zu tragen, wenn nur jeder zweite Kunde seine Ansprüche geltend machte. „Signifikante Preiserhöhungen sind bei Einführung der vorgeschlagenen Regelung daher unvermeidbar“, schreibt die Deutsche Bahn in ihrer Stellungnahme.

Die Regierung hatte eine Studie in Auftrag gegeben, in der Entschädigungen bei Verspätungen oder Ausfällen befürwortet werden. Das beträfe nicht nur die Bahn, sondern alle öffentlichen Verkehrsträger. Dazu zählen die Verkehrsverbünde und Nahverkehrsunternehmen mit ihrem Schienen-Nahverkehr und Busverkehr. Die Studie ist bisher unveröffentlicht, liegt Reuters aber vor.

Im Koalitionsvertrag wird auf das Schriftstück ausdrücklich Bezug genommen. Nach Auswertung der Studie sollen demnach die Entschädigungen verbindlich per Gesetz festgeschrieben werden. Dies geht weit über die jetzigen Regelungen der Bahn hinaus, die Schadenersatz nur im Fernverkehr und bei Verspätungen von über einer Stunde leistet. Diesen wiederum gibt es nur in Form eines Gutscheins in Höhe von 20 Prozent der Fahrpreises.

 Fahrpreise und Rabatte: Was die Bahn am Sonntag ändert

Das Regierungs-Gutachten plädiert für eine Bar-Erstattung von 30 Prozent des Fahrpreises bei 30 Minuten Verspätung, 60 Prozent bei 60 Minuten und 90 Prozent bei 90 Minuten. Die Studie kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass auf die Bahn dann jährliche Kosten von über 270 Mill. Euro zukämen. Dabei wird unterstellt, dass jeder zweite Berechtigte Entschädigung einklagt. Zudem wird eine Bearbeitungszeit pro Fall von 15 Minuten angenommen. Sollte diese dagegen 45 Minuten betragen, würden die Kosten noch einmal um 300 Mill. Euro für die Bahn steigen.

Die Bahn lehnt daher die Überlegungen von Schwarz-Rot zur gesetzlichen Regelungen insgesamt als kontraproduktiv ab. Die bisherige Kundencharta der Bahn sei ausreichend. Die nötigen Preiserhöhungen würden zu einem Fahrgastrückgang führen, der auch das politische Ziel von mehr Verkehr auf der Schiene ins Gegenteil umkehre.

Die nationalen Pläne für bessere Entschädigungen können allerdings auch noch von der Europäischen Union beeinflusst werden, die Richtlinien bei Verspätungen erarbeiten will. Für den grenzüberschreitenden Fernverkehr hatten die EU-Verkehrsminister kürzlich bei Verspätungen von über einer Stunde Entschädigungen von 25 Prozent des Fahrpreises beschlossen. Bei mehr als zwei Stunden soll die Hälfte erstattet werden. Auf rein nationale Verbindungen hat dies aber keinen Einfluss.

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