Hackerangriff: Datenverlust bei Target schlimmer als befürchtet

Hackerangriff
Datenverlust bei Target schlimmer als befürchtet

Bis zu 70 Millionen Kunden könnten vom Datendiebstahl beim Großhändler Target betroffen sein. Die Gefahr wächst stündlich. Die Hacker suchen jetzt im Internet Hilfe, um die Daten zu entschlüsseln.
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San FranciscoHilfeaufruf der besonderen Art: Anonyme Hacker suchen in Untergrund-Foren im Internet Hilfe, um einen Datenschatz von 50 GB zu entschlüsseln. Laut Sicherheitsdient IntelCrawler sucht seit Anfang Januar ein wahrscheinlich von Osteuropa agierender Hacker professionelle Hilfe, um dreifach verschlüsselte PIN-Daten zu dekodieren. Er sei bereit, zehn Dollar pro Zeile Programmcode zu bezahlen. Da können für den Helfer schnell zehntausende Dollar zusammenkommen.

Es dürfte es sich um die Beute eines der größten Datendiebstähle der Geschichte handeln. Vom 27. November bis zum 15. Dezember, so viel steht offenbar fest, hatten sich Hacker Zugang zum Kassensystem des zweitgrößten Einzelhandelskonzerns der USA verschafft. Sie erbeuteten Namen, Kontonummern und offenbar auch Geheimzahlen von bis zu 40 Millionen Kredit- und Guthabenkarten. Am Freitag räumte Target ein, dass der Schaden aber wohl größer sei. Insgesamt seien bis zu 70 Millionen Datensätze in falsche Hände geraten. Bei vielen davon seien auch E-Mail-Adresse, Namen, Telefonnummern und persönliche Angaben gestohlen worden. Der Secret Service hat Ermittlungen aufgenommen.

Doch bevor es um die Bestrafung der Täter geht, gilt es jetzt, den Schaden für die Betroffenen so gering wie möglich zu halten. Kunden sollten, so Target, auf keinen Fall auf E-Mails reagieren, die vorgeben von Target zu kommen. Es sei damit zu rechnen, dass es betrügerische Anrufe mit den Daten gebe. Kunden, deren Kreditkartendaten gestohlen wurden, will der Konzern bis zu einem Jahr eine Überwachung ihrer Kreditkartenkonten bezahlen, um Missbrauch zu vermeiden. Alle nachweislich betrügerischen Abbuchungen oder Transaktionen mit betroffenen Kreditkarten will Target erstatten und auch eine Überwachung gegen "Identitätsdiebstahl" bezahlen. Mit den entwendeten Informationen können Betrüger im schlimmsten Falle im Namen der Opfer Konten eröffnen oder Kredite aufnehmen.

Um Kunden zurückzugewinnen hatte Target in den Tagen nach Bekanntwerden der Attacke einen generellen Rabatt von zehn Prozent auf alle Produkte eingeräumt.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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