Gutes Konsumklima
Einzelhändler setzen Aufwärtstrend fort

Der Oktober hat den deutschen Einzelhändlern Hoffnung auf ein gutes Weihnachtsgeschäft gemacht. Der Umsatz legte gegenüber dem Vormonat unerwartet stark zu. Ein größeres Plus hatte es zuletzt im Juli gegeben.
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BerlinTrotz trüber Konjunkturaussichten und der ausufernden Schuldenkrise bleiben die Deutschen in Kauflaune. Der Einzelhandel nahm im Oktober 1,0 Prozent mehr ein als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Ein größeres Umsatzplus hat es in diesem Jahr nur um Juli gegeben. „Der Konsum trotzt der Krisenangst und bleibt ein stabiler Konjunkturmotor“, sagte der Sprecher des Branchenverbandes HDE, Kai Falk. Experten erwarten, dass das Geld bei den Verbrauchern auch in den kommenden Monaten locker sitzt.

„Die Haushalte machen sich zwar Sorgen um die Konjunktur“, sagte DekaBank-Analyst Andreas Scheuerle. „Aber die Tatsache, dass sie mit stabilen bis wachsenden Einkommen rechnen und der Preisdruck nachlässt, kompensiert das.“ Zumal auch die Arbeitslosigkeit weiter sinke. „Wegen der noch immer niedrigen Zinsen konsumieren die Bürger zudem eher als ihr Geld auf die hohe Kante zu legen“, sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Der private Konsum war bereits im dritten Quartal so stark gestiegen wie seit gut vier Jahren nicht mehr.

Nach Prognose der Wirtschaftsweisen steigen die Bruttoverdienste in diesem Jahr um 4,6 Prozent und 2012 um 2,6 Prozent. Gleichzeitig soll die Inflationsrate von 2,3 auf 1,9 Prozent sinken und die Kaufkraft stärken. Auch die Zahl der Arbeitslosen wird weiter fallen, sind sich Experten einig.

Ob steigende Konsumausgaben eine Rezession verhindern können, bleibt dennoch fraglich. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für das vierte Quartal mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 0,2 Prozent. Es wäre das erste Minus seit Anfang 2009. „Die Eurokrise schlägt mehr und mehr auf die deutsche Wirtschaft durch“, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Deshalb ist auch zum Jahresauftakt 2012 ein weiteres Minus beim Wachstum nicht ausgeschlossen.“ UniCredit rechnet dagegen mit einem leichten Wachstum von 0,2 Prozent im Schlussquartal.

Im Vergleich zum Oktober 2010 nahmen die Einzelhändler 1,6 Prozent mehr ein, obwohl der Monat diesmal einen Verkaufstag weniger zählte. „Das gibt Rückenwind für den Jahresendspurt“, sagte HDE-Sprecher Falk. Die Geschäfte im Internet- und Versandhandel wuchsen mit 4,7 Prozent am schnellsten, gefolgt von Supermärkten und Warenhäusern sowie dem Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf (jeweils +1,7 Prozent). Von Januar bis Oktober kletterte der Einzelhandelsumsatz um 2,7 Prozent. Der HDE hatte seine Umsatzprognose für 2011 erst vor wenigen Tagen von 1,5 auf 2,0 Prozent angehoben. „Die stabile Lage am Arbeitsmarkt und die gute Entwicklung der Einkommen sorgten bisher für eine positive Konsumstimmung“, begründete HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Für das Weihnachtsgeschäft im November/Dezember rechnet er mit einem Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Stimmung der Verbraucher hat sich rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft verbessert. Das GfK-Konsumklima stieg im Dezember bereits den dritten Monat in Folge. „Wir werden hier volle Einkaufswagen in der Weihnachtszeit haben“, sagte GfK-Experte Wolfgang Adlwarth.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gutes Konsumklima: Einzelhändler setzen Aufwärtstrend fort"

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  • Das ist die Katastrophenhausse, der Crack-up-Boom... Einkaufen, was das Zeugs hält, bevor die zu erwartende Inflation oder gar der Staatsbankrott alles vernichtet hat, was man sich mühsam zur Seite gelegt hat...
    Das heißt dann "gutes Konsumklima", "Aufwärtstrend", etc...
    Goebbels hätte hier noch was lernen können, wie Propaganda funktioniert!

  • Und ewig irren die Analysten - oder so aehnlich!

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