Gute Zahlen zum Eurowings-Start
Wichtiger Rückenwind für die Lufthansa

Gute Quartalszahlen stärken Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei seinem radikalen Umbau. Ein Beleg für den langfristigen Erfolg seiner Strategie sind sie aber noch nicht. Wesentliche Strukturprobleme bleiben ungelöst.

FrankfurtAuch das Damoklesschwert eines neuen Streiks soll die gute Botschaft für die Investoren nicht trüben. Zwar endet an diesem Sonntag die Frist für Tarifgespräche mit der Kabinen-Gewerkschaft Ufo. Und da der Gesprächsfaden derzeit abgerissen ist, sind Arbeitsniederlegungen nicht ausgeschlossen. Doch die Lufthansa-Spitze hält das nicht vom Jubeln ab. Sie feiert die guten Zahlen des dritten Quartals und auch bereits die des Gesamtjahrs. „Die Lufthansa Group erwartet in diesem Jahr das beste operative Ergebnis ihrer Geschichte“, heißt es im Quartalsbericht vom Donnerstag.

Nach mehreren Quartalen mit absoluter Schonkost gibt es für die Aktionäre endlich mal wieder einen gut gedeckten Tisch. Die nach Umsatz und Passagierzahlen größte europäische Fluggesellschaft steigerte ihren Umsatz im dritten Quartal um 5,7 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Das ist exakt das, was Analysten im Schnitt erwartet hatten. Der um Sondereffekte wie etwa Streikkosten bereinigte Gewinn schnellte um 51,2 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro in die Höhe. Das liegt sogar über den Prognosen der Branchenexperten von 1,1 Milliarden Euro.

Die gute Laune im Management dokumentiert sich aber vor allem bei dessen Blick in die Zukunft. Eigentlich hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Aktionären, die im vergangenen Jahr auf ihre Dividende verzichten mussten, zugesagt, im laufenden Jahr ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ohne Streikosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erreichen zu wollen. Nun legt das Management eine Schippe drauf. Das um Streikkosten bereinigte Ergebnis soll im Gesamtjahr sogar 1,75 bis 1,95 Milliarden Euro erreichen.

Analysten hatten mit eine Anhebung der Prognose erwartet. Schließlich hatte Spohr vor einigen Wochen bereits angedeutet, die 1,5 Milliarden Euro auch ohne Herausrechnung der Streikaufwendungen – immerhin 150 Millionen seit Jahresbeginn – schaffen zu können.

Auf den ersten Blick mag irritieren, dass der Konzern für das Gesamtjahr nur höchstens 1,95 Milliarden Euro als Ergebnis erwartet, wenn alleine im dritten Quartal bereits ein bereinigten Ebit von 1,2 Milliarden Euro in den Büchern steht. Doch das erklärt sich mit dem in der Branche üblichen schwachen Jahresauftakt. Im Winter wird weniger geflogen, Lufthansa musste deshalb im ersten Quartal einen bereinigten Betriebsverlust von 167 Millionen Euro verdauen.

Selbst nach sechs Monaten hatte sich dieser Wert gerade einmal auf bescheidene 468 Millionen Euro berappelt. Geld verdienen Airlines vor allem im dritten Quartal, im vierten lässt der Schwung dann schon wieder nach. Die guten Ergebnisse geben Spohr Kraft für den wichtigen Konzernumbau.

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