Hafenkonzern
HHLA-Gewinn bricht überraschend ein

Deutlicher Gewinnrückgang für den Hamburger Hafenkonzern HHLA: Das Logistikunternehmen hat rund 23 Prozent weniger eingenommen. Grund waren Verzögerungen bei der Elbvertiefung und die Modernisierung von Terminals.
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HamburgDer Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA kippt nach einem überraschenden Gewinneinbruch zu Jahresfang die Geschäftsziele für 2012. Statt eines Zuwachses um je fünf Prozent erwartet das Management nun einen Rückgang von Konzernumsatz und Betriebsgewinn. Als Gründe nannte der Vorstand am Dienstag die Verzögerungen bei der Elbvertiefung, eine härtere Konkurrenz zwischen den Nordseehäfen und gestiegene Kosten für die Automatisierung eines Containerterminals. Anleger verkauften die Aktie daraufhin in Scharen und schickten das im MDax gelistete Papier mit zeitweise mehr als sieben Prozent Minus in den Keller. Die HHLA war damit in einem freundlichen Umfeld stärkster Verlierer in ihrem Segment.

Für das Gesamtjahr rechnet die HHLA nun mit einem Rückgang des Konzernumsatzes auf 1,1 (Vorjahr: 1,2) Milliarden und des Betriebsgewinns auf "mindestens" 200 (Vorjahr: 207) Millionen Euro. Beim Gewinn sind Entlastungen durch die Entflechtung von Logistikbeteiligungen mit der Deutschen Bahn enthalten. HHLA übernimmt die Anteile der Bahn an den Intermodalgesellschaften Polzug und Metrans. Im Gegenzug geht deren bisherige 50-Prozent-Beteiligung an der Verluste schreibenden TFG Transfracht auf die Bahn über. Die Gesellschaft hatte zuletzt rund 100 Millionen Euro Umsatz eingefahren.

Der robuste Containerumschlag spielte an der Börse indes kaum eine Rolle. Im ersten Vierteljahr bewegte der Eurogate -Rivale 1,7 Millionen Container an den Kaimauern, knapp fünf Prozent mehr als vor Jahresfrist. Damit baute die HHLA zugleich ihren Marktanteil gegenüber den großen Konkurrenten Rotterdam und Antwerpen weiter aus, da deren Containerumschlag stagnierte oder - im Fall Rotterdam - sogar schrumpfte.

Zugleich sank der Umsatz im börsennotierten Kerngeschäft Hafenlogistik um ein Prozent auf 280 Millionen Euro. Dies erklärte die HHLA damit, dass der Umsatz bei Gemeinschaftsunternehmen in der Fruchtlogistik seit Jahresanfang nicht mehr eingerechnet werde. Der Betriebsgewinn (Ebit) schrumpfte sogar um fast ein Viertel auf 31,5 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem leichten Anstieg auf 42,3 Millionen Euro gerechnet. Als Ursache nannte die HHLA Umstrukturierungen und Belastungen im Containergeschäft. Dazu zählte der Vorstand höhere Kosten in der Schiffsabfertigung aufgrund von Verzögerungen bei der Elbvertiefung, einen höheren Anteil des ertragsschwachen Zubringerverkehrs (Feeder) sowie unerwartete Mehrkosten bei der Automatisierung des Containerterminals Burchardkai.

Vor höheren Kosten durch die spätere Elbvertiefung hatte die HHLA bereits bei der Bilanzvorlage im März gewarnt. Wegen des größeren Tiefgangs der Containerriesen, die die Reedereien auf der wichtigen Route zwischen Asien und Europa einsetzen, werden die Zeitfenster immer kürzer, in denen die Schiffe während der Flut die Elbe hinauf in den Hafen fahren können. Damit müssen die Schiffe mit Stellplätzen von teilweise mehr als 10.000 Standardcontainern schneller be- und entladen werden, wodurch die Kosten steigen. Eigentlich hätten die Bagger bereits Ende vergangenen Jahres anrücken sollen, um die Elbe auf rund 130 Kilometern zwischen Cuxhaven und Hamburg zu vertiefen. Wegen eines Streits über Ausgleichszahlungen und Schutzauflagen hatte Niedersachsen aber erst Anfang April seine Zustimmung für das umstrittene Projekt gegeben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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