Hälfte des Grundkapitals verloren
Steuerforderungen bringen WCM in Bedrängnis

Der erbitterte Streit um hohe Steuerforderungen der Finanzbehörden bringt die angeschlagene Beteiligungsgesellschaft WCM immer mehr in Bedrängnis.

HB DÜSSELDORF. Das Unternehmen muss wegen des schwelenden Konflikts Rückstellungen bilden, die nach Firmenangaben zum Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals führen. Die WCM-Aktie reagierte mit Kursverlusten von teils mehr als zehn Prozent auf die Nachricht.

Vom Kapital von 288,8 Mill. Euro seien aufgrund der Rückstellung nur noch rund 110 Mill. Euro übrig, teilte das Unternehmen am Montag mit. Den Jahresverlust der Gesellschaft gab WCM für 2005 mit rund 43 Mill. Euro an. WCM-Chef Roland Flach betonte indes, die Liquidität des Konzerns sei nicht gefährdet. Auch die Mehrheitsbeteiligung an dem Maschinenbauer Klöckner-Werke stehe nach der derzeitigen Beschlusslage nicht zur Disposition, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Finanzbehörden hatten Anfang Februar im Rahmen einer Betriebsprüfung angekündigt, einen Verlustvortrag aus dem Jahr 1998 nicht mehr zu akzeptieren und Nachforderungen über 87 Mill. Euro einschließlich Zinsen an WCM gestellt. Mit Verlustvorträgen kann ein Unternehmen aufgelaufene Verluste aus früheren Jahren mit Gewinnen verrechnen und so seine Steuerlast drücken.

„Wir sind sicher, dass wir die Leistung nie vollziehen müssen“, unterstrich dagegen Flach. Dennoch habe WCM nach den für die Aktiengesellschaft geltenden Regelungen der HGB-Rechnungslegung die Rückstellung bilden müssen. Auch der ehemalige Vorsitzende Richter am Bundesfinanzhof, Siegfried Widmann, teilt in einem Gutachten die Auffassung von WCM. „An dem Gutachten kann kaum jemand vorbei. Warum die Finanzbehörden diese Forderung erheben, bleibt uns schleierhaft“, sagte Flach.

Mit der wegen des Steuer-Streits mehrfach verschobenen Aufstellung der Bilanz für das Jahr 2005 solle noch in dieser Woche begonnen werden, kündigte Flach an. Das Zahlenwerk solle dem Aufsichtsrat in einer Sitzung am 13. Juni vorgelegt werden. Dann solle auch über die Hauptversammlung und die Tagesordnung des Aktionärstreffens beraten werden. Bei der Hauptversammlung werde auch der Verlust in Höhe von mehr als der Hälfte des Grundkapitals erörtert werden.

Die WCM-Mehrheitsbeteiligung Klöckner-Werke habe mit der Rückstellung „nichts zu tun“, sagte Flach weiter. „Klöckner ist ein Konzern mit einem herausragenden Eigenkapital und einem hervorragenden Ergebnis“, betonte er. Dies sei im ersten Quartal so gewesen und werde auch im zweiten Quartal 2006 so sein. Für Klöckner gebe es bei WCM zudem „keine andere genehmigte Planung, als den Anteil zu behalten“. „Man weiß nicht, was die Zukunft bringt“, schränkte Flach aber ein. Auch die geplante Verschmelzung von Klöckner mit WCM werde durch den Steuer-Streit blockiert, räumte Flach ein: „Bevor es keine Einigung oder Gerichtsentscheidung gibt, wird sie nicht vonstatten gehen.“ Flach betonte erneut, WCM werde gegen jede von der Rechtsauffassung des Unternehmens abweichende Entscheidung in dem Steuer-Konflikt vorgehen.

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